2/3 HTC Desire 510 im Test : Mittelklasse-Preis trifft auf Einsteiger-Display

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Performance & Android

Das Desire 510 verwendet als System on a Chip den vor rund zehn Monaten vorgestellten Snapdragon 410. Die Besonderheit dieses Prozessors ist die ARMv8-Architektur mit 64-Bit-Unterstützung. Qualcomm verbaut für den Prozessor nicht die eigenen Krait-CPU-Kerne, sondern setzt auf vier Cortex-A53-Kerne von ARM. Diese Prozessorserie hat ARM vor etwa zwei Jahren zusammen mit dem für teurere Smartphones konzipierten Cortex-A57 vorgestellt. Für die Grafikeinheit setzt Qualcomm aber auf eine eigene Lösung und verbaut nicht eine Mali-GPU aus dem Hause ARM. In puncto Leistung liegt die Adreno 306 aber auf dem Niveau der Adreno 305, hier wurde nur der Name für das neue SoC entsprechend angepasst. Auch allgemein fällt die SoC-Leistung nicht höher als bei einem Snapdragon 400 aus. Kleinere Vorteile könnten sich ergeben, wenn das Telefon Android L mit 64-Bit-Unterstützung erhält. Aktuell läuft auf dem Desire 510 aber noch das 32-Bit-Betriebssystem Android 4.4.4.

Homescreen / BlinkFeed / App-Drawer
Homescreen / BlinkFeed / App-Drawer

HTC setzt dabei auf die in den letzten Monaten für immer mehr HTC-Smartphones verfügbar gemachte Kombination aus aktuellem Android und Sense 6, das ursprünglich mit dem HTC One (M8) im März eingeführt wurde. Der Funktionsumfang ist auf dem Desire 510 naturgemäß etwas weniger umfangreich als auf dem Flaggschiff. Mit dabei ist aber in jedem Fall das mittlerweile zentrale Sense-Element BlinkFeed, das neben Nachrichten aus verschiedenen Quellen, die allerdings weiterhin vorgegeben sind, auch Streams aus Facebook, Twitter oder Google+ sowie der Zoe-App einblendet, sodass auf diesem Weg eine gewisse Personalisierung durchgeführt werden kann. Zu den fehlenden Features von Sense 6, die nur das One (M8) bietet, zählt etwa die Tippgeste fürs Display, um das Smartphone ohne Tastendruck zu entsperren.

Einstellungen / Benachrichtigungen / Multitasking
Einstellungen / Benachrichtigungen / Multitasking

Im Großen und Ganzen schafft es HTC aber, ein einheitliches Aussehen und einen angeglichenen Funktionsumfang auf allen Smartphones zu bieten. HTC hat mit dem One (M8) und der Erstverfügbarkeit von Sense 6 eine Designsprache etabliert, die auch heute noch gefällt. Dadurch, dass HTC in den letzten Monaten dazu übergegangen ist, frühere System-Apps auszulagern und auf Google Play sogar für Smartphones anzubieten, die nicht aus eigenem Haus stammen, können nun auch die kleineren Modelle relativ zeitnah mit App-Updates versorgt werden, die früher Teil eines Firmware-Updates gewesen wären, das nach bisheriger Erfahrung die Flaggschiffe als Erstes erhalten. HTC geht damit einen ähnlichen Weg wie Google, der mittlerweile ebenfalls über in den Play Store ausgelagerte Dienste viele Geräte etwas aktueller hält, obwohl die Android-Version selbst nicht auf dem neuesten Stand ist.

Kamera

Im Bereich Kamera hat HTC Sparmaßnahmen angesetzt, was sich darin äußert, dass unter anderem der noch beim Desire 610 verbaute LED-Blitz weggefallen ist. Doch auch am Sensor selbst hat HTC Hand angelegt: Dessen Maximalauflösung liegt nun nur noch bei 5, statt bisher 8 Megapixeln. Der Videomodus bleibt hingegen unangetastet und erlaubt weiterhin Aufnahmen mit bis zu 1.920 × 1.080 Pixeln. Dass 5 Megapixel für den einen oder anderen Schnappschuss ausreichend sind, beweist die Darstellung auf dem Smartphone-Display. Sobald die Bilder aber auf einem größeren Display betrachtet werden, fallen sie negativ durch ausgefranste Kanten und vermatschte Flächen auf. Besonders bei Wiesen und Baumkronen fällt auf, dass beinahe alle Details verloren gehen. Setzt die Dämmerung ein, sackt die ohnehin nur ausreichende Bildqualität noch weiter ab. Scharfe Fotos sind unter diesen Bedingungen nicht länger realisierbar, das Rauschen nimmt ein extremes Maß an.

HTC Desire 510 im Test – Kamera

Konnektivität

Neben dem 64-Bit-Prozessor bewirbt HTC das Desire 510 insbesondere mit der Unterstützung für LTE-Netzwerke. In der Preisklasse des Smartphones ist das im Vergleich zum neuen Moto G ein klarer Vorteil, weil zwar auch der Download von großen Dateien weniger Zeit in Anspruch nimmt, aber vor allem die Latenzen verringert werden. Dies ist auch dann noch der Fall, wenn der Provider die LTE-Geschwindigkeit in einem günstigen Vertrag auf 16 Mbit/s reduziert. Auf dem Desire 510 ist theoretisch bis zu 150 Mbit/s schnelles LTE möglich, der Upload beträgt maximal 50 Mbit/s.

Gegenüber dem neuen Moto G mag dies von Vorteil sein, ein herausragendes Feature ist LTE aber selbst in der 200-Euro-Klasse nicht mehr. Dies bietet auch das Huawei Ascend Y550, Nokia Lumia 635 oder LG G2 Mini, die noch dazu allesamt günstiger sind.

Für den Test wurde das Desire 510 im Berliner Netz von O2 eingesetzt. Die Empfangsqualität ist in Berlin naturgemäß besser als auf dem Land, weshalb es auch nicht zu Gesprächsabbrüchen oder Aussetzern im Test kam. Aus dem Funkloch U-Bahn schafft es aber auch das Desire 510 nicht, eine Datenverbindung aufzubauen. Das Telefonieren im Untergrund ist indes noch eingeschränkt möglich. Die Qualität des Lautsprechers ist okay, weder weltbewegend gut noch schlecht. Die gut klingenden BoomSound-Lautsprecher haben es nicht in das Smartphone geschafft.

Laufzeiten

In den Akkutests kann das Desire 510 auftrumpfen. Der Akku ist mit einer Nennladung von 2.100 mAh zwar nicht größer als der des Moto G, das kleinere und deutlich niedriger auflösende Display macht sich in den Benchmarks aber deutlich bemerkbar. Im Video-Dauertest mit kalibrierter Helligkeit hält das Smartphone satte zweieinhalb Stunden länger durch, als das Moto G. Selbst einige Flaggschiffe kann HTC mit der gebotenen Leistung hinter sich lassen. Im Browser-Dauertest schrumpft die Differenz auf einen Vorteil von nur noch rund 20 Minuten, das gesamte Feld rückt hier etwas näher zusammen. Mit einer Laufzeit von knapp sieben Stunden weiß das Desire 510 aber auch in dieser Disziplin zu überzeugen.

HTC Desire 510 im Test
HTC Desire 510 im Test
HTC Desire 510 im Test
HTC Desire 510 im Test

Und im Alltag? Hier hängt die Laufzeit naturgemäß stark von der persönlichen Nutzungsweise ab. Im Test wurden drei E-Mail-Konten stündlich beziehungsweise per Push aktualisiert, über den Tag verteilt zahlreiche Websites aufgerufen und WhatsApp-Nachrichten verschickt sowie Twitter und Facebook vergleichsweise intensiv genutzt. Ohne Spiele zeigte sich das Desire 510 im Test als Anderthalb-Tage-Smartphone mit Potential nach oben, wenn es weniger stark beansprucht wird. Während des Tests wurde das Desire 510 zur Sicherheit jeden Abend geladen, um den zweiten Tag sicher zu überstehen. Weniger intensive Nutzer können mit Zurückhaltung aber auch zwei Tage meistern.

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