Antec Solo II im Test: Super leise aber auch super heiß

 2/6
Sven Scharpe
56 Kommentare

Lieferumfang und Daten

  • Material: Stahlblech und Kunststoff
  • Abmessungen: ca. 440 × 205 × 470 mm (H × B × T)
  • Gewicht: ca. 9,1 kg
  • Zwei 5,25"-Laufwerksschächte
  • Drei Einbauplätze für 3,5" und 2,5"-Festplatten
  • Ein weiterer Einbauplatz für eine 2,5"-SSD
  • Mainboard-Formfaktor: Mini-ITX, µATX, ATX
  • Frontanschlüsse: zwei USB-3.0 und zwei USB-2.0-Schnittstellen, Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon sowie ein eSATA-Anschluss
Belüftungsmöglichkeiten
Position Anzahl Größe U/min Anschluss Staubfilter Anlaufspannung
Front 2 (optional) 120 mm
Deckel
Linke Seite
Rechte Seite
Heck 1 120 mm 640 / 1120 3pin-Molex 3,9 V
Boden

Das Zubehör, das Antec dem Solo II beilegt, ist schnell aufgezählt. Enthalten sind alle nötigen Schrauben sowie fünf Kabelbinder. Eine richtige Anleitung liegt dem Midi-Tower leider nicht bei, stattdessen finden wir ein Faltblatt mit mehr oder weniger rudimentären Informationen vor. Immerhin kann man dort lesen, dass besagtes Faltblatt lediglich „allgemeine Informationen“ enthält und man sich doch bitte die richtige Montageanleitung (PDF) aus dem Internet besorgen möge. Von einem Gehäuse der Mittelklasse sollte man allerdings erwarten dürfen, dass dem Produkt eine vollständige Anleitung beiliegt. Was nutzt einem der Weg über das Internet, wenn der künftige PC noch in Einzelteilen auf dem Tisch liegt?

Ausstattung außen

Das Erscheinungsbild der Vorderseite ist, wie bereits eingangs erwähnt, sehr sachlich und nüchtern ausgefallen. Die Front besteht aus Kunststoff und wird von einer großflächigen Einlage aus Aluminium aufgewertet. Bedienelemente sowie die Schnittstellen der Frontanschlüsse sind allesamt etwas ungünstig an der rechten unteren Seite angebracht. Das Frontpanel umfasst dabei zwei moderne USB-3.0-Ports und zwei weitere USB-2.0-Anschlüsse. Dazu gesellen sich die üblichen Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon. Nimmt man die Frontpartie etwas genauer in Augenschein, fällt schnell das Scharnier an der rechten Seite auf. Um die Front nun öffnen zu können, ist es erst einmal erforderlich, dass die linke Seitenwand entfernt wird. Nur dann können im Inneren zwei Laschen aus Kunststoff entriegelt werden, woraufhin ein Aufklappen der Vorderseite möglich ist.

Nach dem Öffnen werden die zwei 5,25"-Schächte zugänglich, entsprechende Laufwerke werden von einem robust wirkenden Schienensystem an Ort und Stelle gehalten. Etwas darunter liegt eine Abdeckung, die nach dem Lösen einer Rändelschraube nach unten geschwenkt werden kann. Diese Klappe verfügt über einen leicht entnehmbaren Staubfilter und kann optional einen 120-mm-Lüfter aufnehmen. Dahinter befindet sich der Festplattenkäfig, der bis zu drei Datenträger der Größe 3,5" beziehungsweise 2,5" aufnehmen kann. Befestigt werden können die Laufwerke dabei auf zweierlei Weise: Zum einen stehen drei sehr solide Festplattenschlitten parat, auf denen die Festplatten einfach von unten verschraubt werden, während dicke Puffer aus weichem Silikon für eine ausreichende Entkopplung vom Chassis sorgen. Die zweite Befestigungsmethode wirkt etwas exotisch, denn hier könnten zwei Festplatten mittels Gummibändern quasi schwebend im Käfig aufgehängt werden. Wie genau das funktionieren soll, bleibt dabei offen, in der aus dem Internet bezogenen Anleitung steht dazu wörtlich:

  • Entfernen Sie die zwei Festplatteneinschübe aus dem Käfig.
  • Twist vorne Hosenträger.
  • Legen Sie die Festplatte durch die vordere Hosenträger von der Front.
  • Drehen Sie den hinteren Hosenträger und Führer der Festplatte durch.
  • Finden Sie die richtigen Stromanschluss am Netzteil und verbinden Sie es mit dem Gerät.
  • Wiederholen Sie diesen Vorgang für die anderen Laufwerke.
  • Befestigen Sie das Laufwerk Käfigtür.
Anleitung

Wirklich hilfreich erscheinen uns diese Angaben nicht zu sein. Antec hat uns wissen lassen, dass die Anleitung umgehend überarbeitet wird und solche etwas merkwürdigen Passagen damit der Vergangenheit angehören. Wie auch immer man die Festplatte in die Gummigurte auch einhängt, richtig sicher ist diese Befestigung auf keinen Fall. Vor dem Transport des Rechners empfehlen wir daher dringend, die Datenträger auszubauen. Besser setzt man aber gleich auf die weiter oben beschriebenen Festplattenschlitten und umgeht so die Transportproblematik. Direkt unterhalb des Festplattenkäfigs befindet sich noch ein Einbauplatz für einen weiteren optionalen 120-mm-Lüfter; ein leicht entnehmbarer Staubfilter ist wie selbstverständlich auch hier vorhanden. Die Luft beziehen die beiden zusätzlich installierbaren Ventilatoren durch seitliche Öffnungen, die sich über beide Seiten der Frontblende erstrecken.

Die beiden Seitenwände des Solo II kommen komplett ohne Öffnungen aus und tragen so dem zugrunde liegenden Silent-Konzept Rechnung. Befestigt wird die linke Seite dabei mit zwei speziellen Rändelschrauben, die fest mit den Seitenteilen verbunden sind, während das rechte Pendant mit konventionellen Schrauben vorlieb nehmen muss. Auch am Deckel gibt es – außer einem Gitter im hinteren Bereich – nichts weiter zu sehen. Unter dem erwähnten Gitter werkelt in diesem Fall kein Lüfter, sondern hier findet das Netzteil seinen Platz und soll die Luft durch diese Öffnung beziehen. Warum Antec an dieser Stelle auf einen Staubfilter verzichtet hat, bleibt unklar.

Damit wären wir dann auch schon bei der Heckansicht angekommen. Neben dem oben zu platzierenden Stromspender findet sich hier der einzige im Lieferumfang befindliche Lüfter. Dabei handelt es sich um ein 120-mm-Modell der brandneuen hauseigenen TrueQuiet-Serie. Wir werden uns diesen Ventilator später noch etwas genauer ansehen und klären, ob ein Fortschritt gegenüber den alten TriCool- und TwoCool-Plagegeistern zu verzeichnen ist.

Zu guter Letzt folgt noch der obligatorische Blick auf den Boden des Solo II. Hier finden sich ebenfalls keinerlei Öffnungen, so können wir lediglich noch einige Worte zu den eingesetzten Standfüßen verlieren. Hier setzt der Hersteller auf große Exemplare aus weichem Gummi, die dem Midi-Tower einerseits einen sicheren Stand verleihen und das Chassis auf der anderen Seite wirkungsvoll vom Untergrund entkoppeln.

In Sachen Verarbeitung kann man Antec eine solide Arbeit bescheinigen. Das Solo II ist sehr robust konstruiert, Verwindungen lassen sich nur mit massivem Kraftaufwand erzielen. Auch die Lackierung ist an allen Stellen sauber und penibel aufgetragen, da gibt es nichts zu meckern. Gleiches gilt für die überaus gleichmäßigen Spaltmaße.

Ausstattung innen

Um für Erweiterungskarten den größtmöglichen Raum bereitstellen zu können, hat Antec im Innenraum zu einem Trick gegriffen. Der Festplattenkäfig rückt einfach ein Stück nach oben, so bleibt dann die komplette Länge des Innenraumes für Grafikkarten mit Übergröße nutzbar. Optional können für die Kühlung der Festplatten beziehungsweise des Innenraumes noch bis zu zwei zusätzliche 120-mm-Lüfter installiert werden. Neben den bis zu drei Datenträgern im 3,5"- oder 2,5"-Format kann vertikal unterhalb des Festplattenkäfigs noch eine weitere 2,5"-HDD/SSD montiert werden. Zu beiden Seiten des Käfigs befinden sich noch vier ovale Abdeckungen aus Plastik. Entfernt man diese, erhält man Zugriff auf die an anderer Stelle erwähnten Gummibänder, mit denen die Festplatten alternativ befestigt werden können.

Die hohe Steifigkeit hat das Solo II seinen dicken Blechen zu verdanken, zusätzliche Stabilität bringt eine horizontale Strebe, auf der später das Netzteil ruhen wird. Leider hat der Hersteller an dieser Stelle auf eine weiche Gummiauflage verzichtet, die Vibrationen des Stromspenders schluckt. Der Mainboardträger verfügt über insgesamt drei größere Öffnungen, die man theoretisch zum Verlegen der Kabel nutzen könnte. In der Praxis ist mit lediglich knapp sechs Millimetern aber nicht annähernd Platz für ein solches Vorhaben.

Eine Besonderheit des Solo II wird sichtbar, wenn man die Innenseiten des Deckels und der beiden Seitenwände betrachtet. Hier hat Antec auf das nackte Blech noch jeweils eine dünne Platte aus Kunststoff aufgebracht, die eine schalldämmende Wirkung aufweisen und Vibrationen effektiv den Garaus machen sollen. Ansonsten gibt es am Deckel noch das Lüftungsgitter für das Netzteil zu sehen, einen Staubfilter sucht man allerdings vergeblich. Viel gibt es auch über das Bodenblech nicht zu berichten, im hinteren Bereich sind die Montageschienen für die 5,25"-Laufwerke in einer Klemmvorrichtung untergebracht. Das war es dann an dieser Stelle auch schon.

Interessanter wird es dagegen am Heck! Der grundsätzliche Aufbau ist dabei eher wenig spektakulär, das Netzteil findet der ATX-Norm entsprechend seinen Platz unter dem Deckel. Auf die Integration von Schlauchdurchführungen hat Antec verzichtet; wer im Solo II eine Flüssigkeitskühlung betreiben möchte, kommt um Bastelarbeiten also nicht herum. Zu guter Letzt finden wir hier einen der brandneuen TrueQuiet-Lüfter vor. Gerade in Sachen Lüfter hat der Hersteller in der Vergangenheit mit seinen TriCool- und TwoCool-Ventilatoren viel Kritik einstecken müssen. Alle Modelle verfügen dabei über einen Zwei- beziehungsweise Dreiwegeschalter, mit dem der Anwender die Drehzahl einstellen kann. Das Problem ist bisher allerdings gewesen, dass die Lüfter in allen Betriebsmodi zu laut agierten und den Antec-Gehäusen so regelmäßig zu unrühmlichen Spitzenplätzen im Lautstärkeranking verholfen haben.

Von den Drehzahlschaltern konnte sich der Hersteller zwar auch bei seinen neuen Lüftern nicht trennen, trotzdem soll nun alles besser werden. Das beginnt schon bei der Befestigung: die neuen Ventilatoren werden mit Gummiententkopplern am Chassis befestigt. Die Durchführungen für die Gumminippel bestehen aus weichem Silikon, was aber auch den Nachteil hat, dass eine Montage mit normalen Lüfterschrauben ausgeschlossen ist. Die größte Neuerung dürfte aber mit Sicherheit die Reduzierung der Umdrehungsgeschwindigkeit sein. Hier kann der Anwender, laut Anleitung, zwischen 1.000 und 2.000 Umdrehungen pro Minute wählen. Bei diesen Angaben handelt es sich aber um einen Fehler, tatsächlich rotiert der Ventilator mit gemütlichen 640 / 1.120 Umdrehungen pro Minute. Auf dem Papier sind das bereits gute Voraussetzungen für einen leisen Betrieb. Wie sich die neuen Lüfter in der Praxis wirklich schlagen, sehen wir uns später noch genauer an.

Abschließend lässt sich zu dem Bereich des Innenraums sagen, dass sich Antec hinsichtlich der Verarbeitungsqualität keine Schwächen leistet. Scharfe Kanten oder Mängel bei der Lackierung konnten wir bei unserem Testmuster nicht feststellen. Sehr lobenswert ist die wirklich außerordentliche Verwindungssteifigkeit, die das Solo II an den Tag legt – das findet man in dieser Form nicht alle Tage.