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Gamescom 2013 – Unser Fazit: PlayStation 4 versus Xbox One

Sasan Abdi (+1)
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Gamescom 2013 – Unser Fazit: PlayStation 4 versus Xbox One
Sasan Abdi

Vorwort

Die Gamescom zog auch in diesem Jahr wieder ein Massenpublikum an: 340.000 Spielebegeisterte, 23 Prozent mehr als noch im Vorjahr, bevölkerten vom 22. bis zum 25. August die Kölnmesse. 635 Aussteller aus mehr als 40 Ländern zeigten auf insgesamt 140.000 Quadratmeter ihre Produkte.

Auch wir waren vor Ort und haben jede Menge Eindrücke von den hochkarätigen aktuellen Spieleprojekten sowie den versteckten Perlen gesammelt. Im Zentrum stand dabei aber natürlich die ganze Zeit der derzeit größte Clinch der Branche: Der Kampf zwischen Sonys PlayStation 4 und Microsofts Xbox One.

Welche Titel konnten überzeugen und welche Trends zeichneten sich dieses Jahr ab? Höchste Zeit, diesen Fragen zum Torschluss der Gamescom 2013 abschließend nachzugehen.

Gamescom 2013 – Impressionen

Persönliches Fazit: Sasan Abdi

Die Gamescom 2013 ist für mich eine Enttäuschung. Nicht etwa, weil man auch dieses Jahr immer wieder die alte Floskel „wie auf der E3 angekündigt“ zu hören bekam. Nicht etwa, weil der Auflauf schon vor den Publikumstagen enorm und das Vorankommen auf der Messe deswegen anstrengend war. Nein, ich bin geradezu desillusioniert worden – und so etwas ist immer schmerzhaft.

Illusionen existierten bei mir aber nicht mit Blick auf die Gamescom an sich, sondern auf die ganz offiziellen Stars der diesjährigen Ausgabe: Die Next-Gen-Konsolen aus dem Hause Microsoft und Sony. Dazu muss man wissen, dass ich die Current-Gen privat beinahe ausgelassen habe; zuhause staubt nur eine Wii vor sich hin.

Deswegen, vor allem aber aufgrund der hochkarätigen, vielversprechenden Ankündigungen zur Xbox One und zur PlayStation 4, war ich bisher sehr sicher, dieses Mal auf jeden Fall auf das ein oder andere Pferd zu setzen. Tolle Grafik, eine clevere Bedienung und exzellente Exklusiv-Titel – sowohl die Xbox One als auch die PlayStation 4 machten spätestens seit der E3 richtig Lust auf mehr.

Diese Vorstellung, das ist meine Haupterkenntnis, war eine Illusion. Vielleicht ist es die Arroganz eines PC-Spielers, aber der Auftritt der beiden Next-Gen-Konsolen hat mich einfach nicht entflammt. Im Gegenteil, nicht selten dachte ich insgeheim bei der Präsentation der entsprechenden Titeln: „Ganz ehrlich, das soll sie sein, die legendäre nächste Generation?!“. Wahrscheinlich habe ich viel zu hohe Ansprüche, aber vieles von dem, was man sehen und probieren konnte, fühlte sich einfach nach „Current Gen“ an. Revolution? Fehlanzeige!

Diese Ernüchterung bezieht sich zum einen auf die Grafik. Klar, visuell hat sich im Vergleich zur aktuellen Konsolen-Generation wirklich einiges getan; in meiner – vielleicht naiven Vorstellung – habe ich mir den Sprung aber weitaus gewaltiger vorgestellt. Ist es aber ein Beinbruch, dass sowohl bei „Forza 5“ (Xbox One) als auch bei „Driveclub“ (PlayStation 4) nur die direkte Umgebung richtig schick aussieht, während Gegenstände schon in kleineren Distanzen mit Detailarmut ins Auge springen? Seien wir fair: Es ist verkraftbar.

Doch wäre es tatsächlich nur die Grafik. Weiter entzaubert haben sich die Next-Gen-Geräte in meinen Augen auch bei der Steuerung. Ja, die neuen Controller sind ein Fest für die Hände – doch wo bleiben die innovativen Ansätze, bei denen die weiteren Möglichkeiten der Konsolen gekonnt mit dem Gameplay verbunden werden? Diese Frage geht natürlich auch und vor allem an die Spieleentwickler; viel hat man in dieser Hinsicht in Köln nicht gesehen.

Bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet Microsoft mit Kinect 2.0 in diesem Kontext am ehesten punkten konnte. Die entsprechende Präsentation fiel noch recht oberflächlich aus, machte anhand einer Demo aber deutlich, welche Möglichkeiten in dem System stecken: Normale Controller-Eingabe mit Sprach- und Gesteneingabe kombiniert – so könnte wirkliches „Next-Gen“-Wohnzimmer-Gaming aussehen. Dafür würde ich dann auch den PC auslassen, wäre da nicht die Sache mit „always on“-Kameras und -Mikrofonen, Prism und der NSA...

Bei der Bedienung könnte Microsoft also die Nase vorn haben, in puncto Grafik sehen PlayStation-4-Spiele jedoch in meinen Augen häufig einen Ticken besser aus. Beim Lineup zum Verkaufsstart lässt sich bisher nur ein Patt erkennen; hier wird man erst im November seriös urteilen können. Es ist also wie so oft im Leben: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Insofern, so meine versöhnliche Einstellung zum Schluss der Gamescom 2013, ist es vielleicht garnicht schlecht, dass ich in puncto „Next Gen“ desillusioniert wurde – und mich nun erstmal entspannt zurücklehnen und die Veröffentlichungen abwarten kann.

Sieht man einmal vom Kampf der neuen Konsolen ab, hatte die Gamescom 2013 auch einige durchaus spannende Titel zu bieten. Zu diesen sind abseits der üblichen Verdächtigen auch ungewöhnliche Projekte wie „X Rebirth“ oder ein „Stronghold Crusader 2“ zu zählen. Interessant auch: EA erschafft sich mit „Titanfall“ selbst eine potente Konkurrenz für „Battlefield 4“. Schade nur, dass sehr viele Entwickler mit Blick auf die nicht weit zurückliegende E3 nicht allzu viele neue Informationen zu ihren Projekten in petto hatten.

Sucht man abschließend nach dem großen, über die Konsolen hinausgehenden Metathema der Gamescom 2013, käme die Verquickung von Einzelspieler- und PvE- sowie PvP-Elementen in Frage: Überall fahnden die Spieleschmieden nach Möglichkeiten, fließende Übergänge oder zumindest die Verbindung von „Open World“ und packender Handlung zu ermöglichen. Das Ziel ist dabei stets, eine lebendige, offene Welt zu erzeugen, ohne dabei die Vorzüge einer dichten, kittenden Story zu opfern. Klar, dass sich der Erfolg dieser Versuche bisher nicht abschätzen lässt; spannend sind in dieser Hinsicht aber „The Witcher 3“ und „Destiny“.

Persönliches Fazit: Max Doll

Voll und teilweise erschreckend wenig Neues: Die Gamescom 2013 war in Teilen „business as usual“. Mit den unmittelbar bevorstehenden, neuen Konsolen jedoch waren echte Akzente zu erwarten: Neue Technologie, die echte Begeisterung weckt. Gamescom 2013 goes Konsolen. Leider nicht so, wie gedacht.

Die Gelegenheit war perfekt. Was wurde Mitte des Jahres die Sau durch das Dorf getrieben: DRM-Zwang, Vollüberwachung und Super-Gängelung bestimmten nicht zu unrecht die Schlagzeilen zur Xbox One. Nach diversen Kehrtwenden, die der Konsole den Spitznamen „180“ einbrachten, wäre es eigentlich Zeit gewesen, sich auf die Vorzüge der „Nex Gen“ zu konzentrieren und einmal zu zeigen, was möglich ist.

Eigentlich. Was jedoch präsentiert wurde, war größtenteils nur allzu Bekanntes, die einzige Ausnahme war vielleicht ausgerechnet Kinect Sports Rivals, ein Casual-Titel. Und dennoch: Die meisten Spiele rotieren im Kern um klassische Bedienkonzepte. Kinect, gerade in Anbetracht der schwächeren Rohleistung das Argument für die Microsoft-Konsole, wird derzeit vor allem peripher eingesetzt. Revolution sieht anders aus. Dass Microsoft immerhin eine Techdemo zeigen konnte, lässt zumindest hoffen – setzt aber keine „haben muss“-Anreize durch die Faszination am Neuen, von denen teure Technologie so essentiell lebt.

Das liegt auch an den gezeigten Spielen, die „so 2010“ und mehr „Current-Gen“ als wirkliche „Next Gen“ waren – der PC kann längst mehr, ohne massiv mehr zu kosten. Was für Konsolen-Spieler mit Sicherheit ein Sprung ist, wird absolut betrachtet nur zu einem Aufschließen. Forza 5 sieht zwar nett aus, ein Grid 2 wirkt dennoch mindestens ebenso hübsch, ohne aktuelle Hardware gänzlich auszureizen. Ryse zeigt zwar gerade im Einzelspieler-Modus Elemente der aktuellen CryEngine, scheint dies aber durch enge Schlauchlevel zu erkaufen. Vielleicht setzt das genug Anreize für die so hart umworbenen „Casuals“, bleibt aber hinter den Erwartungen eines echten Sprunges. Next-Gen, das wäre Akzente setzen, nicht behutsame Evolution.

Es ist das Schicksal, das auch Inhalte getroffen hat. Spielerische Innovationen, ein unverbrauchtes Setting? The Witcher 3 zeigt großartige Ansätze, Project Spark sieht vielversprechend aus – die absolute Mehrheit zumindest der mir vor die Nase gelaufenen Spiele bewegt sich jedoch auf ausgetretenen Pfaden. Kein Risiko in keiner Richtung ist nach wie vor das große Motto bei großen Publishern. Zum Beispiel Ryse: Das Spiel könnte abzüglich des Settings im Prinzip auch God of War heißen. Oder Darksiders, was wohl an den Vigil-Entwicklern liegt, die Crytek übernommen hat. Aber auch das war letztlich – God of War. Natürlich, schlecht wird das alles nicht. Aber es lässt auch keine freudige Spannung aufkommen, sondern vielmehr nur bewährte Unterhaltung erwarten – kein Spiel, das Nachts den Schlaf raubt, bei dem man die Uhr der Lüge bezichtigt und sich zwingt, die leidvoll bekannte „nur noch eine Runde“ anzugehen.

Zumindest derzeit hinterlässt das Aufgebot daher einen Nachgeschmack: Enttäuschend gut. Es bleibt abzuwarten, ob unaufgeregt und solide die Eigenschaften sein werden, die neue Konsolen tatsächlich verkaufen. Die Next-Gen-Hardware ist damit auf der persönlichen Wunschliste nach unten gerückt – der Mehrwert gegenüber dem aktuellen, günstig erworbenen Auslaufmodell in Verbindung mit einem PC scheint zu gering. Im Westen nichts Neues: Kein gutes Zeichen.

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