News : Microsoft: Strafe wegen fehlender Browser-Auswahl wahrscheinlich

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Nur eine Woche, nachdem erste Spekulationen bezüglich einer entsprechenden formellen Klage durch die EU-Kommission aufkamen, bestätigte Wettbewerbskommisar Joaquín Almunia diese. Eine Strafe gegen Microsoft aufgrund der fehlenden Browser-Auswahl auf etwa 28 Millionen PCs dürfte so sehr wahrscheinlich teuer werden.

Almunia erklärte, dass man auf das Verhalten Microsofts reagieren müsse. Nicht nur, dass dieser Fehler unter Umständen negative Auswirkungen auf den Wettbewerb gehabt haben könnte, der Software-Konzern habe damit auch gegen ein früheres Urteil verstoßen, laut dem er dem Nutzer eine Auswahl verschiedener Internet-Browser präsentieren müsse.

Unklar ist, inwiefern Microsofts Reaktionen Einfluss auf die Höhe einer möglichen Strafe haben könnten. Denn das Unternehmen hatte unmittelbar nach dem öffentlichen Bekanntwerden eingeräumt, dass ein Software-Fehler für das Ausbleiben des BCS-Programms (Browser Choice Screen) verantwortlich gewesen sei. Zudem sei man unverzüglich die Beseitigung des Problems angegangen.

Im schlimmsten Fall könnte die EU-Kommission eine Strafzahlung in Höhe von zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

124 Kommentare
Themen:
  • Patrick Bellmer E-Mail
    … hat für ComputerBase von August 2010 bis Mai 2013 über Smartphones, Tablets und Notebooks geschrieben.

Ergänzungen aus der Community

  • TheShaft 25.09.2012 13:58
    ;12740921']Wer sich von der "marktbeherschenden Stellung im Browsermarkt" unterdrückt fühlt sucht sich einen anderen. Wer das nicht tut und sich über MS beschwert tut mir leid. &apos
    Seit wann hat Apple mit Safari eine Marktbeherrschende Stellung ?
    Ein Monopolist hat mehr Pflichten als ein gewöhnlicher Marktteilnehmer: er muss nachweisen, dass seine 1) Monopolstellung dem freien Wettbewerb und der 2) technologischen Entwicklung nicht schadet. Es ist vollkommen klar, dass:

    -> Das IE Monopol der technologischen Entwicklung geschadet hat
    -> Microsoft nichts unternommen hat um den freien Wettbewerb zu erhalten (dies ist die Pflicht des Monopolisten)
  • Palomino 25.09.2012 15:29
    Es kann doch nicht so schwer sein sich mal ein bischen zu informieren, warum es das Urteil der EU gegen die Bündelung von Windows mit dem IE gibt. Es geht vor allem um den Wettbewerb, denn hinter den Browsern (die man kostenlos herunterladen kann) steckt ein ganzes Ökosystem, bei dem es um sehr viel Geld geht. Ohne Wettbewerb würde alles von Ms gesteuert und kontrolliert werden können.


    Microsoft hat Anfang der 90er das Internet und die Bedeutung der Webbrowser verschlafen (wen wunderts). Zu dieser Zeit war der Netscape Navigator Marktführer bei den Webbrowsern (80%) und dem IE meilenweit voraus. Netscape war damals Technologieführer in diesem Bereich.

    Das besondere an Netscape war darüber hinaus, dass er auf verschiedenen OS lief, eine Vielzahl von Programmierschnissstellen besaß und zusammen mit der Programmiersprache Java vertrieben wurde. Hätte man konsequent Anwendungen für den Netscape Navigator entwickelt, hätte das Betriebssystem für den PC an Bedeutung verloren. Insbesondere Windows wäre betroffen gewesen, da der Nutzer viele Alternativen gehabt hätte, besonders Linux hätte profitiert.

    Ende der 90er Jahre arbeiteten bis zu 1000 Mitarbeiter an der Entwicklung des IE. (Gut zu wissen für alle, die glauben dass ein Webbrowser ein kostenloses Bonusprogramm für das OS ist. Gleichzeitig hat MS den IE mit Windows gebündelt, wodurch der IE auf jedem Windows System vorhanden war. Hierdurch hat sich der Marktanteil des IE rapide erhöht.

    Der so entstandene Browserkrieg zwischen MS und Netscape führte dazu, dass immer mehr Erweiterungen abseits der Standards entwickelt wurden die z.T. nicht kompatibel mit anderen Browsern waren. Nach dem Ende Netscapes hatte MS mit dem IE einen Marktanteil von über 90%. Eine Folge davon war, dass Webseiten vor allem auf den IE hin optimiert wurden und mit anderen Browsern kaum noch kompatibel waren. MS konnte auch nach belieben neue Funktionen und standards festlegen und so Konkurrenten vom Markt verdrängen.

    Wer installiert schon einen alternativen Browser, wenn er damit kein Online Banking betreiben kann bzw. viele Webshops nicht funktionienen? Duech die Marktbeherrschende Stellung drohte einereits die Gefahr, dass das Internet zu einem 'Windows Internet' wird. Andererseits hat es auch die Verbreitung von Viren begünstigt, da man mit jeder Sicherheitslücke mehr als 90% der Rechner erreichen kann.

    Nur mal so zum Nachdenken: Ohne das Urteil der EU wäre Bing heute die beherrschende Suchmaschine, da MS Google über den IE problemlos einschränken könnte. Firefox und Chrome u.a. würden die dann vom MS geschaffenen Standards nicht unterstützen bzw. erst mit zeitlichem Verzug.

    Mit einem Monopol bei den Browsern könnte MS das gesamte Internet beinflussen, da sich jede Website den Vorgaben durch den IE anpassen müsste.

    Man muss doch nicht lange zurückblicken und sich fragen, wieso Firefox und Chrome so schnell Marktanteile gewonnen haben. Sie waren schneller und innovativer als IE. Nicht umsonst hat es bis IE 9 gedauert, bis MS mal wieder einen brauchbaren Browser hatte. Die Vorgänger waren doch allesamt lahme Krücken. Wenn ein Browser wirklich nur ein kostenloses Tool wäre, würde MS nicht diesen Aufwand betreiben.

    Und MS wurde nicht nur in der EU für sein aggressives Verhalten verklagt. In Amerika wurden die meisten Verfahren gegen Geldzahlung eingestellt. Netscape hat immerhin 750 Mio $ erhalten.

    Das Urteil gegen MS wurde gefällt, damit es einen funktionierenden Wettbewerb bei den Browsern für PCs gibt. Bei Tablets und Smartphones ist es anders. Hier gibt es einen funktionierenden Wettbewerb. Dass Apple sein OS mit Safari bündelt ist auch kein Problem, da der Marktanteil bei PCs einfach zu gering ist, um den Markt zu beeinträchtigen.

    Und es ist absolut richtig, dass die Browserauswahl vor der Installation von Windows geschieht und nicht hinterher. Dann ist es zu spät weil nur die wenigsten sich wirklich hinterher für einen anderen Browser entscheiden würden. man muss hier immer von der Gesamtheit der Nutzer ausgehen. Eine wirklich Aktive Auswahl kann nur vorher stattfinden.

    Man würde doch auch nicht bei einer Bundestagsahl hingehen und das Ergebnis der letzten Wahl vorgeben mit der Maßgabe, dass jeder, der seine Stimme ändern oder zurücknehmen möchte möchte, dies tun kann.

    Zu einer Auswahl gehört, dass man vorher auswählen kann.