News : Radeon R9 290(X): nur messbare Unterschiede bleiben

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In den vergangenen Wochen sind trotz einer korrigierenden Treiberanpassung Seiten AMDs erneut Berichte im Internet aufgetaucht, nach denen sich die von AMD zur Verfügung gestellten Muster der Radeon R9 290(X) bei der Leistung weiterhin leicht von den Partnerkarten im Handel unterschieden. Wir sind diesen Meldungen nachgegangen.

Dass sich die Karten theoretisch unterschiedlich verhalten können, ist mit dem neuen Turbo-Modus auf der Hawaii-GPU zu erklären. Die Grafikkarte versucht die Temperatur bei 94 Grad Celsius zu halten und wenn das nicht möglich ist, taktet sich die GPU herunter. Wenn nun die Modelle im Handel nicht exakt gleich gut gekühlt werden wie die Karten, die AMD der Presse zur Verfügung gestellt hat, würden die Frequenzen und damit die Leistung niedriger ausfallen. Laut AMD sollte das seit dem Eingriff in die Lüftersteuerung mit dem Catalyst 13.11 Beta 9.2 allerdings nicht mehr der Fall sein.

Sapphire Radeon R9 290
Sapphire Radeon R9 290

Für einen anstehenden Multi-GPU-Test haben wir uns unter anderem eine Radeon R9 290 von Sapphire für einen Vergleich eingeladen. Mit dieser Karte haben wir mittlerweile erste Tests durchgeführt, die wir mit unseren Ergebnissen aus dem noch frischen Artikel „Grafikkarten 2013 im Vergleich“ ins Verhältnis gesetzt haben.

Ein erster Blick auf die Drehzahlen des Lüfters unter Last gibt Entwarnung: sie ist auf unserem Pressemuster von AMD und der Karte von Sapphire absolut identisch. Genau so, wie es AMD mit dem Catalyst 13.11 Beta 9.2 in Aussicht gestellt hatte. Unter Windows lässt Sapphires Radeon R9 290 den Lüfter zwar ein wenig langsamer als beim AMD-Pendant laufen, mit 33 Dezibel fällt der Schallpegel rund 2 Dezibel niedriger aus. Das hat aber keine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit.

Auch die Leistungsaufnahme lässt auf den ersten Blick keine Auffälligkeiten erkennen: im Leerlauf erzielt die Sapphire-Karte ein um zwei Watt besseres Ergebnis, unter Last sind es acht Watt. Auf beiden Karten führt das Kühlsystem bei gleicher Drehzahl demnach eine vergleichbare Verlustleistung ab und kratzt dabei an der Temperaturgrenze von 94 °C.

Interessantes offenbart hingegen ein Blick auf die Taktraten unter Last. Unser Pressemuster der Radeon R9 290 schafft in Crysis 3 eine Frequenz zwischen 851 und 891 MHz zu halten, während die Sapphire-Karte auf geringere 824 bis 874 MHz kommt. Auch wenn vorhandene Programme den Takt kaum schnell genug auslesen können, ist die Tendenz am Ende klar: die Karte von Sapphire taktet niedriger.

In der Konsequenz rechnet die Karte von Sapphire im Durchschnitt aus fünf Spielen genau ein Prozent langsamer als das von AMD zur Verfügung gestellte Exemplar. In den Einzelspielen gibt es größere und kleinere Unterschiede. In Crysis 3 sowie Grid 2 herrscht ein Gleichstand, während in den drei anderen Spielen die AMD-Karte schneller ist. In Bioshock: Infinite sowie Metro: Last Light beträgt der Unterschied ein Prozent zu Gunsten der AMD-Karte, in Battlefield 4 sind es zwei Prozent.

Die Unterschiede fallen nach AMDs Eingriff per Treiber zwar nur noch klein und nicht spürbar aus. Sie bleiben aber vorhanden. Die Frage ist: warum? Als eine der letzten Variablen bleibt die Verbindung zwischen der GPU und dem Kühlsystem: die Wärmeleitpaste.

Und in der Tat: nach dem Wechsel der Wärmeleitpaste taktet die Grafikkarte unter Crysis 3 mit etwa 841 bis 896 MHz und damit 17 bis 22 MHz höher als im Werkszustand, was sich auch in den Benchmarks zeigt. Denn nach dem Eingriff ist die Sapphire Radeon R9 290 gleich schnell bis minimal flotter als das Pressemuster.

Fazit: große Unterschiede in der Leistungsfähigkeit innerhalb der Radeon-R9-290(X)-Serie hat AMD mit dem Caltayst 13.11 Beta 9.2 behoben. Berichte über spürbare Differenzen können wir nicht bestätigen. Und trotzdem kann es weiterhin vorkommen, dass einzelne Karten messbar langsamer rechnen als andere. Die Ursache ist in der Verbindung von GPU und Kühler und damit in der Effizienz der Wärmeabfuhr vom Die zu finden.

Von unserem Test auf Basis von zwei Karten lässt sich zwar nicht auf die Gesamtheit am Markt schließen. Er zeigt allerdings erneut, wie abhängig sowohl AMDs als auch Nvidias Turbo-Integration vom eingesetzten Kühlsystem im Allgemeinen und der Verarbeitung der einzelnen Komponenten im Einzelnen ist.