Klassiker neu entdeckt : Command & Conquer: Generals (2003) im Test

, 201 Kommentare
Klassiker neu entdeckt: Command & Conquer: Generals (2003) im Test

Mit „Command & Conquer“ wurde kurzzeitig eine der ältesten Echtzeitstrategie-Serien wiederbelebt, bis sich die Spieler mit Grausen abwandten. Nach dem Versuch, die Serie – dem Zeitgeist angemessen – als pausenfüllendes Casual-Spiel zu platzieren und dem erneuten Tod des ehemaligen Westwood-Aushängeschilds als Sau im Free-to-Play-Dorf scheint die Serie erst einmal vom Tisch gefegt. Wohin wenden? An das Original, das zu den Höhepunkten, wenn nicht der Spitze der Serie gehört.

Vorhang auf für „Command & Conquer: Generals“, mit dem samt Erweiterung „Die Stunde Null“ die Revitalisierung des Traditionsspiels gelang. Das zum Erscheinungszeitpunkt Anno 2003 in den Nachwehen von „9/11“ topmoderne Setting um westliche Allianzen und arabische Terroristen in schicker 3D-Grafik mit Bombast-Effekten war brisant, realistisch und sah schick aus – hatte doch damals wie heute niemand mit Innovationen gerechnet. Was von der Faszination des mit einem Schlag politisierten Genres bleibt, klären wir in diesem Teil unserer Serie „Klassiker neu entdeckt“.

Geschichte und Hintergrund

Das Setting rund um den „War on Terror“ nur zwei Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center war zum Erscheinungstermin eine brisante Nummer; so brisant, dass in Deutschland einmal mehr die Schere angesetzt wurde. Cyborgs kannte die Serie, den Wegfall jeglicher Zwischensequenzen in Form von Nachrichten-Sendungen der Erweiterung sowie übel zerschnittenen Soundeffekte mit billigem „Cyborg-Klang“ bislang nicht. Was bleibt, sind wie im Hauptprogamm „Generäle“ kleinere Schnipsel in Ingame-Grafik zur Einleitung der Missionen sowie rudimentär verfremdete Schauplätze – gekämpft wird eigentlich weltweit von Bagdad bis Baikonur. Der krasse, atmosphärisch bedeutsame Kahlschlag ist seit dem 30. September 2013 allerdings wieder vom Tisch. Wie uns die BPjM auf Nachfrage bestätigte, wurde das Spiel in seiner Originalfassung vom Index genommen.

Krieg gegen den Terrorismus und Schurkenstaaten: Was damals das allgemeine, auf Vergeltung sinnende Empfinden auf den Punkt genau traf, wirkt heute außerhalb der USA anachronistisch. Der „War on Terror“ rechtfertigt längst keine militärischen Konflikt größeren Ausmaßes mehr, vergangen ist das globale Zusammenrücken in Anbetracht einer zumindest antizipierten globalen Bedrohung – mittlerweile im neuen ebenso wie im alten Europa. Generals ficht das nicht an; eine differenzierte Auseinandersetzung mit „den“ Terroristen, plakativ als hasserfüllte, massenmordender Freiheitsfeinde skizziert, deren Motiv Lust am Leid bleiben muss, findet nicht statt.

Die hinterhältigen Terroristen sind aufgrund unterschiedlicher Interessen ihrer Anführer zudem zerstritten; deutlicher als durch Selbstsucht kann ein Anliegen nicht delegitmiert werden. Amerikaner stehen hingegen geschlossen zusammen, aber, und das ist eine der Kernbotschaften zu Beginn der chinesischen Kampagne, gehen nicht konsequent genug vor. Was das heißt, wird mittels eines Atomschlages sogleich umfassend demonstriert. Warum? Das hat Mass Effect treffend formuliert: „Because they have bigger guns!“ – das Signal kann eindeutiger nicht sein. Die terroristische Universalbedrohung rechtfertigt auch Flächenbombardements in Wohngegenden oder den Einsatz von Nukleartillerie auf chinesischer Seite. Deren Existenz mag zwei Zielen dienen: Einerseits trägt sie zum Bild eines China bei, das, bei aller zum Ausdruck kommenden Bewunderung für das entschlossene Vorgehen, brutal und barbarisch agiert. So wird das Land amerikanischer Macht und Zivilisation trotz der positiven Darstellung einzelner Aspekte eindeutig untergeordnet. Andererseits mag die Existenz dieser Waffen auch die Entwicklung taktischer Atomwaffen befürworten, die ein Prestigeprojekt des damaligen US-Verteidigungsministers Rumsfeld waren.

In the modern word, great leaders solve their conflicts with words. Words like: scud launcher; carpet bombing; tomahawk missiles.

Command & Conquer: Generals
Command & Conquer: Generals

Das Spiel postuliert, abseits des unfreiwillig zynischen Intros, lauthals die Überlegenheit und Macht einer amerikanischen Militärmaschine, deren Schlagkraft in asymmetrischen Konflikten längst zurechtgestutzt wurde. Im Hintergrund steht dennoch das Clausewitz-Postulat vom Krieg als „bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, das um eine moralische Rechtfertigungs-Komponente ergänzt wurde. Missionen, in denen es nur darum geht, mit Schlachtschiffen und Flugzeugträgern Terroristen ohne jeden Anspruch und bar jeder Herausforderung nach Belieben nicht in die Stein- sondern gleich in die Kreidezeit zu bomben, bedienen hingegen Rache- und Selbstwertgefühl einer Nation. Generals ist ein Spiel der Bush-Ära, eine 9/11-Erzählung amerikanischer Machart – und in diesem Land durchaus noch modern –, deren Kernelement ein Rachefeldzug nach hinterhältigen Angriffen ist, ein reflexartiges Umsichsschlagen, ein massives Zusammenrücken im Angesicht heimtückischer Feinde und letztlich auch die Legitimation vom Ausbau einer Machtsphäre. Pearl Harbor für das 21. Jahrhundert.

Moralisch kein Problem: Flächenbombardement bewohnter Gebiete
Moralisch kein Problem: Flächenbombardement bewohnter Gebiete

Spielablauf und Technik

Aus der Politisierung erwächst nicht nur Kopfschütteln, es ergeben sich auch drei völlig unterschiedliche Parteien. Westliche Hochtechnologie mit massiver Luftüberlegenheit zeichnen die USA aus, China nutzt die klassisch-sowjetische Massendoktrin mit überschweren Panzern, terroristische Gruppierungen und die Global Liberation Army baut mit improvisierten Einheiten auf Hinterhalt, Attentate sowie die klassische Kombination aus tarnen und täuschen.

Cool: Cyborgs. Uncool: Billige Cut-Versionen
Cool: Cyborgs. Uncool: Billige Cut-Versionen

Die völlig unterschiedliche strategische Ausrichtung wird mit der Erweiterung, welche die im Namen des Hauptprogramms versprochenen Generäle einfügt, nochmals erweitert. Denn drei Fraktionen pro Partei wandeln das Spielgefühl durch weitere Spezialisierung erheblich: Der Luftwaffen-General der USA bekommt besonders mächtige Flieger, muss dafür jedoch auf Panzer komplett verzichten. Die letzte Zutat der Serie, Anno 2003 ebenfalls noch eine Besonderheit, stellen die Generalsfähigkeiten, welche mit Levelaufstiegen Off-Map-Fertigkeiten freischalten, darunter Bombenabwürfe, neue Einheiten oder Artillerieschläge.

You thought the war was over... you thought wrong.

Zehn Jahre später entwickelt diese explosive Mischung immer noch eine Menge Faszination, die sich zu einem guten Teil aus der enormen taktischen Vielfalt auf Fraktions- und Einheitenebene mit zahllosen Upgrades, Spezialfähigkeiten sowie den Generalsfähigkeiten ergibt, die Schlachten schnell hin- und herwenden – alles im modernen Setting und mit echten Vorlagen. Hier tobt kein Krieg in einem abstrakten Sci-Fi-Universum, das Geschehen bleibt gegenwartsbezogen, ohne wie manche Konkurrenten in übermäßigen Realismus zu verfallen. Generals steht für die Verknüpfung von Blockbuster-Explosionsspektakel mit dem Genre Strategiespiel: Schnell, laut und krachend. Große Explosionen und eine recht zügige Spielgeschwindigkeit mit Spezialfähigkeiten resultieren in dynamischen Schlachten, schon immer und noch immer ein Garant für Spaß. Aufgrund theoretisch unbegrenzter Ressourcen auch in epischer Länge.

Partikelkanone im Einsatz
Partikelkanone im Einsatz

Heute noch gängige Elemente wie dynamische Karten, die mit dem Erreichen von Missionszielen anwachsen und abwechslungsreiche Aufgabenstellungen laden zum Herumspielen ein. Die Vorzüge des Grundkonzeptes bringen Generalsherausforderungen des Add-Ons auf den Punkt: Action ohne die mittlerweile peinliche Story oder die hölzernen Ingame-Zwischensequenzen. Zu Gute kommt Generals, dass EA das bis dahin typische Interface der Serie mit seitlicher Bauleiste sowie ausschließlicher Linksklick-Steuerung über Bord gehen ließ: Ein Sieg für den Gewohnheitsfaktor, denn die Serie widersetzte sich lange den mittlerweile gängigen Standards. Allen? Ein kleines Eck des Spieldesigns leistet dem Fortschritt weiterhin hartnäckig Widerstand.

Die Rede ist, wie könnte es anders sein, von der KI, einen weiteren „Markenzeichen“ von Command & Conquer. Vordergründig verhalten sich die klassischen „Ernter“ nun zwar intelligenter, allerdings nur, weil Depots direkt neben den Aufnahmestellen platziert werden und keine längeren Wege anfallen. Die KI ist ohne Wegpunkte ansonsten schnell verloren, als Opponent gibt sie entsprechend eine schlechte Figur ab: Mit teils verkürzten Bauzeiten und unbegrenzten Rohstoffen einfach haufenweise Einheiten in immer gleicher Zusammensetzung an die selben Stellen der Front zu schicken, ist nur aufgrund der gewährten Vorteile auf höheren Schwierigkeitsstufen anspruchsvoll. Die Taktik bleibt jedoch die selbe: Einigeln, Einheiten sammeln, Produktionsgebäude des Gegners zerstören, vorrücken. Wie stark gescriptet wurde, fällt in einigen Solo-Missionen auf, die den Bau der eigenen Basis hinter den KI-Sammelpunkten erlauben.

Aufgrund simpler KI typische „Killzone“
Aufgrund simpler KI typische „Killzone“

Abseits den Kampagnen mit den an und für sich immer noch sehenswerten Missionen reicht das dennoch für eine Runde im Botmach. Für mehr Spaß im kompetitiven Spiel fehlen online die Generäle. Voraussetzung für gepflegte Mehrspieler-Schlachten sind daher ein paar Freunde, deren Rekrutierung die Mühe nicht nur aufgrund des fiesen Superwaffen-Timers auf dem Bildschrim gleichwohl lohnt. Nicht nur der ohnehin großen Vielfalt von Generals garantiert Spaß, sondern die schier riesige Anzahl Mods, die auch in diesem Jahr noch gepflegt und entwickelt wurden. Ob bessere Grafik, neue Generäle, Einheiten, ganze Fraktionen oder Total Conversions für andere C&C-Universen, Stargate, Warhammer, BattleTech oder den zweiten Weltkrieg: An fast alles wurde gedacht, zumeist aber ohne Einzelspieler-Missionen.

Die alte Technik erfordert auf neuen Rechnern nur wenig Pflege. Widescreen-Auflösungen können einfach in die „options.ini“ aus dem Dokumente-Ordner des jeweiligen Benutzers eingetragen werden, das Seitenverhältnis wird automatisch angepasst. Allerdings verkleinert das Spiel dabei den Bildausschnitt, um mögliche Vorteile durch breitere Monitore zu unterbinden. Weitere Anpassungen zur Veränderung der Kamerahöhe sind daher nötig, werden in Online-Spielen aber folgerichtig als Cheat gewertet.

Hierzu muss die „gamedata.ini“ mit dem Tool FinalBig aus der „inizh.big“ extrahiert und modifizert werden. Entscheidend ist der Eintrag „MaxCameraHeight“, welcher auf einen Wert zwischen 400 und 600 angehoben werden sollte. Alle Bilder im Test entstanden mit dem für eine HD-Auflösung empfohlenen Wert von 510 sowie dem Wert „DrawEntireTerrain = Yes“. Die .ini wird anschließend im Verzeichnis „Data\INI“ abgelegt, wobei der Ordner für Generals zunächst erstellt werden muss. Prinzipiell empfiehlt sich die Mühe durch das größere Sichtfeld in jedem Fall, lediglich in Zwischensequenzen wird mitunter nicht jede Textur geladen oder die Kamera außerhalb der Levelgrenze gesetzt, ein nicht unbedingt als schmerzhaft empfundener Verlust. Speziell bei mehrere Monitoren oder Spielen im Fenster-Modi hilft zudem das Gentool, den Mauszeiger im Spielfenster zu belassen. Zudem bietet das Werkzeug zusätzlichen Cheat-Schutz für Mehrspieler-Matches und erweiterte Replay-Optionen, Unterstützung für Widescreen-Auflösungen mit angepasster Kamerahöhe gibt es obendrein.

Sollte im Online-Spiel eine ungültige Seriennummer ausgegeben werden, müssen in der Registry mit Regedit manuell Bindestriche eingefügt werden, der nötige Kompatibilitätsmodus zu Windows XP mit SP3 wird zumeist automatisch angewendet. Zudem ist es nötig, die aktuellste Spielversion mittels der Patches vom EA-FTP-Server zu gewährleisten. Hilfe und Unterstützung findet sich zudem unter anderem noch auf Gamereplays.

Registry-Fix
Authentische Schauplätze gewährleisten Abwechslung
Authentische Schauplätze gewährleisten Abwechslung

Fazit

Mühsam überdeckte, serientypischen Schwachstellen und brachial-patriotischen Aussagen eines von Supermacht-Steroiden besinnungslosen Amerikas der Bush-Ära zum Trotz: Obwohl die Hintergrundgeschichte selbst das unterirdische Niveau eines Call of Duty mühelos unterbietet, lohnt sich das PC-Spiel Generals noch immer, und das nicht nur als Museumsbesuch. Dynamische Missionen, viel Abwechslung und taktische Möglichkeiten stellen ein solides, quasi zeitloses Grunddesign. Generals bleibt ein bunter Abenteuerspielplatz im Hollywood-Stil mit aktueller Militärhardware, dessen Gegenwartsbezug aufgrund der überbordenden Politisierung des Stoffes allerdings zweischneidig wird.

Deutlich mehr Grund zum ausgiebigen Spielen geben der Mehrspieler- und Skirmish-Modus. Beiden stehen durch die Vielzahl Mods umfangreiche Zusatzinhalte zur Verfügung, sofern noch ein paar Mitstreiter aufzutreiben sind. Nur die am starken BPjM-Befall leidende, deutlich geschnittene Version sollte tunlichst gemieden werden. Die Schnitte entfernen nicht nur „Gewalt“, sondern die Seele des Spiels gleich mit.

Command & Conquer: Die Stunde Null
Schnellcheck C&C Generals Die Stunde Null
Getestete Version 1.08 1.04
Altersfreigabe ab 16 Jahren
Empfohlene Systemanforderungen Intel Pentium IV oder AMD Athlon XP (1,8 GHz),
256 MB RAM,
Nvidia GeForce 3 oder AMD Radeon 8500
1,8 GB HDD
Widescreen via .ini-Modifikationen
Mods Vollständiger Überblick in der ModDB
Kompatibilität bis Windows 8.1 (x64)
Probleme CD-Schlüssel in Registry nicht korrekt eingetragen
Empfehlung Ja

Bisher erschienen

In der Serie „Klassiker neu entdeckt“ bereits erschienen:

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.