2/3 Cherry MX-Board 3.0 im Test : Flach und mechanisch für wenig Geld

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Äußerlichkeiten

Konträr zu Tastaturen wie Duckys „Shine 2“ besitzt das Chassis der MX-Board einen deutlich konturierten Rand um die Tastenblöcke herum, gibt sich ansonsten jedoch schmucklos. Das matte Material widersteht Schmutz zwar nicht perfekt, gibt sich dafür ansonsten aber pflegeleicht. In der angestrebten Preisklasse weniger überraschend gibt sich die Verarbeitung. Die als Oberschale des Gehäuses fungierende Plastikabdeckung steht an den Ecken der Tastatur etwas höher, was Einfluss auf die Spaltmaße hat – allerdings kaum sichtbar ist und sich nur bei direkter Betrachtung offenbart. Obwohl die MX-Board mit nur 832 Gramm Gewicht merklich leichter als andere mechanische Tastaturen ist, macht sich das vor allem am Gehäuse gesparte Gewicht hinsichtlich der Verwindungssteifigkeit nicht bemerkbar.

Lieferumfang: Rutschsicherungen, Kurzanleitung, USB-Kabel
Lieferumfang: Rutschsicherungen, Kurzanleitung, USB-Kabel
Unterseite mit optionalen Rutschsicherungen
Unterseite mit optionalen Rutschsicherungen
Aufstellfüße
Aufstellfüße

Auf der Unterseite des Chassis sind werksseitig lediglich zwei kleine Rutschsicherungen angebracht. Um die Standfestigkeit optional zu verstärken, liegen dem Lieferumfang weitere, selbstklebende Sicherungen bei. Zusätzlich sind zwei gummierte Aufsteckkappen für die Aufstellfüße vorhanden. Damit obliegt es dem Geschmack des Nutzers, das gewünschte Maß Standsicherheit individuell festzulegen. Auf der Rückseite bleibt der USB-Port der einzige Anschluss. Der Stecker lässt sich recht einfach entfernen und gleitet mit etwas Zug ohne Probleme aus einer Verankerung, insbesondere da das Kabel nicht umgelenkt wird.

Das herkömmliche 105-Tasten-Layout wurde lediglich um vier weitere Schalter oberhalb des Nummernblocks zur Steuerung von Lautstärke sowie dem Aufrufen der Startseite erweitert. Diese lassen sich wie die „F“-Reihe mit der „Keym@n“-Software frei programmieren, sodass auch andere Funktionen ermöglicht werden. Konträr zu den meisten höherpreisigen mechanischen Tastaturen sind auch hier MX-Schalter verbaut worden. Aufgrund der zusätzlichen Tasten sind die Status-LEDs wie bei der Ducky Shine 2 auf die jeweiligen Tasten selbst gewandert – elegant und platzsparend. Ebenfalls mit einer in Grün beleuchteten Funktionsanzeige versehen sind die Windows-Tasten, die sich in Kombination aus „Strg“ und der „Startseite“-Funktion auch ohne Software deaktivieren lassen. Wie beim weiß beleuchteten Logo, das durch die rechtsseitig platzierte LED einen leichten Helligkeitsverlauf zeigt, sind Farbwahl und Leuchtintensität gut erkennbar, aber stets dezent.

Die Keycaps kommen – verglichen mit den üblicherweise verbauten Modellen – auf etwa die halbe Bauhöhe. Zudem ist ihre Auflagefläche minimal geringer, woraus sich etwas größere Abstände zwischen den einzelnen Tastenreihen ergeben – ein quasi nicht wahrnehmbarer Unterschied. Die Kappen sind ohne weitere Beugung in linearer „Treppenförmiger“ Abstufung angeordnet. Als Basismaterial dient wie üblich ABS-Kunststoff, der durch seine minimale Strukturierung ein glattes Feedback vermittelt.

Da die MX-Board über keine integrierte Beleuchtung verfügt, wird die Beschriftung direkt in den Kunststoff geschnitten und anschließend mit farbigem Material aufgefüllt („laser etched“-Verfahren). Dieser mittig auf der Oberfläche angeordnete „infill“ ragt leicht über die Grundhöhe der Kappe und tritt daher haptisch in Erscheinung. Durch die helle Farbe des Infills lässt sich die Beschriftung auch in dunkleren Umgebungen oder bei „Monitorlicht“ noch ausreichend ablesen, wenngleich sich der Farbton in unserem Praxistest von Reinweiß zu einer Art leichtem Silbergrau veränderte.

Alltagserfahrungen

Die MX-Board wird derzeit ausschließlich mit mechanischen Schaltern des Typs „MX Red“ angeboten. Andere Versionen der Schalter mit schwarzem, braunem und blauem Stempel sollen allerdings im dritten Quartal dieses Jahres erscheinen, sodass künftig die vier derzeit gängigsten Typen zur Wahl stehen.

Typisch für die MX-Schalter ist der vier Millimeter lange Federweg, dessen Signalpunkt bei zwei Millimetern Wegstrecke erreicht wird. Bei den Varianten „Black“ und „Red“ ist diese Stelle, welche bei 60 respektive 45 Gramm Kraftaufwand erreicht wird, durch den linear ansteigenden Widerstand nicht markiert. Diese Eigenschaft wohnt unter anderem den „taktilen“ braunen und blauen „Farbvarianten“ inne.

Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)
Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)

Im Betrieb überzeugt das MX-Board auch ohne erhältliche Handballenauflage (Kostenpunkt: 5 Euro). Nicht nur diesbezüglich spielen die flacheren Tastenkappen eine Rolle, denn durch den verkleinerten Resonanzkörper sinkt auch das Betriebsgeräusch beim Tippen auf ein deutlich niedrigeres Niveau, welches sich nur noch wenig über dem Level von Rubberdome-Alternativen mit Kappen in Normalhöhe befindet. Obwohl das Tippgefühl sich nicht von anderen Tastaturen mit gleichem Schaltertyp unterscheidet, erleichterte die niedrigere Bauhöhe während unseres Tests, auf das vollständige Durchdrücken der Tasten zu verzichten. Dies reduziert die Lautstärke weiter. Ebenfalls Einfluss auf akustische Emissionen haben die deutlich knackenden Hochstellfüße, die sich bei häufiger Betätigung gerne aus ihren Halterungen hebeln; vollständig aufliegend sinkt die Lautstärke der Tastatur noch einmal etwas, wenngleich sich im Testbetrieb die angestellte Position als bequemer erwies.

Die Standfestigkeit ist bereits ohne die Gummisicherungen aus dem Lieferumfang ordentlich. Mit den beiden großen Zusatzelementen bedarf es hingegen bereits erheblichen Kraftaufwandes, um die MX-Board von ihrem Platz zu bewegen. Gleiches gilt für die den Hochstellfüßen zugedachten Stulpen, welche selbige bei (seitlichem) Bewegungsdrang zunächst umknicken, bevor die Tastatur ihre Position ändert.

Mit einem Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten) von sechs erreicht die MX-Board das mit einem USB-Anschluss nativ mögliche Niveau, was gewöhnliche Rubberdome-Exemplare in aller Regel um den Faktor Drei übertrifft. Grund zur Kritik gibt es dennoch. Zwar ist das 6-KRO exakt das, was der Hersteller im Endeffekt verspricht, die dazugehörige Angabe findet sich jedoch unter dem Oberbegriff „N-KRO“, was zumindest im üblichen Gebrauch keinerlei Limitierungen ankündigt, weil es als Abkürzung für „Full N-RKO“ oder „Full Key Rollover“ verwendet wird – die Variable „n“ wird bei Einschränkungen üblicherweise mit einer Zahl spezifiziert.

Die anschließend genannten „bis zu 14 Tasten“ beziehen Modifier und Zusatztasten mit ein, tatsächlich sind nicht mehr als sechs Primärtasten – und nur solche meint das Key-Rollover in der üblichen Verwendung – gleichzeitig gangbar. Eine offizielle Definition des Rollovers gibt es laut Cherry jedoch nicht, wohl aber eine gängige Verwendung. Daher erscheint die Formulierung durch die Kraft ihrer Suggestivität durchaus fragwürdig.

6-KRO
6-KRO

Software

Sowohl die „F“- als auch die Medien-Tasten können über die „Keym@n“-Software konfiguriert werden, die auf der Cherry-Homepage zum Download bereitsteht. Aufgrund der universalen Auslegung auf zahlreiche Eingabegeräte des Herstellers wird die fehlende, produktspezifische Einschränkung der Dokumentation zum größten Kritikpunkt. Die Maus lässt sich allerdings unabhängig des Herstellers konfigurieren; auch die zum Testzeitpunkt verwendete Logitech G400 akzeptierte ihre Neukonfiguration klaglos.

Cherry Keym@n

Angesichts der relativ geringen Anzahl programmierbarer Tasten fällt das Weglassen einer Überblicksdarstellung kaum ins Gewicht. Vielmehr überzeugt der schlichte (wenngleich schmucklose) Aufbau des Programms mit seinen zahlreichen Funktionen. Zu diesen zählen das Aufrufen von Programmen, Ordnern, Dateien oder Webseiten ebenso wie Multimedia- und Systemfunktionen. Auch Texte oder Tastenfolgen können programmiert werden. Spezifisch auf Spieler wurde die Software jedoch nicht ausgerichtet. So lassen sich Makros nicht separat verwalten; jeder Taste kann eine einzelne, individuelle Tastenfolge zugewiesen werden. Der entsprechende Editor unterstützt zwar das Einfügen verschiedener Zeitabstände, jedoch nur einen Wiedergabe-Modus und lässt die Bearbeitung aufgenommener Makros vermissen. Die maximale Länge der Tastenfolgen konnte uns nicht genannt werden, sie dürfte, wie ein Test verraten hat, am dreistelligen Bereich kratzen.

Grundlegende Funktionen für Spieler sind somit zwar vorhanden, der eigentliche Schwerpunkt liegt jedoch auf den umfangreichen Office-Funktionen. Hierfür eignet sich Keym@n in hohem Maße, ein Mehrwert wird in jedem Fall geboten. Mangels verschiedener Profile sowie der eingeschränkten Möglichkeiten zum Editieren von Makros liegt der Schwerpunkt aber nicht im Bereich Spiele.

Cherry Keym@n
Konfigurierbar Primärtasten
„F“-Tasten Makro-, Media-, Office-, System-Funktionen,
Verknüpfungen (Programme, Ordner, Dateien, Webseiten)
Makrotasten
Beleuchtung
Gaming-Modus Nicht konfigurierbar
Makros Anzahl 1 pro Taste, 16 insgesamt
Länge unbekannt
Wiedergabe Software
Ausgabe Einmalig
Vorlagen Nein
Im-/Export Nein
Makro-Aufnahme Editor Ja
Verzögerung Keine, Feste Abstände
Editieren
Profile Anzahl 1
Benennung
Autostart
Im-/Export Ja
Besonderheiten

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