Die Sims 4 im Test: Die super-duper-easy Lebenssimulation

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Sasan Abdi
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Auf einen Blick

Auch in „Die Sims 4“ geht es wieder darum, einen eigenen Charakter zu erstellen und diesen durch das Leben zu führen. Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob die Neuauflage grandios mit den Vorgängern bricht, sondern ob und inwiefern die Entwickler von Maxis auf dem Detaillevel mutig Hand anlegen und neue Möglichkeiten und Funktionen integrieren.

Die Charaktererstellung

Hätte man uns nach der ersten halben Stunde gefragt, hätte unsere Antwort auf diese zentrale Frage gelautet: Ja, das haben die Entwickler getan. Denn der erste Kontakt, der auch in „Die Sims 4“ wie gehabt vom Charakter-Editor eingenommen wird, fällt überzeugend aus.

Die Sims 4 im Test

Musste der Spieler in den Vorgängern noch umständlich Hand an Schieberegler aller Art legen, lassen sich die Sims nun wunderbar intuitiv erstellen. Dazu steht ein umfassender, aber eben überhaupt nicht mehr komplexer Editor zur Verfügung, mit dem sich nahezu jedes Element detailliert anpassen lässt. Wir legen die Gesichtszüge und die Körpermaße fest, spielen mit der Gangart herum und probieren die unterschiedlichen Sprachtypen aus. Fashion Victims können sich außerdem an der idealen Kombination der zur Verfügung stehenden Outfits versuchen.

Wer so ambitioniert ist, eine Lady Gaga oder einen Cristiano Ronaldo nachbauen zu wollen, wird also keine allzu großen Schwierigkeiten haben: Per Klick auf die jeweilige Körperpartie lassen sich nicht nur viele Anpassungsmöglichkeiten, sondern auch gleich die jeweils passenden Kleidungsstücke aufrufen. Viele Traditionalisten bewerten den neuen Charakter-Editor wegen der fehlenden Schieberegler negativ – wir finden, dass Maxis in dieser Hinsicht einen großen Schritt in die richtige Richtung geht.

Bauen und Einrichten

Ganz ähnlich ist es dem zu Urzeiten etwas komplizierten Baumodus ergangen. Ist der Sim der Träume erst mal erstellt, heißt es nämlich auch in „Die Sims 4“ wieder: Eine neue Bleibe muss her! Uns zog es dazu in einen einer amerikanischen Vorstadt nachempfundenen Ort, der in fünf Gebiete unterteilt ist. Diese Gebiete können von unserem Sim jederzeit aufgesucht werden, wobei allerdings eine kurze Ladezeit in Kauf genommen werden muss.

Die Entscheidung für eines dieser Viertel hat gewisse Auswirkungen, da wie im wahren Leben gilt, dass der Mensch vor allem mit der direkten Nachbarschaft zu tun hat. Die Entscheidung für ein Viertel wird dadurch vereinfacht, dass dem Sim zu Beginn nur 20.000 Simoleons zur Verfügung stellen, was die Wahl zunächst auf kleine Häuser oder günstige Grundstücke eingrenzt.

Wer Geld zum eigenen Bau oder zumindest Umbau zur Verfügung hat, wird sogleich mit dem neuen Baumodus in Berührung kommen. Dieser erkennt die Proportionen eines Raumes nun automatisch, wodurch eine Vergrößerung oder der Anbau von neuer Fläche mit wenigen Klicks realisiert werden. Und überhaupt ist alles ein wenig flexibler gewordenen: Fenster können in beliebiger Höhe platziert werden, die Höhe von Wänden kann etwas variieren und wer möchte, schiebt sein Haus – etwas unrealistisch – einfach ein bisschen hin und her, um ausreichend Platz für einen Anbau zu schaffen.

Auch der Kaufmodus wirkt angenehm aufgeräumt. Hier sind die Einrichtungsgegenstände nach Zimmern oder gleich als komplette Garnituren organisiert. Wer faul ist, kauft sich also gleich eine Komplettküche, die eventuell sogar von der Community erstellt wurde. Für individuellere Zeitgenossen besteht dagegen die Möglichkeit, die eigenen vier Wände nach eigenen Vorstellungen einzurichten.

Stichwort Community: Um Inhalte anderer Spieler zu beziehen oder eigene bereitzustellen, muss jetzt nicht mehr in den Browser gewechselt werden. Stattdessen sind die Dialoge und Übersichten gleich im Spiel integriert, was den Zugriff deutlich angenehmer macht.

Beengte Spielwelt

Ist das heimische Nest einmal eingerichtet, geht es an die eigentliche Tätigkeit: Das Leben selbst. In diesem Moment sind wir zum ersten Mal über einen gravierenden Kritikpunkt gestoßen. Die erwähnte Organisation der aktuell zwei Spielwelten in je fünf Einheiten macht sich nämlich sofort bemerkbar.

Die Sims 4 im Test
Die Sims 4 im Test

Zum einen fällt das insgesamt begehbare Gelände unserem Eindruck nach im Vergleich zu den Vorgängern deutlich kleiner aus. Dies wäre allerdings noch zu verschmerzen, würde einen das Spiel nicht ständig mit Ladebildschirmen konfrontieren. Diese poppen nicht nur auf, wenn der Sim die Bezirke wechselt: Auch innerhalb der Viertel wird der Spielfluss immer wieder kurzzeitig unterbrochen. Ob der Spieler seinen Sim von der Bibliothek ins Museum wechseln oder von zuhause zu einer Cocktailparty im Nebenhaus starten lässt: Immerzu muss die neue Umgebung erst geladen werden.

Der Hintergrund von diesem Umstand ist klar: Maxis möchte unbedingt Performance-Probleme, wie es sie bei „Die Sims 3“ auf schwächeren Systemen durchaus gab, verhindern. Ein solcher Ansatz ist einerseits naheliegend, da die Marke ein sehr breites Publikum ansprechen soll, das nicht unbedingt über die neueste Hardware verfügt. Trotzdem: Der Preis, der dafür gezahlt wird, ist hoch – in unseren Augen leidet die Atmosphäre unter den ständigen Ladebildschirmen spürbar.

Emotionen als neue Triebfeder

Eine gelungenere Neuerung ist dagegen die Einführung von Emotionen. Diese erweitern die grundlegenden Bedürfnisse der Sims um gefühlsgeleitete Wünsche, sodass es nun nicht mehr nur darauf ankommt, rudimentäre Bedürfnisse wie Hunger, Schlaf, Freundschaften und Spaß zu befriedigen. Stattdessen werden die Charaktere nun zwischendurch von ihren Gefühlen getrieben, die in drei ständig wechselnden Wünschen münden, welche vom Spieler im Idealfall erfüllt werden und so die allgemeine Zufriedenheit verstärken.

Dabei eröffnen die Emotionen unter Umständen neue Bereiche, während andere leiden. So kann es beispielsweise passieren, dass ein zorniger Sim im Büro keine großen Schritte mehr macht, seinen Frust beim Sport aber bestens ablassen und hier hervorragende Ergebnisse erzielen kann. Traurige Sims werden sich dagegen wünschen, den Tag im Bett zu verbringen anstatt zur Grillparty des Nachbarn geschickt zu werden. Inspirierte Sims sollten wiederum sofort zur Leinwand oder Computer schreiten, um Meisterwerke der Kunst zu vollenden.

Durch die Einführung der Emotionen wird das Spiel deutlich dynamischer, werden die Notwendigkeiten und Möglichkeiten nennenswert erweitert. Es hat seinen Grund, dass EA gerade diese Funktion ins Zentrum seiner Marketing-Bemühungen gestellt hat: Die Emotionen überzeugen. Einziger Nachteil ist, dass die Übersicht über die vormals entscheidenden Grundbedürfnisse ausgelagert wurde. Um sie zu öffnen, Bedarf es eines extra Klicks, der dann ein eigenes Mini-Menü öffnet, das leider etwas zu viel Bildschirmfläche verdeckt. Schade.