2/2 Matias Quiet Pro im Test : Mechanischer Leisetreter dank eigener Schalter

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Alltagserfahrungen

Die Quiet-Schalter besitzen, verglichen mit den bekannteren Cherry-Pendants mit ebenfalls rund vier Millimeter langem Hubweg, eine eigenständige Charakteristik. Diese wird primär durch den höher liegenden Signalpunkt definiert, der das bei den MX-Modellen mögliche, leichte Einfedern des Schalters unterbindet: Eingaben der auf einer Metallplatte fixierten Schalter („Plate mounted“) werden bereits im oberen Bereich des Schaftweges übertragen. Der Signalpunkt mit einem Widerstand von etwa 60 Gramm ist in Verbindung mit dem Kraftabfall auf rund 35 Gramm stärker akzentuiert als bei den beliebten MX-Brown-Schaltern, er erinnert diesbezüglich im weitesten Sinne an die „blaue“ Version von Cherry – abzüglich des prägnanten, akustischen Feedbacks.

Die Einschätzung der Geräuschemissionen der Quiet Pro hängt stark vom Kraftaufwand ab, mit dem der Schalter schlussendlich betätigt wird. Bei stärkeren Anschlägen, die den Schalter ans Ende seines Anschlagsweges befördern („Bottoming out“), liegen die Switches auch dank des dann eher hell klingenden Feedbacks fast in Regionen herkömmlicher MX-Brown-Schalter, die mit Dämpfungsringen ähnliche Ergebnisse erzielen.

Erst mit weniger Kraftaufwand, was mit etwas Übung im Alltag problemlos möglich ist, wird etwa das Niveau einfacher Rubberdome-Tastaturen erreicht. Dies liegt in der Gummierung von Schaft und auch Anschlag begründet. Der Anschlag fällt, ähnlich dem der MX-Schalter mit Dämpfungsringen, etwas weicher aus. Der Klang der Quiet-Schalter selbst ähnelt durch die Gummielemente in den Schaltern den Gummiglockentastaturen ein Stück weit, klingt bei hohem Kraftaufwand allerdings heller. Die Tonlage bewegt sich ansonsten jedoch in tieferen Frequenzbereichen. Das häufig vorzufindende, helle Klackern der MX-Schalter entfällt.

Das vermittelte Tippgefühl hinterlässt einen präzisen, aber wie bei der Tactile 3.0 durch den frühen Signalpunkt mit hohem Widerstand eher als hart zu klassifizierenden Eindruck. Auf den Quiet-Schaltern ließ es sich im Testbetrieb ohne größere Anstrengungen daher ebenso leise wie schnell schreiben. Durch den hoch liegenden Signalpunkt fällt der Verzicht auf das Bottoming-out zudem prinzipiell leichter.

Als Gesamtpaket hinterlässt die Quiet Pro im Alltag hingegen einen gemischten Eindruck. Ausnahmslos gut erreichbare USB-Anschlüsse – eine Seltenheit für integrierte Hubs – sowie das insgesamt gut durchdachte Layout mit auf den Office-Betrieb hin angeordneten Zusatztasten zählen zusammen mit der ordentlichen Verarbeitung zu den positiven Aspekten. Dabei gefällt auch die zweite Tabulator-Funktion, welche Eingaben bei Nutzung des Nummernblocks beschleunigt. Gleichwohl ist es unmöglich, das rundum in Klavierlack-Optik gehaltene Chassis zu berühren ohne Spuren zu hinterlassen; die Empfindlichkeit für Schmutz und Kratzer liegt rundum eindeutig zu hoch für ein Arbeitsgerät, das oft und ausgiebig benutzt werden möchte.

10-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)
10-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)

Fazit

Der Matias Quiet Pro muss ein zwiegespaltenes Fazit ausgestellt werden. Die Schalter der mechanischen Tastatur selbst gefallen sowohl hinsichtlich der geringen Geräuschemissionen, die bei moderatem Tippen mit denen der Rubberdome-Technik zu vergleichen sind, als auch in Bezug auf die präzisen, taktil markierten und damit klar akzentuierten Signalpunkte.

Unter dem Blickwinkel eines Schreibgerätes gefallen die drei zumeist gut erreichbaren USB-Ports, denen jedoch eine eigene Stromversorgung abgeht – hungrige Geräte sind nicht das Metier der Quiet Pro. Ansonsten gefällt das Layout, das hinsichtlich der Medien-Shortcuts konsequent auf den Büroalltag in 10-Finger-Position optimiert wurde, sowie die drei ebenfalls mechanischen Zusatztasten oberhalb des Nummernblocks. Das große, im Hintergrund lauernde „aber“ resultiert aus der Hochglanzoberfläche des Gehäuses, die die Schmutzempfindlichkeit maximiert. Dies mag in Großraumbüros mit täglich unsichtbar arbeitenden Reinigungsfachkräften zu vernachlässigen sein, ist ansonsten aber ein gewichtiges Kriterium gegen den Einsatz als Bürowerkzeug. War die mattweiße Tactile 3.0 noch zu laut für Mehrpersonen-Umgebungen, hapert es nun am verwendeten Gehäuse.

Die Matias Quiet Pro mag die derzeit leiseste mechanische Tastatur der Welt sein, sie ist aber gleichfalls eine stark schmutzempfindliche Tastatur. Insofern disqualifiziert sie sich trotz guter Anlangen für eine allgemeine Empfehlung in diesem Bereich, was erst Recht bei einem Preis von rund 130 Euro gilt. Die ebenfalls erhältliche Version für Apple-Heimrechner ist hingegen ohne Einschränkungen einen Blick wert, weil Matias hier ein silbernes Gehäuse zur Kennzeichnung einsetzt, das diese Problematik zumindest in stark verringerter Ausprägung zeigen dürfte.

Auf der Suche nach einer leisen Tastatur für das Büro sollte daher zunächst primär ein Modell mit MX-Schaltern in Erwägung gezogen werden, das mit O-Ringen nachgerüstet werden kann - etwa die Cherry MX-Board 3.0 für nur rund 55 Euro. Der Quiet Pro bleibt am PC primär eine Nische: Nur wenn die spezielle Charakteristik der Alps-basierten Schalter bei geringer Lautstärke gefragt ist, oder die Schmutzempfindlichkeit keine Rolle spielt, bietet die Tastatur speziell für den produktiven Einsatz ein starkes Gesamtpaket.

Matias Quiet Pro
Produktgruppe Tastaturen, 11.09.2013
  • Gehäuse
  • Tasten & Beschriftung+
  • Layout++
  • Ausstattung & Extras+
  • Softwaren/a
  • Taktile, leise Schalter
  • Solide Verarbeitung
  • Gut erreichbare USB-Ports
  • mechanische Zusatztasten
  • Schmutzempfindlichkeit
  • Knarzendes Gehäuse
  • Stromversorgung des USB-Hubs
Matias Quiet Pro im Test

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