4/5 Sharkoon Skiller und Nightwriter im Test : Zwei Tastaturen, zwei Zielgruppen

, 57 Kommentare

Alltagserfahrungen

Im Alltagseinsatz konnte die Skiller trotz oder eher wegen des Featuresets kaum begeistern. Offensichtlich ist dabei das Problem fieser Fingerabdrücke: Die fast ausschließliche Verwendung von Klavierlack um die Tasten herum bedarf ob des Effektes keiner weiteren Worte. Eine Reinigung kann prinzipiell bereits nach jedem Einsatz erfolgen. Auch die Multimedia-Tasten erfreuen wenig, da gerade die äußeren Exemplare an den Seiten der Skiller äußerst dürftig verarbeitet sind. Wackeln in sich, Wackeln des gesamten Tastenfeldes sowie Klavierlack-Oberfläche als Sahnehäubchen begeistern auf keine Weise. Inwiefern beispielsweise die Browser-Funktionalitäten überhaupt den Alltag erleichtern, sei dahingestellt. Zumindest im Testzeitraum war dies nicht der Fall, da die für diesen Zweck vorbelegten „F“-Tasten üblicherweise ebenso einfach zu erreichen sind. Auch die Anordnung der Media-Shortcuts verwirrt, denn die Funktionen „vor“ und „zurück“ sind nicht bei der Lautstärkeregelung platziert, sondern von diesen durch Systemfunktionen getrennt. Dass sich selbige außerdem auf der rechten Seite der Tastatur befinden, sich im Spiel also nicht flüssig erreichen lassen, unterstreicht die konfuse Konzeption der Tastatur.

Deutlich besser als das Rundum-Paket funktioniert das Tippen auf den 105 regulären Tasten. Sie waren gut erreichbar und überzeugten durch einen weichen, aber präzisen Druckpunkt, der nach Überwinden des bei Rubberdomes üblichen hohen Anfangswiderstandes erreicht wird. Durch die Verwendung der Gummiglocken wird typischerweise erst ein Kontakt ausgelöst, wenn die Taste ihre vier Millimeter Hubweg zurückgelegt hat. Ewig Bestand hat das aber nicht: Bauartbedingt verändert sich das Tippgefühl mit zunehmender Nutzungsdauer. Das teils hell klackernde akustische Feedback entspricht dabei dem Stand der Preisklasse und stört nicht weiter. Ergonomisch ergeben sich abgesehen von dem leicht beweglichen Stand keine Kritikpunkte, wenngleich die schmalen Tasten eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordern. Gerade zu Beginn der Nutzung wird daher oftmals über die eigentlich anvisierte Stelle hinausgegriffen. Die gummierten Caps hingegen wirken nicht wie beabsichtigt: Sie werden bei längerer Benutzung extrem rutschig. Haftbonus Fehlanzeige, allein die vergrößerte Oberfläche mag eine Montage rechtfertigen.

Das Key-Rollover beherrscht die Skiller weit weniger sicher als angepriesen. In Abhängigkeit von der Tastenmatrix waren zwischen vier und zehn Eingaben gleichzeitig möglich, was nicht einmal annähernd an die versprochenen 18 heranreicht. Immerhin ließ sich kein Ghosting feststellen und für den Gaming-Alltag reicht das Gebotene allemal. Ein weiterer, recht großer Kritikpunkt der Skiller sind die Status-LEDs etwa des Nummernblocks. Die verbauten Exemplare stünden leider auch dem Todesstern gut zu Gesicht: Sie sind aktiviert eine stete Ablenkung und das selbst im peripheren Sichtfeld, wenn also nicht direkt auf die Tastatur geblickt wird. Da bei beiden Geräten die Beleuchtung ansonsten weit schwächer, also im erträglichen Maße erfolgt, eine absolut unverständlicher Kontrast. Das Exemplar in der Nightwriter ist zwar prinzipiell ähnlich schlagkräftig, sitzt aber tiefer im Rahmen der Tastatur. Hier lässt es sich deshalb in normalem Arbeitsabstand prima tippen.

Sharkoon Skiller und Nightwriter
Sharkoon Skiller und Nightwriter

Stichwort arbeiten: Im Alltagseinsatz gibt die Nightwriter eine ordentliche Figur ab. Die Beleuchtung sieht gut aus, leuchtet recht gleichmäßig und ist insgesamt gut abzulesen. Störend wirkt sich aber aus, dass sie auch bei heruntergefahrenem Rechner weiter aktiv bleibt und somit stets manuell deaktiviert werden muss. Dies fällt besonders ins Gewicht, da die Tasten wie bei allen Geräten mit Beleuchtung ohne selbige besonders in etwas dunkleren Umgebungen schlecht abzulesen sind. Ins Gewicht fällt außerdem, dass Sharkoon keine „Scissor“-Tasten nutzt, welche unabhängig vom Druckpunkt an der Oberfläche gleichmäßig Kraft auf die Schalter ausübt – oder eine ähnliche Lösung benutzt, wie etwa Logitech sie beim Ultra-Flat-Keyboard verbaut. So haken insbesondere größere Tasten wie beispielsweise „Shift“ etwas, wenn sie an ihren Außenseiten getroffen werden. Das hemmt den Arbeitsfluss und stört im Alltag besonders Vielschreiber.

Ansonsten tippt es sich auf den recht glatten Caps aber recht passabel und trotz der recht kleinen Gummifüße einigermaßen standsicher. Die Handballenauflage hätte allerdings noch ein wenig größer ausfallen oder vielmehr flacher abfallen dürfen, um von richtigem Nutzen zu sein. So steht der „Nachtschreiber“ an der Vorderseite für unseren Geschmack etwas zu hoch, um auf ihm auch längere Zeit wirklich bequem tippen zu können. Zusammen mit dem etwas eingelassenen Tastenfeld entsteht so eine recht hohe Kante, die bei normaler 10-Finger-Schreibweise das Betätigen der mit dem Rahmen gerade abschließenden Tasten je nach üblicher Handhaltung erschweren kann. Deutlich besser als bei der Skiller gelingt die Anordnung der Zusatzfunktionen, die hier tatsächlich in Funktionsgruppen gegliedert werden. Das raue Material gibt sich zwar haptisch als Plastik zu erkennen, bleibt aber deutlich weniger schmutzanfällig als der Klavierlack des Schwestermodelles.

Auf der nächsten Seite: Fazit