2/3 Huawei Ascend Mate 7 im Test : Das fast rahmenlose 6-Zoll-Alu-Phablet

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Performance & Software

Als Betriebssystem setzt Huawei auf Android 4.4.2 KitKat im Zusammenspiel mit der eigenen Oberfläche EMUI (ehemals Emotion UI) in Version 3.0. Wie von Huaweis Oberfläche gewohnt, lässt sich das Betriebssystem durch eine Vielzahl optionaler Themen nach eigenem Geschmack optisch anpassen.

Neben einer Menge an Schnellzugriffen in der Benachrichtigungsleiste bietet EMUI 3.0 auch Hinweise zu dem erhöhten Stromverbrauch durch einzelne Apps oder Multitasking und die Option, die entsprechende App aus der Benachrichtigung heraus zu schließen.

Wie Apples iOS bietet Huaweis Oberfläche keinen App-Drawer als Übersicht aller Anwendungen. Stattdessen verteilen sich alle Anwendungen auf dem Homescreen und in darauf platzierten Ordnern. Auch darüber hinaus hat sich der Hersteller in der aktuellen Fassung seiner UI einiges aus Cupertino abgeschaut: Kalender, Kamera, Einrichtung des Fingerabdrucks und Ordner erinnern stark an Apples mobiles Betriebssystem. Sogar eine Geste wurde gänzlich übernommen: Mit einem Wisch nach unten auf dem Homescreen öffnet sich seit iOS 7 die Spotlight-Suche, auch auf dem Huawei Ascend Mate 7 öffnet sich eine Suchfunktion. Zudem hat Huawei bereits vorzeitig die Bedienknöpfe von Android L im Einsatz.

Unter dem Gesichtspunkt „Fläche“ versteht Huawei in der EMUI 3.0, durch eine Geste vom oberen Rand weitere Funktionen freizuschalten. Beispielsweise in der Galerie startet die Kamera, in der Telefon-, SMS- und Kontakte-App erscheint eine eigene Visitenkarte mit QR-Code. Zudem lassen sich mit einer Geste vom unteren Rand auf dem Lockscreen Schnellzugriffe einblenden. Ergänzend versteht sich der Punkt „Zeit“, der Benachrichtigungen in einem Zeitstrahl sortiert. Huawei erweitert Android aber nicht nur funktionell, sondern liefert unter anderem auch Spiele und eine Werbe-Anwendung der Spieleschmiede Gameloft mit, die sich aber problemlos deinstallieren lassen.

Im Ascend Mate 7 feiert Huaweis neuer Prozessor HiSilion Kirin 925 sein Debüt. Der in 28 Nanometer gefertigte Prozessor besteht aus insgesamt acht Kernen, welche sich durch vier Cortex-A15- und vier Cortex-A7-Kerne zusammensetzen. Diese takten mit maximal 1,8 respektive 1,3 Gigahertz. Dazu gesellt sich ein „i3-Companion-Chip“, der Daten aus Annäherungssensor, Gyroskop, Beschleunigungsmesser und Kompass sammelt. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher stehen der Version mit 16 Gigabyte internem Speicher zur Verfügung, die 32-GB-Variante kommt mit einem Gigabyte mehr.

Im Alltag läuft das Ascend Mate 7 weitgehend flüssig – Ruckler sind nicht auszumachen. Apps öffnen sich zügig und Webseiten laden schnell. Vereinzelt gönnt sich Huaweis Flaggschiff allerdings eine kleine Denkpause, so etwa wenn nach längerer Nutzung die Ansicht aller geöffneten Apps aufgerufen wird. 3D-Spiele stellen für das Ascend Mate 7 keine Herausforderung dar. Insgesamt zeigt sich das Smartphone reaktionsfreudig und schnell. Trotz der guten Leistung fühlen sich aber Gegenspieler wie das HTC One (M8) mit einem Snapdragon 801 oder Apples iPhone 5S flüssiger und performanter an.

Nach Samsung und Apple widmet sich auch Huawei mit seinem neuen Flaggschiff dem Thema Biometrie. Auf der Rückseite findet sich ein Fingerabdrucksensor. Wie bei Apple genügt es dabei, den Finger auf dem Sensor zu platzieren, um das Smartphone zu entsperren. Huawei geht sogar einen Schritt weiter und erlaubt das Entsperren aus dem Stand-by heraus, so dass das Display nicht vorher angeschaltet sein muss. Im Vergleich zu Apple und Samsung positioniert sich Huaweis Lösung in der Mitte: Durch das reine Auflegen ist der Komfort deutlich größer als bei Samsungs Modellen, bei denen der Finger über den Sensor gezogen werden muss, was altbacken wirkt.

Apples Touch ID ist Huaweis „Fingerabdruck-ID“ allerdings noch etwas voraus, da bei Touch ID der Finger zusätzlich aus verschiedenen Seitenlagen eingescannt wird, so dass die genaue Position des Fingers nicht ausschlaggebend ist. Das Ascend Mate 7 erfordert die beinahe identische Fläche wie bei der Einrichtung des Fingers. Liegt der Finger seitlich auf, wird er nicht erkannt. Dafür reagiert der Scanner des Ascend Mate 7 etwas schneller und kommt besser mit feuchten Fingern klar als das iPhone 5S.

Als Authentifizierung im Play Store kann der Sensor nicht genutzt werden, dafür allerdings zur Verschlüsselung ausgewählter, persönlicher Dateien. Überdies lässt sich dadurch auch der Zugang zu installierten Apps sperren, die anschließend per Fingerabdruck freigeschaltet werden können. Zudem kann optional die Berührung des Sensors als Auslöser für die Kamera fungieren.

Kamera

Huawei Ascend Mate 7 im Test
Huawei Ascend Mate 7 im Test

Die Auflösung der Kamera liegt bei 13 Megapixeln, bei schlechten Lichtverhältnissen soll eine LED aushelfen. Für Selfies steht eine Frontkamera mit 5 Megapixeln zur Verfügung. Die Ergebnisse überzeugen mit guter, kräftiger Farbwiedergabe und vielen Details im Bereich des Fokus. Besonders HDR-Aufnahmen zeigen gute Kontraste, wohingegen die Originalaufnahmen ohne HDR sehr ausgeblichen wirken. HDR aktivierte sich je nach Lichtverhältnis selbst, und nur in diesem Fall wirkten die Fotos ohne HDR bleich. Nahaufnahmen überzeugen ebenfalls mit hohem Detailgrad. Bei Landschaftsaufnahmen findet sich hingegen Unschärfe am Rand und leichtes Rauschen bei weiter entfernten Objekten. Für Aufnahmen bei Tag eignet sich die Kamera des Ascend Mate 7 gut, sie erreicht jedoch nicht die Qualität anderer Flaggschiffe wie etwa des Samsung Galaxy S5.

Huawei Ascend Mate 7 im Test – Kamera

Die maximale Auflösung von Videos liegt bei Full HD (1.920 × 1.080). Einige Konkurrenten bieten bereits seit geraumer Zeit 4K-Videos, so etwa Samsung mit dem Galaxy Note 3 und auch mit dem Nachfolger Galaxy Note 4, mit dem sich das Ascend Mate 7 messen möchte. Wie auch bei Fotos resultiert eine höhere Auflösung allerdings nicht zwangsläufig in höherer Qualität. Anders als in den Fotoaufnahmen wirken die Farben in Videos blasser und weniger natürlich, auch wirkt das Bild etwas verwaschen und stellenweise unscharf. Zudem muss das Smartphone wechselnde Lichtverhältnisse oft nachjustieren, was sich auch im Bild widerspiegelt.

Huawei Ascend Mate 7 im Test – Video

Konnektivität

Für ein Flaggschiff typisch fällt die Konnektivität sehr umfangreich aus. Neben WLAN a/b/g/n, Wi-Fi Direct sowie Miracast, NFC und Bluetooth 4.0 LE spendiert Huawei dem Ascend Mate 7 ein LTE-Cat.6-Modem mit einer maximalen Übertragungsrate von 300 MBit/s im Down- und 50 MBit/s im Upstream. Für Ortungsdienste setzt das Smartphone auf GPS und GLONASS. Im Netz von O2 im Ruhrgebiet kam es zu keinen Ausfällen des Empfangs oder des Datennetzes. Angerufener und Anrufer hörten sich klar, bei starken Umgebungsgeräuschen geriet die maximale Lautstärke des Ascend Mate 7 allerdings schnell an ihre Grenzen.

Laufzeiten

Die Größe des Gehäuses nutzt Huawei für die Verwendung eines großen Akkus. 4.100 mAh misst die Batterie des Ascend Mate 7 und übertrumpft dadurch sämtliche aktuellen Konkurrenten. Auch in der Praxis überzeugt die Akkulaufzeit. Bei automatischer Display-Helligkeit, stündlichem E-Mail-Abruf, rund einer halben Stunde Telefonie und permanent aktiviertem WLAN, GPS und LTE erreicht das Ascend Mate 7 rund eineinhalb Tage, bei moderater Nutzung sind auch Werte von mehr als zwei Tagen möglich.

Mit knapp sieben Stunden im Browser- und achteinhalb Stunden im Video-Dauertest reiht sich das Ascend Mate 7 in das obere Drittel des Testfeldes ein. Dabei liegt es im Video-Dauertest trotz der guten Werte teilweise mehrere Stunden hinter anderen Smartphones mit ähnlicher Bildschirmdiagonale bei kleinerer Akkukapazität, wie etwa dem Nokia Lumia 1520.

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