Kingdoms of Amalur: Reckoning im Test: Heute nur Prinz, kein König

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Sasan Abdi
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Fazit

Wäre „Kingdoms of Amalur: Reckoning“ vor zwei Jahren erschienen – der neue Genre-König wäre geboren worden. Big Huge Games, die 38 Studios und EA liefern einen Titel ab, der im klassischen „Hack & Slay“-Rahmen eine Offenbarung ist und in vielerlei Hinsicht die Träume und Wünsche der Genre-Freunde bedient.

Da ist eine abwechslungsreiche Fantasy-Welt, die mit einem ordentlichen aber begrenzt relevanten Plot die Basis dafür legt, sich nach Belieben auf die Umgebung, die Kämpfe und das Sammeln und Craften von einer Vielzahl von Items einzulassen. Da ist eine sehr ordentliche technische Umsetzung, die sogar eine ganz passable Steuerung, eine sehr solide KI und ein hervorragendes Kampfsystem beinhaltet. Kurzum: Viele Elemente eines klassischen Rollenspiels sind vorhanden und werden gut bedient, was vor nicht allzu langer Zeit für Freudensprünge gesorgt hätte.

Im Jahr 2012 haben sich die Vorzeichen für eine Einordnung allerdings aufgrund von zwei Titeln nennenswert verändert. Da ist zum einen „Dragon Age“, das sich (sicher diskussionswürdiger Weise) so dicht und episch wie ein interaktiver Film angeht; und da ist vor allem auch „The Elder Scrolls V: Skyrim“, das bewiesen hat, dass eine Mischung aus dem „Dragon Age“-Ansatz und der klassischen Schule hervorragend funktionieren und eventuell sogar als Königsweg bei der Konzeption von Rollenspielen angesehen werden kann. Der klassische „Hack & Slay“-Part des Genres wurde also grundlegend erweitert, sodass heute mehr denn je gilt, dass Rollenspiel nicht gleich Rollenspiel ist.

Kingdoms of Amalur: Reckoning im Test

In einem solchen Licht betrachtet, verliert „Kingdoms of Amalur: Reckoning“ dann doch etwas von seinem Glanz, da weder die erzählerische Dichte eines „Dragon Age“ noch die gekonnte Kombination von alten und neuen Elementen („Skyrim“) erreicht wird. Stattdessen hat man es mit einem ziemlich klassischen Rollenspiel zu tun, das in der Gesamtschau bei der vergleichenden Betrachtung ein wenig angestaubt wirkt, weswegen wir die vielerorts losgetretene, bedingungslose Euphorie bei der Bewertung des Titels nur eingeschränkt teilen können.

Vor diesem Hintergrund ist abschließend wieder einmal eine differenzierte Empfehlung angebracht: Wer schon länger auf ein Rollenspiel mit vielen klassischen Elementen gewartet hat, wird mit „Kingdoms of Amalur: Reckoning“ auf jeden Fall glücklich werden. Wer dagegen ein Spiel erwartet, das stark an die letzten mutigen Entwicklungen des Genres heranreicht, sollte das Angebot dagegen mit Vorsicht genießen.

Auch wenn wir das erstere Begehren gut nachvollziehen können, lautet unser subjektives Fazit: „Dragon Age“ und vor allem „Skyrim“ waren so erfrischend und wegweisend, dass uns die Rückkehr in die alten Gefilde des klassischen „Hack & Slay“-RPG schwergefallen ist.

Kopier- & Jugendschutz

„Kingdoms of Amalur: Reckoning“ funktioniert nur mit dem kontrovers diskutierten Origin-Service von EA, der in vielerlei Hinsicht dem Valve-Pendant Steam ähnelt. Wie bei Steam gilt auch für Origin-Spiele, dass ein Weiterverkauf durch die Bindung an den Service de facto unmöglich gemacht wird; ein Vorteil ist, dass keine DVD im Laufwerk liegen muss.

In Sachen Jugendschutz gilt es zu erwähnen, dass der Titel die USK-Einstufung „ab 18“ erhalten hat und in Deutschland zu einhundert Prozent ungeschnitten erschienen ist.

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