2/3 Gabriel Knight: Sins of the Fathers : Jane Jensens Remake in der Vorschau

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Auf einen Blick

Mit Blick auf den beschriebenen Balanceakt lautet die entscheidende Frage bei Remakes häufig nicht, was neu ist, sondern was erhalten geblieben ist. Von dieser Warte aus betrachtet sind Jensen und die Entwickler von Phoenix Online Studios tatsächlich wie schonend mit „Sins of the Fathers“ umgegangen.

Wer die „Gabriel-Knight“-Reihe kennt, wird sich deswegen von der ersten Minute an heimisch fühlen. Diese Eigenschaft dürfte für die potentielle Zielgruppe entscheidend sein, weil das Remake allen voran Veteranen ansprechen soll, diese aber aber gerade im Adventure-Bereich häufig sehr sensibel auf allzu umfassende Eingriffe und Neuerungen reagieren.

Diese Sensibilität dürfte für „Sins of the Fathers“ im Besonderen gelten, denn der Titel begründete eine Spielreihe, die für damalige Verhältnisse und selbst in den folgenden Jahren und Jahrzehnten extrem positiv aufgenommen wurde. Ein Grund dafür war, dass sich „Gabriel Knight“ betont von der Konkurrenz absetzte, indem es mit einer für damalige Verhältnisse ungewohnt düsteren Story aufwartete.

Unveränderte Story

Und so ist es wenig verwunderlich, dass Jensen und ihr Team gerade in puncto Plot alles beim Alten belassen. Deswegen schlüpft der Spieler wie im Jahr 1993 in die Rolle des schrulligen Gabriel Knight, der in New Orleans eine antiquarische Buchhandlung betreibt.

Da das Geschäft nicht so recht läuft, verdingt sich Knight nebenbei auch als Buchautor. In dieser Funktion ist der Protagonist Feuer und Flamme, als in und um New Orleans eine mysteriöse Mordserie für Angst und Schrecken sorgt. Allerdings ist es nicht die pure Sensationsgier, die Knight an die Tatorte treibt: Durch den möglichen Voodoo-Hintergrund der Taten haben die Ermittlungen der Polizei für ihn besondere Relevanz, da es in seinem jüngsten Manuskript um eine ähnliche Thematik geht. Nach dem letzten Mord stellt Knight deshalb Nachforschungen an und entdeckt schnell, dass er in die Sache tiefer verstrickt ist, als ihm beliebt.

Gabriel Knight in der Vorschau
Gabriel Knight in der Vorschau

Die sich auf dieser Grundlage entspinnende Geschichte wirkt in der Gegenwart auf den ersten Blick, absurd, hat durch die großzügige Vermengung von morbidem Witz, Mystik und Thriller aber auch im Jahr 2014 noch immer eine gehörige Sogwirkung: Gabriel entdeckt seine Vergangenheit, die Rolle seiner Ahnen, die Gründe für seine seltsamen Träume – und wie all das mit den Morden daheim zusammenhängt.

Kleine, aber feine Anpassungen beim Gameplay

Verstärkt wird die erwähnte Sogwirkung dadurch, dass der Held des Spiels bei seinen Ermittlungen auf bestens bekannte Charaktere wie seine Assistentin Grace Nakimura und den ermitteltenden Detective Mosley trifft. Diese tragen auch im Remake zur Spielatmosphäre bei. Zugleich wird bei der Interaktion mit diesen Personen deutlich, dass Jensen und Co. beim Gameplay anders als bei der Story durchaus Hand angelegt haben.

So gehört es zu den wenigen aber spürbaren Vereinfachungen, dass die teils umfangreichen Dialoge eine Art „Schnellstraße“ bieten. So sind im Gespräch stets jene Punkte gelb markiert, die auf jeden Fall abgearbeitet werden müssen, um in der Story voranzukommen. Alles andere wird dadurch als Beiwerk markiert.

Puristen werden in dieser Vereinfachung einen Frevel sehen. Wir können damit aber gut leben, zumal die meisten Spieler ohnehin alle Optionen abschöpfen werden, um über alle Hintergrundinformationen zu verfügen und so maximal in die „Gabriel-Knight“-Welt eintauchen zu können.

In unseren Augen positiv ist außerdem, dass das Interface aufgeräumt wurde. Zieht der Spieler die Maus über einen interaktiven Gegenstand, werden nicht mehr alle möglichen Optionen, sondern nur die am ehesten passenden eingeblendet. Dies bedeutet nicht, dass jede der Optionen zwingend funktioniert (Grace über die „Anfassen“-Funktion näher zu kommen wird auch weiterhin nicht von Erfolg gekrönt), entschlackt die Bedienung aber in angenehmer Weise.

Abseits von diesen Punkten bleibt das neue „Gabriel Knight“ ganz und gar Point-and-Click-Abenteuer: Man wechselt von Umgebung zu Umgebung, kombiniert Gegenstände und Informationen aus Gesprächen, löst teils pfiffige Rätsel und kommt so „der Wahrheit“ Stück für Stück näher.

Kennern des Originals wird dabei auffallen, dass das Gros der Inhalte erhalten geblieben ist. An der einen oder anderen Stelle aber haben sich die Entwickler um Jane Jensen auch getraut, eigene Ideen und Erweiterungen einzufügen. Das Gute daran: Wirklich auffällig sind diese Neuerungen im kleinen Maßstab nicht, da sie dem grundlegenden Stil entsprechen und sich so nahtlos in das Gesamtbild einfügen.

Aufgehübschte Optik, neue Sprecher

Ähnlich schonend ist auch die grafische Überarbeitung gelungen. Dies ist bemerkenswert, weil die Eingriffe hier am weitreichendsten sind und die Auswirkungen potentiell verheerend sein können. Kein Wunder also, dass vorab vehement diskutiert wurde, ob sich ein „Gabriel Knight“ mit hochauflösenden Texturen und einer 3D-Optik verträgt. Unserem Eindruck nach lautet die Antwort auf diese Frage: Ja, das tut es, weil der Charme des Originals trotz des Makeovers erhalten bleibt.

Dies liegt zum einen an der beibehaltenen Schräg-von-oben-Perspektive und den identischen Mechaniken, sodass für Dialoge nach wie vor ein separater Bildschirm geöffnet wird, in dem die Gesichter von Gabriel und seinem Gesprächspartner abgebildet sind. Zum anderen emuliert das Remake trotz 3D-Engine gekonnt den 2D-Look des großen Vorbilds. In Kombination mit einer aufgebohrten Auflösung von vormals 640×480 auf jetzt bis zu 2048 ×1536 lässt sich deswegen sagen: Das neue „Sins of the Fathers“ sieht richtig gut aus, ohne die Identität des Originals zu verwaschen.

Eine ähnliche Kontroverse wie bei der Grafik gab es auch in puncto Synchronsprecher. Wenig überraschend ist es Jensen und ihrem Team nämlich nicht gelungen, die Originalbesetzung zusammenzukriegen. Ein kleiner Skandal war dabei vor allem, dass Gabriel nicht mehr von Tim Curry gesprochen wird.

Doch auch dieser Umstand bricht dem Spiel unserem Eindruck nach nicht im Mindesten das Genick, denn die neue Stimme von Gabriel, Jason Victor, macht ebenfalls einen erstklassigen Job. Dies gilt auch für den überwiegenden Teil der anderen Stimmen und ebenso für die von Sierra-Veteran Robert Holmes verantwortete neu eingespielte Musik.

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