2/5 Logitech G710+ im Test : Mechanisch. Und trotzdem leise.

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Äußerlichkeiten

Zusatzfeatures hin oder her, der Lieferumfang der G710+ fällt spartanisch aus. Mehr als zwei Handbücher legt Logitech dem neuesten Werk nicht bei, ein praktischer „Tastenzieher“ fehlt damit. Unter Berücksichtigung der unwesentlichen Herstellkosten enttäuscht das – auf ein paar Cent kommt es in diesen Preisklassen im Angesicht des dreistelligen Kaufpreises nicht mehr an.

Logitech G710+
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Bezüglich des Gehäusedesigns vertraut Logitech auf eine etwas aggressivere Linienführung, die wie üblich die abgeflachten Seiten der „G“-Serie beinhaltet. Hierdurch wächst die maximale Breite der Tastatur auf 51,3 Zentimeter, etwas mehr als tatsächlich für die zusätzliche Reihe Makrotasten benötigt würde. Die Tiefe des verwendeten Chassis liegt mit 16,5 (respektive 22,2 cm inkl. Handballenauflage) wieder in üblichen Regionen. Über die Aufstellfüße lässt sich die Höhe von 3,8 auf 4,2 cm anheben, wobei die höchste Tastenreihe als Referenzpunkt dient.

Hinsichtlich des Materials greift Logitech auf glattes, aber mattes Plastik am äußeren Rahmen des Gehäuses zurück, jedoch auf empfindlichen Klavierlack rund um das Tastenbett. Der unnötige Spalt zwischen beiden Segmenten erhöht die Schmutzanfälligkeit. Wie bei Spiele-Tastaturen mit aufwendiger und damit schwerer mechanischer Technik üblich, sorgt die Montage der Schalter auf einer Metallplatte sowohl für das hohe Eigengewicht von rund anderthalb Kilogramm als auch für die enorme Steifigkeit. In Verbindung mit den gummierten Auflagen an der Unterseite ist so gleichzeitig für einen stets sicheren Stand selbst auf glatten Oberflächen gesorgt.

An der Rückseite des Chassis hat Logitech in Nachbarschaft des Anschlusskabels auch einen einzelnen USB-2.0-Port verbaut, der über ein separates Kabel angeschlossen wird. Dies sichert den Betrieb auch stromhungriger Geräte bei vollen Übertragungsraten an der Tastatur. Die Erreichbarkeit ist allerdings aufgrund der Positionierung dicht an der Unterseite des Gehäuses wie üblich schlecht, weshalb er sich nur für ständig installierte, nicht jedoch für USB-Sticks und ähnliche Geräte eignet.

Das klassische Dreiblock-Layout mit 105 Tasten wird von Logitech für die G710+ in verschiedene Richtungen erweitert. An der linken Seite des Gehäuses sind sechs Makro-Tasten untergebracht, während sich an der Oberseite Schalter zur Auswahl der drei Ebenen des jeweiligen Profils, zur Makro-Aufzeichnung und zur Aktivierung des „Gaming“-Modus, welcher Windows- und Kontexttasten deaktiviert, finden. Insgesamt können die sechs Zusatzschalter also jeweils dreimal belegt werden, was ausreichende Flexibilität lässt. An der rechten Seite der Tastatur lassen sich aufgeteilt in klar abgegrenzte Blöcke die Beleuchtung, der Media-Player und die Lautstärke, letztere über ein praktisches, aber leider von Klavierlack umzäuntes Scrollrad steuern. Auf Doppelbelegungen etwa der „F“-Tasten verzichtet Logitech im Gegenzug, sodass die sonst notwendigen Klammergriffe entfallen können.

Logitech G710+
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Im Gegensatz zu den Standardtasten, deren leicht zylindrische Form übliche 12 × 14 Millimeter misst, sind die Tasten am oberen Rand des Chassis mit Dimensionen von 12 × 6 mm deutlich schmaler, wobei sie rund vier Millimeter oberhalb der letzten Tastenreihe liegen. Der Reihenabstand von vier Millimetern in vertikaler und 6,5 Millimetern in horizontaler Ebene fällt hingegen wieder normgerecht aus. Auf diese Weise muss einerseits das Gehäuse nicht über Normalmaße verbreitert werden, andererseits können die etwas flacheren Tasten auch blind ertastet werden. Prinzipiell wären zwei oder drei Millimeter zusätzliche Breite allerdings noch angenehmer zu drücken, da das Auslösen durch die größere Auflagefläche einfacher und mit weniger Präzision, ergo angenehmer erfolgen könnte. Durch die Verwendung von Rubberdome-Schaltern in diesem Bereich verzichtet Logitech leider auf ein rein mechanisches Konzept, das es im Bereich der Mediatasten damit am Markt auch weiterhin nicht gibt. Im Alltag fällt das unterschiedliche Anschlagsverhalten allerdings auf.

Basismaterial der Tastenkappen ist, wie in dieser Preisklasse üblich, durchsichtiges ABS-Plastik. Die direkt über den LEDs sitzende Beschriftung wird im „Laser Cut“-Verfahren aus einer schwarzen Beschichtung mit glatter Oberfläche, im Bereich der „WASD“- und Pfeiltasten aus einer grauen Beschichtung mit glatter Oberfläche ausgeschnitten. Technisch gesehen gehört diese Methode zu den haltbareren Lösungen, da der „Ausschnitt“ erst mit dem Abrieb der Beschichtung selbst unlesbar wird.

Weil für eine optimale Ausleuchtung eine LED pro Schalter benötigt wird, ist der „Ausschnitt“ direkt über der Lichtquelle platziert. Das klappt wie üblich so lange gut, wie keine Doppelbelegungen oder größeren Symbole auf dem Keycap untergebracht sind – auf das Einfärben der ohnehin verbauten Metallplatte zur Verbesserung der Ausleuchtung wie bei Razers „Black Widow Ultimate 2013“ wurde leider verzichtet. Erhellt wird die gesamte Tastatur in Weiß. Lediglich die Taster zur Profilwahl und Makro-Aufnahme erstrahlen zwecks besserer Orientierung orange respektive rot -, wobei die Helligkeit der bereits durch andersfarbige Kappen hervorgehobenen „WASD“- und Pfeiltasten separat mit jeweils vier Stufen wählbar ist. Das erweist sich in erster Linie als nette Spielerei, der tatsächliche Nutzen wird in den meisten Fällen gering sein. Dies gilt umso mehr, da die entsprechenden Tasten ohnehin farblich abgegrenzt sind. Nicht gedimmt werden leider die Status-LEDs, die neben den üblichen Informationen auch um eine weitere Diode für den Gaming-Modus ergänzt wurden.

Logitech G710+
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Durch die Cherry-Aufnahme besteht bei den Kappen die Möglichkeit, in den Zubehörmarkt zu greifen. Zur Stabilisation größerer Tasten wird ebenfalls der Cherry-Baukasten genutzt. Gegenüber den Drahtbügel-Haltern (Costar-Typ) steigt die Stabilität entlang der Längsachse, dafür fällt das Anschlagsverhalten leicht schwergängiger aus. Unter jeder Kappe verbaut Logitech zudem einen sogenannten „O“-Ring“. Hierbei handelt es sich im Prinzip um Unterlegscheiben aus Gummi, die zwischen Tastenkappe und Schalter geklemmt werden. Diese verhindern das „klackernde“ Geräusch, das durch das Ausnutzen des gesamten Anschlagsweges der Schalter entsteht, wenn dieser mit Wucht am Ende des Schaftes angelangt. So wird die Lärmkulisse, die bauartbedingt eine Begleiterscheinung mechanischer Tastaturen ist, effektiv reduziert und vor allem in tiefere, damit subjektiv angenehmere Hörregionen verlagert. Außerdem dämpfen die O-Ringe das Anschlagverhalten auch gefühlt, das damit weicher wird, während sich der Hubweg etwas verkürzt. Die Präzision der mechanischen Schalter leidet darunter nicht.

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