2/3 Func KB-460 Tastatur im Test : Mechanisch. Beleuchtet. 80 Euro.

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Äußerlichkeiten

Das kompakte Chassis der KB-460, dessen Form an Tastaturen von Qpad erinnert, zeigt abseits des eingeprägten Logos über den Status-LEDs keinerlei Verzierungen. Lediglich und ausschließlich an der Oberseite sowie der Handballenauflage verbessert eine matte Soft-Touch-Beschichtung die Schmutzunempfindlichkeit. Dabei fällt auf, dass die KB-460 trotz der lediglich zwei Auflagepunkte mit gummierter Oberfläche einen sicheren Stand gewährleistet.

Zusatzfunktionen sind als Doppelbelegung der „F“-Tastenreihe vorhanden, lediglich die Helligkeit wird über den Nummernblock gesteuert. Zwischen dieser Reihe und dem primären Tastenblock liegt ein vergleichsweise weiter Abstand von 1,7 Zentimetern – für besonders kleine Hände schränkt dies den Bedienkomfort etwas mehr als nötig ein. Der Profilwechsel, die zweite Funktionsebene der Tasten (Func-Mode) sowie der Wechsel einzelner Liedtitel lassen sich trotzdem einhändig ansteuern.

Func KB-460
Func KB-460
Lieferumfang: Kurzanleitung
Lieferumfang: Kurzanleitung
Status-LEDs, Helligkeitsregelung auf Nummernblock
Status-LEDs, Helligkeitsregelung auf Nummernblock
Medien-Steuerung, Profilwahl, „Func-Modus“
Medien-Steuerung, Profilwahl, „Func-Modus“
Lautstärkeregelung und Medien-Steuerung
Lautstärkeregelung und Medien-Steuerung
Rückseite mit USB-Hub
Rückseite mit USB-Hub

Der integrierte USB-Hub ist an der Rückseite hinter den Status-LEDs zu finden. Zwar müssen sich angeschlossene Geräte Bandbreite und Strombedarf mangels eines zweiten Steckers mit der Tastatur teilen, die Positionierung unmittelbar am oberen Rand des Gehäuses maximiert allerdings die Erreichbarkeit. Die mitgelieferte Handballenauflage wird untypisch über Plastikklemmen befestigt. Zwar lässt sie sich so besonders einfach entfernen, die Clips selbst verbleiben allerdings montiert – und halten die Auflage etwa beim Anheben des Chassis nicht besonders fest. Im Testbetrieb fiel zudem ein Befestigungspunkt nach Materialermüdung aus, während die zweite Klemme bei genauer Betrachtung Ermüdungserscheinungen zeigte, womit ein doppelter Ausfall absehbar wird. Der Grund hierfür ist in der Verbindung von Haltesteg und Korpus mit nur drei Befestigungspunkten zu suchen. Die Standsicherheit der Auflage steht einer Nutzung ohne die Halteklammern aber nicht im Wege; zwingend nötig sind sie nicht, wenn die Tastatur nur selten bewegt wird.

Befestigung der Handballenauflage über Plastikklemmen
Befestigung der Handballenauflage über Plastikklemmen
Defekte (links) und noch funktionierende Halteklemme (rechts)
Defekte (links) und noch funktionierende Halteklemme (rechts)
Aufstellfüße
Aufstellfüße

Durch die Wahl mechanischer MX-Schalter verbaut auch Func eine einzelne LED unter jeder Tastenkappe. Diese werden aus diesem Grund aus transluzentem Kunststoff gefertigt, aus dessen schwarzer Oberflächenbeschichtung die potentiell langlebige Beschriftung ausgeschnitten wird („Laser cut“-Verfahren). Die Helligkeit lässt sich in drei Schritten einstellen, die Leuchtkraft der einzelnen Stufen liegt bei 25, 50 und 100 Prozent. Alternativ steht ein Modus mit Atmungseffekt zur Verfügung, welcher im Alltag allerdings ablenkt, also vor allem ein optisches Gadget ist. Genau gegenteilig verhalten sich die Status-LEDs, die durch ihre Position tief im Gehäuse angenehm unauffällig bleiben und auf effekthaschendes Blendwerk verzichten.

Die maximale Helligkeit bewegt sich in jederzeit angenehmen, aber selbst bei direkter Gegenlichtquelle ablesbaren Regionen. Eine weitere Regelstufe zwischen 50 und 100 Prozent Leuchtkraft wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Kaum Kritik ruft die Ausleuchtung hervor, die wie bei allen Tastaturen mit MX-Schaltern durch die Anordnung der LEDs oberhalb der Schaltergehäuse nicht perfekt ausfallen kann. Func kontert die nur partiell mögliche Anstrahlung der Tastenkappen durch ein rotes Gehäuse-Inlay, das gleichzeitig einen Halo-Effekt erzeugt. Außerdem rücken die Beschriftungen, soweit möglich, in den oberen Bereich der Kappen. Obwohl Ducky mit der Shine 2 eine konsequentere Umsetzung dieser Strategie gezeigt hat, gelingt es, die Anzahl der sichtbaren Farb- und Helligkeitsverläufe deutlich zu reduzieren.

Alltagserfahrungen

Die KB-460 wird derzeit ausschließlich mit mechanischen Schaltern des Typs „MX Red“ angeboten. Andere Versionen der Schalter will Func von der konkreten Nachfrage abhängig machen; diese muss sich in Regionen bewegen, welche eine Produktion wirtschaftlich stichhaltig macht. Ausgeschlossen werden weitere Varianten per se damit nicht.

Auf der KB-460 tippt es sich wie auf anderen Tastaturen dieser Schalterausstattung. Gestaltungsspielraum nutzt Func durch die Wahl von Costar-Stabilisiatoren unter größeren Tasten. Hier wird zugunsten eines gleichbleibenden Tippgefühls etwas Steifigkeit über die Längsachse preisgegeben.

Typisch für die MX-Schalter im Allgemeinen ist der vier Millimeter lange Federweg, dessen Signalpunkt bei zwei Millimetern Wegstrecke erreicht wird. Bei den Varianten „Black“ und „Red“ ist diese Stelle, welche bei 60 respektive 45 Gramm Kraftaufwand erreicht wird, durch den linear ansteigenden Widerstand nicht markiert. Diese Eigenschaft wohnt unter anderem den „taktilen“ braunen und blauen „Farbvarianten“ inne.

Cherry MX „Red“ mit linearer Charakteristik (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)
Cherry MX „Red“ mit linearer Charakteristik (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)

Abseits der Schalter präsentiert Func ein in Kernbereichen überzeugendes Konzept. Kurz gefasst: Die Oberflächenbeschichtung hält, was sie verspricht, die Handballenauflage ermöglicht ein ermüdungsfreies Arbeiten ohne Abstriche und der USB-Hub vermag, vorbehaltlich Bandbreite und Strombedarf, im Alltag eingesetzt zu werden – das Basiskonzept überzeugt.

Weniger gründlich sind die Zusatzfunktionen durchdacht worden. Das Layout der FN-Funktionen legt nahe, welche Func als besonders wichtig einstuft. Dies sind bei der KB-460 weniger die Medien- als vielmehr die Profilfunktionen. Die Anordnung speist sich zum Teil schlicht aus der nur manuell möglichen Umschaltung. Zudem wird auf die Anzeige des jeweils aktiven Profils verzichtet, was den Einsatz im Alltag weiter erschwert.

Der Func-Mode kann zudem nur mit der rechten Hand in einem Griff eingeschaltet werden, um so die Alternativbelegung aufzurufen. Ein schnelles Umschalten in Spielen wird so mitunter verhindert. Der Status dieser Option ersetzt dabei die „Print lock“-Anzeige, was es ermöglicht haben dürfte, ein bereits vorhandenes PCB zumindest an dieser Stelle unmodifiziert zu nutzen. Durch die vorhandenen Lötpunkte für einen Audio-Hub liegt an dieser Stelle erneut der Gedanke an die Qpad MK-85 nahe. Zumindest anfänglich ist diese Umbelegung extrem ungewohnt und geht schnell unter. Ideal wäre es gewesen, Funktionsanzeige und LED der F12-Taste zu kombinieren.

Im direkten Vergleich bietet Roccats Easy shift flexiblere und, da sich die gesamte Tastatur ohne Einschränkungen doppelt programmieren lässt, mehr Funktionen. Allerdings lässt sich diese Variante nicht dauerhaft aktivieren, sondern nur analog zum FN-Schalter als Tastenkombination nutzen. Den Vorteil der freieren und bequemeren Nutzung des Func-Modus setzt die KB-460 jedoch nur eingeschränkt um. Hier limitiert der geringe Funktionsumfang der Software. So fehlen insbesondere Medien-Shortcuts, welche das FN-Layout nach Nutzerpräferenzen kompensieren könnten.

Zu den beworbenen Eigenschaften gehört außerdem uneingeschränktes Key-Rollover. Soweit sich dieses mit der auf zwei Arme limitierten Testumgebung nachstellen ließ, hält die Func diese Angaben ohne Probleme ein. Die Umsetzung bereitet auch unter Linux-basierten Umgebungen, etwa UEFI, keine Schwierigkeiten.

N-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)
N-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)

Software

Die Software zur Tastatur zeichnet sich vor allem durch ihren übersichtlichen Aufbau mit nur einer Menüebene aus. Über einfach Klicks kann linkerhand eines der zehn maximal pro Profil möglichen Makros ausgewählt und in der Übersichtsdarstellung zugeordnet werden. Die Abwahl in Mitten dieses Prozesses funktioniert vorrangig über „Esc“, ist daher hakelig.

Hinter der einwandfreien Grundstruktur verbirgt sich ein kompakter Funktionsumfang. Der sehr schlichte Makro-Editor zeichnet weder Zeitabstände zwischen einzelnen Eingaben auf, noch ermöglicht er die Bearbeitung aufgenommener Tastenfolgen. Im- und Export von Profilen sowie Makros gewährleisten die flotte Verwaltung der erstellen Funktionen.

Neben Makros bietet Func die Möglichkeit, Programmverknüpfungen abzulegen sowie kleinere Office-Funktionen einzubinden; Medien-Shortcuts fehlen hingegen, wären aufgrund der sekundären Platzierung dieser Funktionen auf der Tastatur aber eine willkommene Ergänzung. Möglich wäre, dass das vorhandene Potential künftig ausgeschöpft wird, denn Func will, wie der Hersteller bedeutungsoffen und gleichzeitig unspezifisch auf unsere Nachfrage hin ausführte, die Software stetig weiterentwickeln.

Die Software auf einen Blick

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