Smartphones 2012: Das waren die Highlights und Trends des Jahres

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Patrick Bellmer
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Eigene Inhalte und Dienste

Die Bindung eines Kunden ist für ein Unternehmen ein wichtiges Ziel. Ist dieser mit einem Gerät oder einer Dienstleistung zufrieden, ist es sehr wahrscheinlich, dass er sich beim nächsten Mal erneut für dieses entscheidet. Aus Verbrauchersicht ist dies sicherlich zu begrüßen – am Ende profitieren eigentlich alle Seiten davon. Etwas anders sieht es aus, wenn ein Hersteller den Kunden nicht binden, sondern fesseln und ihm die Freiheit nehmen will.

So geschehen bei Apple. Mit iOS 6 hielten gleich zwei Neuerungen Einzug, die die Stimmung zwischen den Plattformanbietern nur zu deutlich sichtbar machten. Aus Sicht deutscher Nutzer am deutlichsten wird dies bei Apple Maps. Von Anfang an steuerte Google seine eigene Karten-App bei, zugegebenermaßen am Ende deutlich weniger umfangreich als beispielsweise das Android-Pendant. Mit dem Wechsel hin zum eigenen Angebot verprellte Apple aber nicht nur den Suchmaschinenbetreiber, sondern auch die Kunden. Um jeden Preis wollte man ein eigenes Angebot schaffen, um unabhängiger von anderen zu werden. Für Apple war dieser Preis jede Menge Häme für die reichlich schwache Leistung, die man mit Apple Maps abgeliefert hat, für den Kunden wird dieser erst seit wenigen Tagen deutlich.

Apple Maps
Apple Maps

Zwar steht mittlerweile ein Google-Maps-Ableger für iOS im App Store bereit, der separat betrachtet auch durchaus zu gefallen weiß, einzig die Anbindung an des restliche System fehlt – weil Apple es so will. Weder gibt es einen Zugriff auf die gespeicherten Kontakte, noch kann Google Maps als Standardkartenanwendung definiert werden. Der Kunde ist so im Prinzip gefesselt.

Der Weg hin zu immer mehr Insellösungen ist dabei bereits vorgezeichnet. Auch Amazon arbeitet an einem eigenen Kartendienst, der nicht mehr von Google, sondern der Nokia-Tochter Navteq beliefert wird. Zudem steht eine Lösung, wie ein Wechsel der Plattform möglichst ohne Folgekosten bleibt, noch immer aus. Wer viel Geld für Android-, iOS- oder Windows-Phone-Applikationen ausgegeben hat, wird nicht so bald umsteigen wollen. Aber nicht nur zwischen den Ökosystemen wird gekämpft, auch die – so könnte man denken – Partner führen einen eher rücksichtslosen Kampf.

Eigene, in sich geschlossene Systeme

Denn mittlerweile kauft man kein Android-Smartphone aus dem Hause Samsung oder Sony mehr, sondern ein Samsung- oder Sony-Smartphone, auf dem irgendwo noch Reste von Android laufen. Den Anfang machten hier die eigenen Oberflächen, mittlerweile hat jeder größere Hersteller mittlerweile einen eigenen Online-Shop für Applikationen, Musik und Videos. Statt hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen, verzettelt man sich.

Mehr Wettbewerb

Ende 2011 schien die Zukunft festzustehen: Android und iOS würden künftig den Markt unter sich aufteilen, alle anderen Plattformen wären unter ferner liefen zu finden. Denn Windows Phone 7 kam nicht wirklich in Fahrt, zu teuer die Geräte, zu wenige bahnbrechende Neuerungen, eine zu mächtige Konkurrenz. Doch ein Jahr später sieht es alles ein wenig anders aus. Mit Windows Phone 8 hat Microsoft das prinzipiell schon nicht schlechte eigene Betriebssystem weiter verbessert und gemeinsam mit Nokia, HTC und Samsung attraktive Geräte gestaltet, die sich vor der Konkurrenz nicht verstecken müssen. Auch wenn offizielle Zahlen noch immer fehlen: Allein der Zuspruch der Entwickler zeigt, dass Windows Phone in den kommenden Monaten eine wichtigere Rolle als zuletzt spielen wird. Für den Kunden kann dies nur von Vorteil sein, denn (ernsthafte) Konkurrenz belebt das Geschäft.

Abzuwarten bleibt jedoch, ob dies auch für einzelnen Hersteller gelten wird. Denn hier hat sich der Markt in den letzten zwölf Monaten sehr eindeutig entwickelt. Samsung stieg von einem großen zum größten Anbieter auf und konnte zuletzt einen Anteil von fast einem Drittel für sich beanspruchen. Nokia, über Jahre hinweg der Spitzenreiter, wurde in den letzten Statistiken nicht einmal mehr unter den fünf ersten Herstellern gelistet. Dank neuer Modelle wie dem Lumia 820 oder dem Lumia 920 könnte sich der Trend jedoch umkehren. Zu wünschen ist dies auch HTC, einem der Verlierer des vergangenen Jahres. Hier wurden die Absatzzahlen Quartal für Quartal annähernd halbiert, ZTE konnte so bereits vorbeiziehen, bei Huawei dürfte es nur eine Frage der Zeit sein.

Ob die beiden großen chinesischen Hersteller aber bereits im kommenden Jahr eine sehr viel dominantere Position einnehmen werden, gilt als unwahrscheinlich. In den USA sorgten beide Unternehmen mit Spionagevorwürfen für negative Schlagzeilen, in Deutschland gelten beide als eher unbekannte Marken oder bestenfalls als Anbieter eher preiswerter Geräte. Zudem deutet nur wenig darauf hin, dass Samsung sein Veröffentlichungstempo verringern wird. Gleichzeitig will Research in Motion aber auch wieder angreifen, der Start von BlackBerry 10 direkt zum Jahresbeginn soll von neuer Hardware begleitet werden. Letztendlich dürften die Stücke so also schrumpfen, auch wenn die Torte insgesamt in einem hohen Tempo größer wird.