2/5 Call of Duty: Black Ops 2 im Test : Um Innovation bemüht

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Missionsdesign

Die inhaltliche Verknüpfung mit der Vergangenheit hat nicht nur Auswirkungen auf die Handlung, sondern ermöglicht auch eine Zweiteilung des Missionsdesigns. So zieht der Spieler unter Anwendung von futuristischen Gimmicks wie ultra-starken Halt gebenden Nano-Handschuhen sowohl im Jahr 2025, als auch im „echten“ Kalten Krieg (vor allem 1986) in die Schlacht.

Letzterer Teil der großen Ballerei bewegt sich überwiegend in den Fußstapfen der Vorgänger-Spiele, sodass hier leider von einer 0815-Konzeption gesprochen werden muss. Immerhin variieren wieder die Schauplätze ordentlich, sodass man sich beispielsweise im Rahmen einer Rettungsaktion in Angola und als Zugriffsspezialist auf einer südamerikanischen Hacienda beweisen muss.

„Black Ops 2“ – Afghanistan-Mission

Zu den Stärken gehört hier zum einen die Afghanistan-Mission, in der man auf der Seite der Mudschaheddin gegen eine sowjetische Übermacht kämpft. Dieses Unterfangen ist allerdings nicht etwa ein spielerischer Genuss, sondern fast schon von komödienhafter Güte: Wenn man auf einem schwarzen Ross sitzend locker aus der Hüfte den gefühlt zwanzigsten sowjetischen Helikopter vom Himmel geschossen hat, ist zumindest ein Schmunzler ob der absurden Darstellung von Krieg garantiert.

Ein echtes, weil erzählerisch gut aufgezogenes Bonbon stellt aber der besagte Zugriff auf der Hacienda dar, bei dem man Menendez in Zusammenarbeit mit fragwürdigen lokalen Kräften stellen soll. Gelungen ist dabei vor allem der Perspektivenwechsel, zu dem auch der bereits angesprochene, blutrünstige Amoklauf von Menendez gehört und der dem Spieler eindrucksvoll deutlich macht, wie die Charaktere und Handlungslinien zueinander stehen.

Wesentlich peppiger präsentieren sich aber jene Missionen, die in der nahen Zukunft spielen. Da nahezu jede technische Spielerei denkbar ist, bekommt man hier einige futuristische Optionen an die Hand gereicht, darunter unterstützende (und teilweise steuerbare) Mechs, die besagten Handschuhe, coole Fluganzüge und ein besonderes Scharfschützengewehr.

Doch auch wenn das Missionsdesign dadurch etwas abwechslungsreicher wird und auch wenn sich durchaus bemerkbar macht, dass die Entwickler alternative Routen und über Interaktionspunkte sogar alternative Vorgehensweisen anbieten: „Black Ops 2“ bleibt klassisches „Call of Duty“.

Dementsprechend hat man es trotz allem auch hier wieder mit den klassischen Mustern im Missionsdesign und vor allem mit den klassischen Schlauchleveln zu tun. Und diese, das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, haben uns teilweise wirklich angeödet, sodass uns weniger das Spielen an sich, als vielmehr das Interesse an der Story der rund siebenstündigen Einzelspielerkampagne bei der Stange gehalten hat.

An dieser Stelle findet sich die Krux, um die kaum ein Militärshooter dieser Tage herumzukommen scheint: Es mangelt an cleveren, neuen Inhalten und Mechaniken, um das mittlerweile wirklich angestaubte, grundlegende Schema endlich abzulösen oder zumindest großzügig zu erweitern.

Einschränkend kann dazu allerdings gesagt werden, dass sich Treyarch auch in dieser Hinsicht bemüht hat. Zumindest lässt sich so das Zustandekommen des neuen „Eingreiftruppen“-Modus' erklären. In diesem gilt es unter Zeitdruck entweder, bestimmte Punkte zu halten oder einzunehmen. Dazu kann der Spieler in eine Vogelperspektive wechseln, in der er den vorhandenen Truppen Befehle geben kann.

Bei einer soliden Umsetzung würde „Black Ops 2“ durch diesen kleinen Zusatz wahrscheinlich tatsächlich an Tiefe gewinnen, denn immerhin hat man es hier mit einem handfesten strategischen Merkmal zu tun. Leider überzeugt die Umsetzung aber so gar nicht, da essentielle Dinge wie die Positionierung und die Zuweisung von Zielen viel zu grob, unintuitiv und unzuverlässig von der Hand gehen, sodass die meisten Spieler die grobe Positionierung über die Vogelperspektive vornehmen und sich dann höchstselbst direkt an vorderster Front in der gängigen Ego-Perspektive ins Getümmel stürzen dürften. Dass man es hier mit einem klassischen „gut gemeint aber schlecht gemacht“ zu tun hat, wird auch anhand der Einbindung der Missionen deutlich: Diese sind optional und werden äußerst rudimentär im dunklen Kämmerchen eines Flugzeugträgers („USS Obama“) besprochen.

Auch wenn man „Black Ops 2“ also an mehreren Stellen anmerkt, dass die Entwickler sich wirklich Gedanken gemacht haben: Dauerhaft aufgebrochen wird die vom Missionsdesign ausgehende Monotonie leider nicht. Als größtes, vom Missionsdesign herrührendes Gimmick können deswegen fast schon die unterschiedlichen, vor allem die persönliche Ebene betreffenden Enden angesehen werden, bei denen sich spezifische Entscheidungen des Spielers auswirken und die durchaus dazu beitragen, dass man bestimmte Stellen noch einmal zurückspult, um den Lauf der Dinge zu verändern.

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