2/4 Risen 3: Titan Lords im Test : Ein Rollenspiel nach alter Schule

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Auf einen Blick

Stell' dir vor, du gehst auf Schatzsuche – doch am Ende wartet nicht etwa glitzerndes Gold oder wenigstens etwas zum Naschen, sondern ein finsterer Schattenlord, der dir einen guten Teil der Seele aussaugt. Genau das passiert dem neuen, namenlosen Helden zu Beginn von „Risen 3“: An der sogenannten Krabbenküste auf der Jagd nach einem immensen Schatz, gerät er in einen Hinterhalt und stirbt.

Nur gut, dass ein alter Bekannter den besagten Helden von einem Co-Piraten beschatten ließ, der soetwas wie die Basics im Voodoo beherrscht. Die sind in der Situation auch dringend gefragt, denn nach drei Wochen unter einer nicht unerheblichen Steinschicht bedarf es selbst in einer Fatansiewelt schon einer gehörigen Portion Glück, um den Quasi-Toten wiederzuerwecken.

Kohärente Handlung

Dieser krude Einstieg ist in „Risen 3“ nur der Auftakt zu einer noch weitaus kruderen Haupthandlung. Denn mit der Wiedererweckung des Protagonisten ist es natürlich längst nicht getan. Im Gegenteil: Die Zeit drängt, denn was vom Helden geblieben ist, ist nicht vielmehr als eine menschliche Hülle; die Seele und damit die Essenz ist in den Schlunden der Unterwelt verschwunden. Und nur die Kraft von mehreren hochgebildeten Magiern vermag es, sie wieder an den richtigen Ort zu verpflanzen.

Risen 3 im Test
Risen 3 im Test

Damit legt die Story gleich zu Beginn eine sehr persönliche erste Meta-Aufgabe fest, da natürlich genau diese Magier auf die ein oder andere Weise gefunden werden müssen. Doch wo und wie der Spieler sie findet und auf welche Art und Weise der Held so – möglicherweise – sein Seelenheil erwirken kann, das bleibt variabel und diffus – gut so!

Natürlich ist die persönliche Ebene – wenn man so will: die Jagd nach der eigenen Seele – nicht die einzige Schicht von „Risen 3“. Stattdessen ist das individuelle Schicksal unseres Helden selbstverständlich auch mit dem Schicksal der Menschheit verknüpft. Denn natürlich hat das Aufkommen des seelensaugenden Schattenlords auch eine Ursache, die wiederum an die Geschehnisse aus den Vorgängern anschließt.

Während nämlich alle Welt auf den Kampf der Titanen konzentriert war, hat sich klammheimlich eine neue, riesige Gefahr aus der Unterwelt geschoben. Dämonen, Höllenhunde und garstige Untote-Krieger haben Konjunktur, was kein Zufall ist: Schlimme Dinge werden passieren, die „Risen“-Welt steht im dritten Teil näher am Abgrund denn je. Zu allem Überfluss werden die Meere auch noch von einer schlagkräftigen, von einem alten Bekannten angeführten Geisterflotte besegelt, die jede ernstzunehmende Seestreitkraft in die Zange nimmt, Nachschubrouten unsicher macht und scheinbar wahllos morden und brandschatzen.

Doch wie hängen diese Ereignisse zusammen? Was treibt die dunkle Brut ans Tageslicht? Was führt der Geister-Kapitän im Schilde? Und wo zum Henker ist die Seele von unserem Helden? So lauten die entscheidenden Fragen, die die Handlung von „Risen 3“ grundlegend antreiben.

Diese Fragen, das müssen wir in aller Deutlichkeit festhalten, sind allerdings etwas zu dick aufgetragen: Ein bisschen weniger Metaphysis, weniger abgefahrene Wesen, etwas weniger Fantasy hätte „Risen 3“ durchaus gut zu Gesicht gestanden. Doch ganz klar: Das ist eine persönliche Einschätzung. Geschmackssache.

Wichtig ist deswegen in erster Linie, dass der Ansatz grundsätzlich funktioniert: Durch die Verbindung von persönlichem Schicksal und der allgemeinen Entwicklungen nimmt die Handlung einige Fahrt auf, sodass selbst wir Fantasy-Skeptiker schnell mitgezogen werden. Auch wenn wir bei all den Geistern, Dämonen, Schattenwesen, Golems, Gnomen, Kobolden und bizarren Kreaturen und Dimensionen immer mal wieder die Nase rümpfen: Die Zusammenhänge und die Beantwortung der besagten Fragen interessiert dann doch ausreichend, sodass man mit der ein oder anderen Übertreibung leben kann.

Quests und Fraktionen

Dies mag auch daran liegen, dass sich „Risen 3“ abseits des als Kitt dienenden Hauptplots etwas bodenständiger gibt. So geht es bei vielen Aufgaben und den damit verbundenen Erzählungen nicht selten um sehr weltliche Dinge wie Macht, Geldgier, Krankheiten und Liebschaften. Auch wenn die Spielwelt und ihre Elemente natürlich weiterhin enorm fantasievoll gestrickt sind, wird die abstruse Haupthandlung so doch einigermaßen eingefangen: Wir schmieden Allianzen, helfen bei Obdachlosigkeit und Verwünschung, klären den Verbleib von geliebten Personen auf und ja, natürlich, erfüllen zahlreiche „Finde Anzahl X von Gegenstand Y“-Aufgaben.

Risen 3 im Test
Risen 3 im Test

Im Zentrum der vielen Nebenquests stehen wie in den Vorgängern Fraktionen. Derer gibt es wie im ersten Teil drei: Die Magier bzw. ihre Wächter, die sich nach ihrem Kampf mit der Inquisition auf eine zentral gelegene Insel zurückgezogen haben, um aus unbekannten Gründen nach bestimmte Kristallen zu suchen; die Eingeborenen, die mit ihren Voodoo-Künsten die vielleicht interessanteste Partei von „Risen 3“ darstellen; und die Dämonenjäger, die hoch im Norden auf einem düsteren, steinigen Eiland hausen und bei denen ein mysteriöser Druide ein möglicher Schlüssel zur Rettung der Seele des Helden ist.

Über kurz oder lang wird der Spieler wie gehabt den Fraktionen beitreten und eventuell sogar dauerhaft bleiben. Bis dahin und auch darüber hinaus sind die Parteien wichtige Impulsgeber: Sie halten jeweils eigene Aufgaben und Verwicklungen bereit und locken schließlich mit eigenen Spezialisierungen, Waffen, Rüstungen und Möglichkeiten, sofern man ihren Weg verfolgt und ihnen letztlich dauerhaft beitritt.

Risen 3 im Test
Risen 3 im Test

Flankiert werden die Hauptfraktionen und ihre Inseln von kleineren Parteien wie den Gnomen, die auf der Insel der Diebe leben, der obligatorischen Inquisition, den Piraten und einer mysteriösen Nebelinsel, die ein jedes Abenteurerherz schon aufgrund ihrer Beschreibung ansprechen dürfte.

Bei allen Fraktionen und auf den mit ihnen verbundenen Inseln warten mal mehr und mal weniger Aufgaben, was erklärt, warum „Risen 3“ erwartungsgemäß umfangreich ist: Wer sich wirklich jeden Aspekt anschauen möchte, sollte mehrere Dutzend Stunden einplanen.

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