2/3 Samsung Galaxy S5 mini im Test : Dem Z1 Compact auf den Fersen

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Performance & Software

In kleinen Schritten löst sich Samsung von Qualcomm und verbaut auch hierzulande weniger Snapdragon– und stattdessen mehr Exynos-Prozessoren. Der Wandel ist bereits beim Tablet Galaxy Tab S zu beobachten und wird nun auch beim Galaxy S5 mini vollzogen. Auch das zur IFA 2014 anstehende Galaxy Note 4 soll mit eigenem statt fremdem Prozessor angeboten werden.

Für das Galaxy S5 mini bedeutet der Umstieg eine Verdoppelung der CPU-Kerne gegenüber dem Vorgänger S4 mini bei gleichzeitiger Reduzierung des Maximaltaktes auf 1,4 statt 1,7 GHz. Das im S5 mini verbaute Exynos-Modell 3470 ist aktuell der einzige Samsung-SoC, der ausschließlich auf Cortex-A7-CPU-Kerne setzt. Diese gelten als vergleichsweise leistungsschwach und wurden von Samsung bisher immer mit Cortex-A15-Kernen kombiniert, um leistungsstarke, aber energiesparende Acht- und Sechs-Kern-Prozessoren auf die Beine zu stellen. Da Samsung diese Prozessoren aber ausschließlich für teurere Flaggschiffe verwendet und das restliche Sortiment aus alten 32- und 45-Nanometer-Prozessoren besteht, hatte Samsung nur die Wahl zwischen Qualcomm und dem Exynos 3470.

Die falsche Wahl ist der Exynos 3470 deshalb zwar nicht, große Leistungssprünge gegenüber dem S4 mini dürfen aber nicht erwartet werden. Im Benchmark-Parcours kann sich das S5 mini leicht vor das S4 mini setzen. In Summe schneidet es auch besser ab als das HTC One mini 2 oder das LG G2 mini. Das Sony Xperia Z1 Compact ist aufgrund des deutlich stärkeren Prozessors uneinholbar.

Erfreulich ist, das Samsung wie beim S4 mini 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher verbaut. Das sind 50 Prozent mehr als bei HTC und LG, was sich bei vielen offenen Apps auch bemerkbar macht. Dem S5 mini merkt man später an, dass mehrere Anwendungen im Hintergrund laufen. Auch der Wechsel zwischen diesen Apps funktioniert weitgehend reibungslos. Ganz ohne Denkpausen kommt aber auch das S5 mini nicht aus. HTC Sense ist etwas leichtfüßiger und vor allem weniger überladen.

Auf dem S5 mini läuft Android 4.4 KitKat gepaart mit dem UI des Galaxy S5, das im Februar zum Mobile World Congress Premiere feierte. Samsung hat im Vergleich zu Software-Exzessen wie dem Galaxy S4 viele als Spielereien titulierte Funktionen von Haus aus abgeschaltet oder abgeschafft und zudem das Design konsistenter gestaltet. Wird allerdings eine Ebene tiefer gewechselt und beispielsweise das Einstellungsmenü geöffnet, werden Anwender weiterhin von 58 Untermenüs erschlagen, die teilweise auch doppelt vorkommen. Und dass auf einem aktuell über 350 Euro teuren Smartphone Werbeapps wie Zalando, HRS Hotels, Kaufda und Pizza.de installiert sind, macht die Situation nicht übersichtlicher. Solche Apps installiert fairerweise aber nicht nur Samsung.

Ein weiteres S5-Feature ist der im Home-Button verbaute Fingerabdruckscanner für das Entsperren des Smartphones oder Bezahlen mit PayPal. Anders als bei Apple und dem iPhone 5S muss der Finger nicht nur aufgelegt, sondern über die Taste gezogen werden. Weil das S5 mini kleiner ist, funktioniert dieser Vorgang nun etwas besser einhändig als noch mit dem großen Galaxy. Es ist aber weiterhin feinfühliges Balancieren des Smartphones notwendig, damit es nicht der Hand entgleitet.

Der Fingerscan kann vertikal von oben nach unten oder umgekehrt durchgeführt werden. Andere Richtungen oder grobe Abweichungen von der vertikalen Achse werden nicht akzeptiert. Das führt dazu, dass oftmals zwei oder drei Versuche für das Entsperren notwendig sind. Nach fünf Fehlversuchen muss eine Pause von 30 Sekunden eingelegt werden. Anschließend akzeptiert der Scanner wieder Eingaben. Weil der Scanner deutlich weniger zuverlässig als TouchID arbeitet, was insbesondere durch das bei Apple richtungsfreie Auflegen auf den Home-Button der Fall ist, entsteht durch das Feature keine Kombination aus Sicherheit und Komfort. TouchID ist schnell und ein guter PIN-Ersatz, während der Fingerscanner des S5 mini hastig nachgeschoben und nicht ausgereift wirkt.

Kamera

Die Kamera des Galaxy S5 mini punktet Samsung-typisch mit satten Farben, die beinahe leuchten. Auch der Detailgrad des 8-Megapixel-Sensors ist gut und erlaubt das Erkennen von Objekten im Hintergrund. Der Autofokus arbeitet zwar nicht so schnell wie auf dem Galaxy S5, das Auslösen geschieht aber auch auf dem S5 mini zufriedenstellend schnell. Rasch ausgeführten Schnappschüssen steht somit nichts im Weg, weil auch die Kamera-App zügig startet. Problem des S5 mini ist aber, dass alle Aufnahmen durchweg zu dunkel ausfallen. In schlecht ausgeleuchteten Bereichen schluckt das Smartphone Details, die trotz nicht optimaler Wetterbedingungen noch gut erkennbar waren.

Samsung Galaxy S5 mini im Test – Kamera

Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich bei Videoaufnahmen mit dem Galaxy S5 mini. Kräftige Farben treffen auf ein insgesamt etwas zu dunkles Bild. Die Bildqualität liegt dank Full-HD-Auflösung aber auf generell gutem Niveau. Weil dem S5 mini ein optischer Bildstabilisator fehlt, reagiert es empfindlicher auf Schwenks und Laufbewegungen. Die Audiospur klingt sowohl auf dem Smartphone als auch über größere Lautsprecher etwas dumpf, krasse Verzerrungen sind aber nicht rauszuhören.

Samsung Galaxy S5 mini – Videokamera

Konnektivität

Klar verständlich sind hingegen eingehende Anrufe. Der Lautsprecher für Telefonate ist laut genug und auch das Mikrofon arbeitet nach Einschätzung des Angerufenen zuverlässig. Im Berliner Netz von O2 kam es weder in der Mitte noch im Norden oder Süden der Stadt zu Ausfällen, die nicht umgebungsbedingt (U-Bahn) vorkamen. Der Bereich LTE wurde gegenüber dem Vorgänger S4 mini auf theoretisch bis zu 150 Mbit/s im Downstream aufgestockt. Zu den weiteren Funkstandards zählen wie bisher WLAN a/b/g/n, Wi-Fi Direct, Bluetooth 4.0 LE sowie A-GPS und GLONASS. Auch Fernseher, Blu-ray-Player, Set-Top-Boxen und ähnliche Geräte lassen sich dank erneut verbauter Infrarot-Schnittstelle steuern. Die Anbindung an den PC erfolgt allerdings nur bei den Flaggschiffen mit dem schnelleren Micro-USB 3.0. Die lästige USB-Klappe hat das S5 mini glücklicherweise nicht geerbt.

Laufzeiten

Obwohl der Akku um 200 mAh auf jetzt 2.100 mAh zugelegt hat, kommt das Galaxy S5 mini im Video-Dauertest nicht an die Laufzeit des S4 mini. Mit fast neuen Stunden kann sich das Smartphone aber immer noch weit vor die Konkurrenz setzen. Auch im Browser-Dauertest schafft es das S5 mini ins obere Drittel der Rangliste und schneidet somit besser ab als das One mini 2 oder G2 mini. Der Akku kann wie gewohnt bei Samsung durch einfaches Abziehen der Rückseite getauscht werden.

Typisch Samsung: Akku austauschbar, Speicher erweiterbar
Typisch Samsung: Akku austauschbar, Speicher erweiterbar

Im Alltag hält das S5 mini mit wenig Spielen anderthalb bis zwei Tage durch, je nachdem, wie intensiv das Smartphone genutzt wird. Im Test wurde morgens und abends jeweils für eine Stunde gesurft und gespielt und über den Tag verteilt hauptsächlich WhatsApp-Nachrichten und E-Mails von vier Konten abgearbeitet. Das Telefonieren beschränkte sich auf wenige Minuten pro Tag.

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