Die Neuauflage des Tolino Shine im Test : Späte(s) Nachlese(n)

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Die Neuauflage des Tolino Shine im Test: Späte(s) Nachlese(n)

Bereits Ende April des letzten Jahres haben wir den E-Book-Reader Tolino Shine einem Test unterzogen, damals mit mäßigem Ergebnis: Zwar konnten wir dem E-Book-Reader ein insgesamt großes Potenzial bescheinigen, viele kleine Fehler trübten den Lesespaß jedoch deutlich.

Mittlerweile hat Tolino die Firmware des Readers nach eigenen Angaben deutlich verbessert und spendierte ihm zur letztjährigen Buchmesse in Frankfurt klammheimlich eine Neuauflage mit einem neuen Display. Gleichzeitig hatte der Hersteller den bisherigen Tolino Shine aus dem Verkauf genommen, womit nur noch die aktualisierte Fassung, welche an einem Schmetterling im rückseitigen Schriftzug erkennbar ist, verkauft wird.

Auch wenn der Hersteller den E-Book-Reader nicht als neues Modell verstanden wissen möchte und sich an diesem auch äußerlich nichts verändert hat, sind die Änderungen für uns Grund genug, den E-Book-Reader erneut einer Bewährungsprobe zu unterziehen und zu prüfen, ob unsere damals angebrachten Kritikpunkte der Vergangenheit angehören.

Display

Das neue Display des überarbeiteten Tolino Shine misst nach wie vor sechs Zoll und löst auch weiterhin mit 758 × 1.024 Bildpunkten auf. Allerdings beinhaltet es jetzt die im letzten Jahr von E-Ink vorgestellte Regal-Technologie, die das Ghosting-Verhalten stark verbessern soll. Während bisherige E-Ink-Displays bereits nach einigen Seitenwechseln zur besseren Lesbarkeit durch die Invertierung einem „Reset“ unterzogen werden mussten, bei welchem die Steuerelektronik alle Farbpigmente zunächst auf Schwarz und dann auf Weiß schaltet, werden bei der als Regal-Waveform benannten Technologie gezielt nur diejenigen Pigmente verändert, welche einer Neuausrichtung bedürfen. Schwarze Farbpigmente bleiben somit bei Bedarf schwarz. Dies hat zur Folge, dass beim Lesen deutlich weniger Invertierungen notwendig sein sollen. Infolgedessen wurde das Standardintervall für Invertierungen beim neuen Tolino Shine auf 60 Seiten festgelegt, während beim Vorgänger fest alle sechs Seiten eine Invertierung erfolgte. Die Häufigkeit der Invertierungen kann vom Benutzer beim neuen Modell in festen Stufen bis hin zur Invertierung bei jedem Seitenwechsel eingestellt werden. Die ebenfalls neue E-Ink-Carta-Technologie für bessere Kontraste kommt beim neuen Modell des Tolino Shine allerdings nicht zum Einsatz, sondern ist nach wie vor exklusiv dem aktuellen Kindle Paperwhite vorbehalten.

Wie wir bereits im Test zu Amazons Kindle Paperwhite 2 feststellten, sollte vollmundigen Werbeversprechungen jedoch nicht immer bedingungslos Glauben geschenkt werden. Auch beim Tolino Shine wird das Ghosting zwar in gewissen Situationen deutlich verringert, komplett verhindert wird es jedoch nicht. So neigt auch der aktuelle Tolino wie sein Vorgänger bei größeren Schwarzflächen dazu, diese auf den Folgeseiten durchscheinen zu lassen; vorherige helle Flächen fallen durch eine blassere Schrift ebenfalls auf. Eine vom Nutzer erzwungene Invertierung bei jedem Seitenwechsel behebt dieses Problem zwar, konterkariert allerdings den Sinn der neuen Regal-Technologie, welche diese Intervalle gerade erhöhen soll.

Bildvergleich

An der Leuchtkraft des Displays wurde hingegen wenig verändert. Zum angenehmen Lesen reichen nach wie vor rund 75 Prozent der stufenlos einstellbaren Ausleuchtung aus, was ungefähr 35 cd/m² entspricht. Dass das neue Display des Tolino Shine jedoch deutlich heller leuchten kann, wird beim Gerätestart deutlich: Dann leuchtet es mit 98 cd/m² zunächst relativ hell, wird danach jedoch auf eine maximale Helligkeit von 48 cd/m² begrenzt. Das bedeutet zudem, dass die aktuelle Version des Tolino Shine in Sachen Helligkeit der Konkurrenz deutlich hinterherhinkt. Während diese mit einer Leuchtkraft von 90 cd/m² und höher aufwartet, verharrt der Tolino Shine bei knapp der Hälfte.

Die Lesbarkeit des dargestellten Textes hat in unseren Augen gegenüber dem alten Display etwas abgenommen. Gerade bei aktivierter Hintergrundbeleuchtung wirkt der Text mitunter zu dünn. Zwar kann die Schrift zur besseren Darstellung vergrößert werden, die Geräte der Mitbewerber bieten diesbezüglich bei gleicher Schriftgröße in den meisten Fällen jedoch nach wie vor ein besseres Schriftbild. Des Weiteren kann die verwendete Schriftart durch eine der fünf implementierten Schriften ersetzt werden, dadurch ergeben sich aber wiederum andere Probleme, welche im nächsten Abschnitt genauer erörtert werden.

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