2/4 Carl Zeiss Cinemizer OLED im Test : Gaming-Brille im Schatten von Google Glass

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Cinemizer OLED im Überblick

Herzstück der 3D-Brille sind zwei 0,4 Zoll große OLED-Microdisplays, die eine Auflösung von jeweils 870 × 500 Bildpunkten und somit ein Seitenverhältnis von 16:9 bieten. Rein theoretisch ergibt sich so eine Pixeldichte von 2.500 dpi. Die Displays sind in einem Winkel von 90 Grad zum Auge des Benutzers positioniert und das Bild wird über ein Prisma abgelenkt. Dies ermöglicht durch eine Veränderung der Position der Displays über zwei Drehräder eine Einstellung des Dioptrienbereichs von -5 bis +2 unabhängig für jedes Auge, so dass auch Brillenträger die Cinemizer OLED nutzen können. Das so betrachtete Bild entspricht laut Carl Zeiss einem 40-Zoll-Bildschirm bei einem Sitzabstand von zwei Metern. Durch die Dioptrieneinstellung variiert die simulierte Bildgröße je nach Einstellung zwischen 39 (-5) und 41 Zoll (+2). Die Farbtiefe der OLED-Displays liegt bei 24 Bit RGB und das Sichtfeld (Field of View) der Brille beträgt 30 Grad.

Dioptrieneinstellung, In-Ear-Kopfhörer und „Gläser“ der Cinemizer OLED
Dioptrieneinstellung, In-Ear-Kopfhörer und „Gläser“ der Cinemizer OLED

Die Videobrille wiegt circa 120 Gramm. Durch das notwendige Kabel, die Akku- sowie Steuereinheit und den HDMI-Adapter erhöht sich dieses jedoch auf 220 Gramm. Die Steuereinheit sowie der HDMI-Adapter können dank ausreichend langem Verbindungskabel von 1,40 Metern Länge jedoch abgelegt und müssen vom Benutzer nicht getragen werden. Kleine In-Ear-Kopfhörer direkt an der Brille sorgen für Stereoklang. Möchte man den Headtracker nutzen, tauscht man einfach den rechten Haltebügel gegen diesen aus. Vom Headtracker geht dann ein weiteres Kabel zum PC oder Notebook ab, da dieser per USB angeschlossen werden muss. Sowohl die Haltebügel als auch der Headtracker lassen sich in ihrer Position nach vorne und hinten verschieben, um einen individuellen Halt der Brille je nach Benutzer zu gewährleisten. Über beiliegende Anpassungselemente für das Nasenpolster lässt sich auch die Position der Brille auf der Nase individuellen Vorlieben anpassen.

Primäre Zuspielquelle der Cinemizer OLED ist HDMI, das über den HDMI-Adapter, der nahtlos mit der Akku- und Steuerungseinheit verbunden wird, eingespeist wird. Dabei eignet sich zunächst grundsätzlich jedes Gerät als Zuspieler; beispielsweise Spielekonsole, PC, Notebook, Blu-ray-Player oder Camcorder. Allerdings lassen sich auch analoge Signale über einen Cinch-Anschluss einspielen. Ton kann dabei nicht nur über HDMI wiedergegeben werden, sondern auch über einen 3,5-mm-Klinkenanschluss mittels separatem Kabel. Wer unterwegs Inhalte vom iPod oder iPhone betrachten möchte, für den bietet Carl Zeiss einen optionalen Adapter an. So lassen sich etwa auch Spiele auf dem iPhone über die Videobrille wiedergeben. Allerdings nur über ein analoges Signal; für eine bessere Bildqualität durch ein digitales Signal sollte auf den darüber hinaus günstigeren HDMI-Adapter von Apple zurückgegriffen werden. Der HDMI-Adapter spiegelt zudem das Display des iPhones, während das Adapter-Kit von Carl Zeiss auf eine Unterstützung der TV-Out-Funktion der Anwendungen angewiesen ist.

Die Videobrille unterstützt jedoch nicht nur die normale Wiedergabe des Videosignals, sondern der Benutzer kann an der Steuereinheit zwischen dem normalen 2D- und einem 3D-Modus wechseln und die Brille ist auch für Nvidias 3D Vision zertifiziert. 3D-Inhalte lassen sich in den stereoskopischen 3D-Formaten Side-by-Side, Top-Bottom, Line-Interleaved und dem sogenannten Frame Packing über HDMI 1.4 wiedergeben. Ein PDF-Dokument von Carl Zeiss gibt Aufschluss, welches Format bei welcher Zuspielquelle unterstützt wird.

Der in der Steuereinheit integrierte Lithium-Ionen-Akku bietet nach Angaben von Carl Zeiss eine Akkulaufzeit von 2,5 Stunden bei Zuspielung über HDMI und von bis zu 6 Stunden bei analogen Signalen. Die Ladezeit des Akkus beträgt circa 2,5 Stunden und erfolgt über USB.

Der Lieferumfang der Cinemizer OLED im Überblick:

  • Cinemizer-OLED-Multimedia-Brille
  • Nasenpolster plus zwei Anpassungselemente
  • Zwei In-Ear-Kopfhörer
  • Cinemizer HDMI-Adapter
  • HDMI-auf-Mini-HDMI-Adapter-Kabel
  • USB-Kabel
  • AV-Videokabel (3,5-mm-4-Pin auf Cinch)
  • Reiseetui
  • Bedienungsanleitung

Die Cinemizer OLED unterstützt alle vom HDMI-Konsortium festgelegten Auflösungen und Frequenzen, zu Problemen kann es jedoch kommen, wenn sich der Grafikkarten- oder PC-Hersteller nicht an diese hält. Beim Anschluss an ein 15" MacBook Pro Retina erhielten wir im OSD der Videobrille unabhängig von der gewählten Auflösung und Bildwiederholfrequenz die Meldung „not supported“, was darauf schließen lässt, dass das Signal außerhalb der unterstützten Auflösungen beziehungsweise Bildwiederholfrequenzen liegt. Sonys Vaio-Notebooks geben Bilder über HDMI zudem mitunter mit 48 Hz aus, was ebenfalls nicht unterstützt wird.

Headtracker

Neu und insbesondere auf die spielende Kundschaft zielend ist ein optional erhältlicher Headtracker, der die Kopfbewegungen des Benutzers erfasst. Wie bereits erwähnt, wird er direkt an dem Brillenbügel befestigt und mit dem PC oder Notebook per USB verbunden. Der PC erkennt ihn daraufhin als Eingabegerät, wobei keine Treiber benötigt werden, so dass auch OS X und Linux unterstützt werden. Verschiedene Sensoren erkennen Rotationsänderungen in allen Dimensionen im Raum und übertragen diese an den Computer. In Verbindung mit der Videobrille kann sich der Benutzer so tatsächlich in virtuellen Welten durch Bewegung des Kopfes umsehen.

Auch wenn der Headtracker nicht nur in Spielen genutzt werden kann, sondern grundsätzlich alle per Maus bedienbaren Anwendungen unterstützt, drängt sich der Einsatz in Spielen wie Flugsimulatoren oder Ego-Shootern geradezu auf.

Ob der Headtracker, der mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 199 Euro nicht gerade günstig ist, im Alltag eine Steuerung per Maus ersetzen und das Spielerlebnis tatsächlich verbessern kann, klären wir im nächsten Abschnitt, in dem wir auch unsere Eindrücke zur Cinemizer OLED selbst beschreiben.

Auf der nächsten Seite: Eindruck zur Cinemizer OLED