2/3 Nokia Lumia 930 im Test : Windows Phone 8.1 par excellence

, 217 Kommentare

Windows Phone 8.1

ComputerBase konnte Windows Phone 8.1 bereits im April im Anschluss an die Build 2014 auf einer Veranstaltung von Nokia ausprobieren. Bereits diese Vorabversion und auch die spätere Developer Preview konnten in puncto Funktionsumfang überzeugen. Mit den Neuerungen in Windows Phone 8.1 hat Microsoft einen großen Schritt in Richtung Android und iOS gemacht.

Auffälligste Veränderung gegenüber Windows Phone 8 ist das Action Center. Endlich bietet auch Windows Phone eine zentrale Anlaufstelle für Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen, die per Wischgeste über die Statusleiste geöffnet wird. Über die einzelnen Nachrichten kann direkt in die entsprechende Anwendung gewechselt werden. Zusätzlich finden sich im Action Center vier Schalter für Schnelleinstellungen, die individuell belegt werden können. Unter Windows Phone 8.1 wird die Statusleiste zudem permanent eingeblendet, das Öffnen des Action Centers gibt anschließend Details wie das Datum oder den Akkustand in Prozent preis.

Mit „Word Flow“ und Version 11 des Internet Explorers hat Microsoft Windows Phone eine neue Tastatur und einen neuen Browser spendiert. Das „Word Flow“-Keyboard erinnert stark an Swype unter Android und ermöglicht das Schreiben von Wörtern per Wischgesten über die Buchstaben. Die Korrektur unpräziser Wischgesten funktioniert dabei sehr gut. Selbst das grobe Treffen von Buchstaben führt in den meisten Fällen noch zum gewünschten Wort. Der neue IE 11 erbt mit WebGL Funktionen des Desktop-Ablegers und bietet nun auch einen Lesemodus. Wischgesten nach links und rechts erlauben den einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Tabs. Auch ein neuer HTML5-Player mit Untertitel-Unterstützung wurde in den IE 11 integriert.

Zu den weiteren Veränderungen zählen der überarbeitete Kalender und der neue Windows Phone Store. Über die Kalender-App können jetzt Google-Kalender synchronisiert werden und Termine in der Wochenansicht dargestellt werden. Auch das aktuelle Wetter ist nun in die App integriert. Im neuen Windows Phone Store wird besser zwischen Spielen und klassischen Apps unterschieden, was die Übersicht erhöht. Der Store versammelt zudem mehr Informationen auf einer Seite, sodass weniger gewischt werden muss. Screenshots von Apps sind beispielsweise direkt auf der Übersichtsseite zu finden. Das Menü „Meine Apps“ erleichtert die Neuinstallation von gekauften oder zuvor installierten Apps deutlich.

Optische Anpassungen erfährt Windows Phone 8.1 in Form von Hintergründen für den Startbildschirm und einer dritten Spalte Live-Tiles. Die dritte Spalte wurde zwar bereits mit dem Lumia 1520 und Lumia 1320 in Verbindung mit dem „Black“-Update eingeführt, nun steht dieses Feature aber allen Smartphones mit Windows Phone 8.1 zur Verfügung.

Über die Saver- und Sense-Apps für Batterie, Speicher und WLAN lassen sich verschiedene Parameter des Smartphones überwachen. Der Battery Saver gibt einen Überblick zur erwarteten Laufzeit des Smartphones und listet aktive Apps auf, die hinsichtlich ihrer Hintergrund-Aktivität eingeschränkt werden können. Über Storage Sense ist es möglich, Dateien vom internen Speicher auf die microSD-Karte zu verschieben. Weil das Lumia 930 solch einen Steckplatz nicht bietet, ist die App abgesehen von der Anzeige des derzeit belegten Speichers nutzlos. Wi-Fi Sense oder zu Deutsch „WLAN Optimierung“ erlaubt das Teilen von WLAN-Verbindungen, ohne dabei das Passwort gegenüber dem anderen Anwender preisgeben zu müssen. WLANs können mit Kontakten oder Freunden aus Skype und Facebook geteilt werden. Wi-Fi Sense sorgt auch für die automatische Eingabe von Zugangsdaten und die Zustimmung der Nutzungsbedingungen für öffentliche Hotspots.

Zu den kleineren Veränderungen zählt die Aufteilung von Xbox Music und Xbox Video in zwei Streaming-Anwendungen samt DLNA-Integration und Spiegelung des Smartphone-Displays auf externe Monitore. In der Telefon-App können unbekannte Anrufer nun direkt in das Telefonbuch eingetragen und Telefonate mit einem Tastendruck auf Skype umgestellt werden. Im über den Zurück-Button erreichbaren Multitasking-Menü dienen jetzt auch Wischgesten nach unten dem Schließen von Apps. Darüber hinaus bietet die aufgewertete Maps-Apps die Ansicht aus der Vogelperspektive sowie 3D-Karten und zeigt Hotspots in der Nähe an. Für Enterprise-Kunden ist eine VPN-Unterstützung hinzugekommen. Durch Zugriff auf das Dateisystem können unter Windows Phone 8.1 entsprechende Manager zum Einsatz kommen. Microsoft bietet seit 30. Mai mit der App „Dateien“ eine eigene Lösung an.

Die persönliche Assistentin Cortana, eines der zentralen Themen der Vorstellung von Windows Phone 8.1, ist in Deutschland beziehungsweise auf Deutsch bisher nicht aktiv. Das Konkurrenzsystem zu Google Now und Apple Siri ist aktuell ausschließlich in den Vereinigten Staaten als Beta verfügbar und soll anschließend nach Großbritannien und China exportiert werden. Das System kann eingeschränkt hierzulande verwendet werden, wenn die Sprache und Region des Telefons entsprechend konfiguriert werden.

Nokias „Cyan“-Update bietet darüber hinaus vereinfachte Kamera-Funktionen, um beispielsweise aus der Kamera-Anwendung heraus Bilder zu teilen, diese im Creative Studio 6 zu bearbeiten oder per Storyteller-App ortsbezogene Story-Videos zu erstellen. Nokias Geräte-Hub listet Smartphone-Zubehör auf und zeigt an, wo dieses zuletzt benutzt wurde.

Creative Studio 6
Creative Studio 6

Microsofts Paket ist praller gefüllt denn je. Windows Phone 8.1 rückt Android und iOS auf die Pelle, kann aktuell aber noch nicht zum Überholmanöver ansetzen. Es herrscht aber annähernd Gleichstand, wenn zum Vergleich Android 4.4 und iOS 7 herangezogen werden. Windows Phone ist mit Version 8.1 besser als jemals zuvor aufgestellt, jede durchgeführte Veränderung ist eine gute und sinnvolle. Jetzt heißt es für Microsoft: Wenn Google und Apple mit Android L und iOS 8 nachlegen, muss Microsoft zukünftig schneller kontern können. Immer nur aufzuholen kann und darf langfristig nicht das Ziel sein.

Kamera

Bei der im Lumia 930 verbauten 20-Megapixel-Kamera handelt es sich um eine leichte Weiterentwicklung des im Phablet Lumia 1520 verbauten Modells. Nokia konnte die Kamera etwas flacher gestalten, sodass die Ausbuchtung der Rückseite nun entfällt. Unterstützt wird die Kamera von einem optischen Bildstabilisator und einem Dual-LED-Blitz. Fotos werden entweder über den ausgezeichneten dedizierten Auslöser mit zwei Stufen oder klassisch über das Display geschossen. Nokias sehr gute Kamera-App mit vielen manuellen Einstellungsmöglichkeiten ist weiterhin der Maßstab am Markt. Die Veränderungen werden sofort auf dem Display sichtbar, sodass die Spielerei an zahlreichen Reglern auch einen kleinen Lerneffekt mit sich bringt.

Kamera-App mit Live-Einstellungen
Kamera-App mit Live-Einstellungen

Qualitativ schneidet das Lumia 930 insbesondere deshalb gut ab, weil es dem Smartphone gelingt, das gewählte Motiv möglichst unverfälscht einzufangen. Lichtverhältnisse und Farbgebung entsprechen fast immer der Realität. Zwar neigt das Lumia 930 zu einer tendenziell kräftigeren Farbdarstellung, was vereinzelt zu einem fast schon grellen Leuchten der Farben führt, das Resultat weiß aber oft zu gefallen. Auch bei Dämmerung lassen sich mit dem Lumia 930 gute Fotos schießen, die vergleichsweise wenig rauschen. Störend ist allgemein das Weichspülen der Bilder. Knackig scharf wirken die Bilder nur selten. Selbst absolutes Stillhalten und der optische Bildstabilisator können diesem kleinen Manko nicht entgegenwirken. Der Fokus des Lumia 930 arbeitet zwar schneller als bei anderen Lumia-Smartphones, ein scharfes Bild ist aber mehr wert als ein schnell geschossenes. Das 17. Bild am Eingang des Flughafen Tegel verdeutlicht die Problematik und zeigt, dass keiner der Bildbereiche absolut scharf ist.

Nokia Lumia 930 im Test – Kamera

Bilder können auf dem Lumia 930 als einzelnes JPEG mit 5 Megapixel, JPEG mit 5 und 19 Megapixel sowie als JPEG mit 5 und DNG mit 19 Megapixel abgespeichert werden. Die Bildgalerie nutzt die JPEG-Variante mit 19 Megapixel. Der Original-Download ist bei jedem Foto möglich.

Nokia Lumia 930 im Test – Videokamera

Im Videomodus liegt die maximale Auflösung bei 1.920 × 1.080 Pixeln mit 30 Bildern pro Sekunde. Das Resultat sind stotterfreie Videos, die aufgrund des optischen Bildstabilisators frei von harten Verwacklern sind. Diese werden vom Bildstabilisator abgefangen, was immer dann sichtbar ist, wenn das Bild kurz gegenschwingt, also eine kurze, aber weiche Bewegung entgegen der Richtung des Wacklers macht. Im Video werden selbst provozierte Unebenheiten schnell ausgeglichen. Das Video wurde mit Dolby Digital Plus 5.1, aber ohne Audiobassfilter aufgezeichnet. Audioquellen sind im Video zwar gut zu orten, die Tonspur klingt aber etwas dumpf.

Konnektivität

Das Lumia 930 ist in puncto Konnektivität absolut auf der Höhe der Zeit. Neben Standards wie HSPA+ und LTE mit bis zu 42 und 150 Mbit/s unterstützt nach dem Lumia 1520 nun auch das Lumia 930 den WLAN-ac-Standard. Die SIM-Karte muss wie beim iPhone 5S im derzeit kleinsten Nano-Format vorliegen. Dank Windows Phone 8.1 und „Cyan“-Update von Nokia, das seit Mitte Juli auch für die anderen Lumia-Smartphones mit Windows Phone 8 zur Verfügung steht, ist nun auch Miracast für die kabellose Bild- und Videoübertragung vorhanden. Diese Funktion wird aktuell allerdings nur vom Lumia 930 und Icon sowie dem Lumia 1520 unterstützt.

Laufzeiten

Ein über YouTube abgespieltes Video im 2,4-GHz-WLAN der Redaktion spielt das Lumia 930 für rund sieben Stunden ab. Damit landet Nokia im Mittelfeld hinter dem LG G2 mini und wenige Minuten vor HTC One (M8), Motorola Moto G und Allview X1 Soul Xtreme. Mit 2.420 mAh (9,20 Wh) ist die Nennladung des Akkus niedriger als bei Samsung Galaxy S5 oder Sony Xperia Z2, was sich entsprechend im Diagramm darstellt. Das Huawei Ascend P7 muss sich trotz 2.500-mAh-Akku klar geschlagen geben. Anders sieht es im Browser-Dauertest aus: Bereits nach viereinhalb Stunden geht dem Smartphone die Kraft aus. Der Peacekeeper-Benchmark fordert das Smartphone spürbar, was sich an der Erwärmung der Rückseite auf bis zu 40 Grad Celsius zeigt.

Das Lumia 930 kann kabellos auf einer Qi-Station geladen werden
Das Lumia 930 kann kabellos auf einer Qi-Station geladen werden

Wer häufig zum Browser greift, muss im Alltag aber nicht mit einer erheblich kürzeren Laufzeit rechnen. Die im Testalltag vergleichsweise intensive Benutzung resultierte in einer Laufzeit von rund 38 bis 40 Stunden. Spätestens jeden zweiten Abend musste das Lumia 930 wieder an die Steckdose, was gutem Durchschnitt entspricht. Wie das Nexus 5 kann auch das Lumia 930 auf handelsübliche Qi-Ladeschalen gelegt und kabellos geladen werden. Für das Lumia 925 musste noch eine spezielle Hülle für das kabellose Laden gekauft werden.

Auf der nächsten Seite: Fazit