4/5 Tolino Shine E-Book-Reader im Test : Buchhändlers neuer Liebling

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Bedienung und Lesen

Das sechs Zoll messende und mit 758 × 1.024 Bildpunkten auflösende Display kann bei E-Book-Readern mittlerweile als gängig angesehen werden. Das Display besitzt einen hellgrauen Hintergrund, welcher mit der dunkelgrauen Schrift einen angenehm zu lesenden Kontrast bildet. Bilder werden trotz der 16 Graustufen gut dargestellt.

Zur Darstellung der Bücher stehen dem Leser lediglich fünf im Reader integrierte Schriftarten zur Verfügung – die im E-Book verankerten nicht mitgezählt, welche sich in sieben verschiedenen Größen darstellen lassen. Andere gängige Reader bieten hier oftmals mehr Einstellungsmöglichkeiten.

Das E-Ink-Display stellt die Schrift scharf dar, eine Einstellung für Helligkeit und Kontrast des E-Ink-Displays ist nicht vorhanden, lediglich die Intensität der LED-Beleuchtung lässt sich regeln. Diese leuchtet das Gerät recht gut aus, nur am unteren Ende, an dem die LEDs sitzen, sind Unregelmäßigkeiten in der Ausleuchtung zu erkennen, was von uns im Alltag aber nicht als störend empfunden wurde, da in diesem Bereich selten Text vorhanden ist. Bei maximaler Intensität leuchtet das Display etwas weniger hell als die Konkurrenten Kindle oder Kobo, was sich aber nicht als Nachteil äußert, denn bereits 75 Prozent der maximalen Beleuchtungsintensität reichen zum Lesen in dunkler Umgebung vollkommen aus. Bei hoher Intensität rächt sich aber wiederum die fehlende Kontrasteinstellung, da die Schrift bei zunehmender Helligkeit schlechter zu lesen ist.

Eine indirekte Beleuchtung stellt bei längerem Lesen zwar immer die bessere Wahl für die Augen dar, trotzdem empfinden wir die Beleuchtung des Readers als sehr angenehmen und sie ist der von Tablets jederzeit vorzuziehen.

Tolino Shine – Displayqualität Bild
Tolino Shine – Displayqualität Bild
Tolino Shine – Displayqualität Schrift
Tolino Shine – Displayqualität Schrift

Im Bezug auf die LED-Beleuchtung ist uns zudem ein weiterer Fehler in den Einstellungen aufgefallen: Wird die Beleuchtung auf den kleinsten Wert eingestellt, lässt sich diese anschließend zwar ausschalten, aber nicht wieder einschalten. Erst wenn die Intensität in den Einstellungen leicht über das Minimum angehoben wird, lässt sich die Beleuchtung wieder aktivieren.

Des Weiteren sind kaum weitere Einstellungen möglich. So fehlen zum Beispiel Möglichkeiten der Justierung des Abstandes zwischen den Zeilen und Absätzen sowie bei Zeilenumbrüchen. Auch ein Einstellen der Abstände bezüglich der Seitenränder ist nicht möglich. Dies bieten teilweise sogar schon deutlich günstigere Geräte.

Die Bedienung beim Lesen gestaltet sich als recht einfach. Geblättert wird per Wischgeste oder Berührung der Seitenränder, ein Zoomen im Dokument per „Pitch-to-Zoom“ ist nicht möglich. Der Seitenaufbau selbst siedelt sich im mittleren Bereich an. Auch wenn der Tolino nur bei jedem sechsten Seitenwechsel invertiert, muss sich dieser deutlich unserem knapp 1 ½ Jahre alten Sony PRS-T1 geschlagen geben, welcher trotz Invertierung bei jeder Seite diese deutlich schneller aufbaut – die leicht geringere Auflösung kann hierbei vernachlässigt werden.

Der Infrarot-Touchscreen reagiert schnell und Eingaben gehen gut von der Hand. Wie bereits erwähnt verfügt der Tolino Shine nur über drei Hardwaretasten. Ohne Rückgriff auf den Touchscreen kann er nicht vollumfänglich bedient werden. Über den unten angebrachten Button gelangt man jederzeit zur Übersicht, in welcher vorhandene Bücher und eine kleine Auswahl aus dem PagePlace angezeigt werden. Bezüglich der Bedienung wäre eine geradlinigere Handhabung wünschenswert gewesen: Während innerhalb von Dokumenten mit den bereits genannten Gesten navigiert wird, zeigen diese innerhalb der Bibliothek und der Einstellungen keine Wirkung – hier muss über angezeigte Pfeile navigiert werden.

Innerhalb von Büchern können bestimmte Einstellungen wie das Inhaltsverzeichnis, Schriften oder das Leselicht über einen Tipp auf die Bildschirmmitte aufgerufen werden. Im unteren Bereich befindet sich die Möglichkeit, direkt zu bestimmten Seiten zu springen. Lesezeichen können beim Lesen jederzeit über ein rechts oben angebrachtes Symbol gesetzt werden.

Gelesen wird hochkant, eine Ansicht im Querformat ist nicht möglich, wäre aber gerade bei der Darstellung von PDF-Dokumenten nützlich, um ein ständiges Schieben des Textes zu vermeiden. Generell bekleckert der Tolino Shine sich bei der Darstellung von PDF-Dokumenten, wie bereits erwähnt, nicht unbedingt mit Ruhm. Der Aufbau solcher Inhalte dauert für einen E-Book-Reader recht lange, auch die Möglichkeiten zur Darstellung lassen zu wünschen übrig. Zwar beherrscht der Tolino Shine laut Datenblatt PDF-Reflow, bei welchem der Text aus dem Dokument herausgetrennt und ans Display angepasst angezeigt wird, in der Praxis ist diese Funktion auf dem Reader aber so gut wie nicht zu gebrauchen. Bei der Umsetzung braucht der Tolino bei komplexen Dokumenten recht lange, um am Ende alle Zeilenumbrüche, Absätze und Leerzeichen komplett zu ignorieren und nur noch einen reinen Zeichenwurm darzustellen.

Ein weiteres Problem der Darstellung zeigt sich bei der Invertierung. Hierbei wird der Bildschirm komplett von vorherigen Darstellungen gereinigt. Dieses Vorgehen handhaben Hersteller verschieden: Während die einen dies bei jedem Seitenwechsel durchführen, invertieren andere nur nach einer bestimmten Anzahl von Seitenwechseln. Nur wenige Hersteller überlassen dem Benutzer die Wahl der Einstellung. Eine Invertierung nach einer bestimmten Anzahl von Seiten besitzt den Vorteil, dass der Akku geschont wird und sich somit die Laufleistung erhöht. Beim Tolino Shine hätten die Entwickler durchaus dem Benutzer die Entscheidung überlassen können, ob er der Energie-Ersparnis gegenüber der schlechteren Darstellungsqualität den Vorzug geben möchte. Teilweise sieht man bereits nach zwei Seitenwechseln deutlich die Reste der vorangegangenen Seiten. Dies lässt sich mit einer bedruckten Zeitung vergleichen, bei welcher der Inhalt der Rückseite durchscheint.

Bildvergleich
Textausschnitt ohne Invertierung (linker Rand)
Textausschnitt ohne Invertierung (linker Rand)

Das bei vielen anderen Readern integrierte Wörterbuch, bei welchem durch einfaches Markieren von Wörtern im Text Informationen über diese aufgerufen werden können, ist genauso wenig vorhanden wie die Möglichkeit, markierte Begriffe direkt im Internet zu suchen. Über den geräteeigenen Browser werden Webseiten vernünftig dargestellt, Performance-Rekorde dürfen aber nicht erwartet werden. Um schnell an Informationen zu Begriffen aus einem Text zu gelangen, reicht er jedoch vollkommen aus.

Der Akku soll laut Hersteller in etwa vier Stunden komplett aufgeladen werden. Während das Gerät mit einem Rechner verbunden ist, besteht die Wahl, den Reader freizugeben und über einen PC darauf zuzugreifen, oder diesen über den USB-Anschluss nur aufzuladen und darauf zu lesen. Der Akku soll nach Angaben des Herstellers mit aktiver Beleuchtung bis zu sieben Wochen Energie liefern. Bei einem Gerät wie diesem ist ein Test der Laufleistung nur über einen langen Zeitraum möglich, für welchen uns das Gerät nicht zur Verfügung stand. Die Angabe konnte von uns somit nicht überprüft werden.

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