Breitbandausbau : Spieleindustrie fordert 200 Mbit/s bis 2017

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Breitbandausbau: Spieleindustrie fordert 200 Mbit/s bis 2017
Bild: kabeldeutschland.de

Um die deutsche Spieleindustrie zu unterstützen, müsse die Bundesregierung den Breitbandausbau vorantreiben und die Netzneutralität rechtlich verankern. Das fordert der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) anlässlich des nationalen IT-Gipfels in einem offenen Brief.

Die Bundesregierung müsse das Potential der Computer- und Videospielbranche nutzen, wenn sich Deutschland – wie in der digitalen Agenda als Ziel formuliert – zu einem weltweit führenden IT-Standort entwickeln soll, so der BIU. Der Verband fordert, dass „Internetanschlüssen mit Geschwindigkeiten von flächendeckend 50 und weitgehend 200 Mbit/s“ bereits bis zum Jahr 2017 verfügbar sind. Zudem „bedarf es einer Festschreibung der Netzneutralität“, um „die Innovationskraft des Internets nicht zu blockieren und die Vielfalt digitaler Geschäftsmodelle zu bewahren“.

Dass für den Anwendungsfall Spiele künftig schnellere Internetzugänge erforderlich sind, verdeutlicht der aktuelle Marktwandel. So zeigt eine Studie des BIU, dass in der ersten Jahreshälfte 2014 bereits 38 Prozent der Spiele für PC sowie stationäre und mobile Konsolen heruntergeladen wurde. Im Jahr 2013 lag der Anteil der Download-Käufe noch bei 19 Prozent. „Der Kauf per Download hat sich in Rekordzeit zur breit genutzten Alternative zu physischen Datenträgern entwickelt“, sagte BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk.

Nicht nur bei den Verkaufszahlen, sondern auch bei den Umsätzen gewinnt der Download-Vertrieb an Bedeutung: Dieser stieg im ersten Halbjahr 2014 auf 23 Prozent, im Vorjahreszeitraum waren es noch rund zwölf Prozent. Nach Ansicht von Schenk werde der Download-Trend in den kommenden Jahren weiter zunehmen und „eine Schlüsselrolle bei der künftigen Entwicklung der gesamten Computer- und Videospielindustrie einnehmen“.

Schnelles Internet für Spiele-Portale

Benötigt werden schnelle Internetanschlüsse auch für die zahlreichen Online-Plattformen wie etwa Steam und Origin sowie die Konsolen-Netzwerke von Microsoft und Sony. Diese bieten in den Download-Portalen sowohl aktuelle Blockbuster und Indie-Titel als auch einen dauerhaften Zugriff auf ältere Titel, die im Handel bereits vergriffen sind. Für die Blockbuster werden zudem Zusatzinhalte als Download angeboten und der Umfang von Patches nimmt ebenfalls zu. Jüngstes Beispiel ist die „Halo: The Master Chief Collection“, die mit einem 20 GB großen Day-One-Patch veröffentlicht wird.

Hohe Bandbreiten reichen bei künftigen Spiele-Services allerdings nicht aus. Vor allem beim Streamen von Spielen sind neben hohen Übertragungsraten auch niedrige Latenzen erforderlich. Laut BIU stecken die Streaming-Angebote noch in der Pilotphase, allerdings verspreche sich die Industrie viel von der entsprechenden Technik. „Innovationen wie das Streamen von Spielen unterstreichen die Bedeutung von schnellen Breitband-Verbindungen für die Entwicklung der Medien- und Kreativbranchen in Deutschland“, so BIU-Geschäftsführer Schenk. Daher bestehe ohne einen zügigen Breitbandausbau die Gefahr, dass „Deutschland bei Innovationen künftig abgehängt wird“.

Aktuell bietet nur die Telekom 200 Mbit/s über Glasfaser an. Vodafone und Kabel Deutschland haben 200 Mbit/s für ausgewählte Städte ab November 2014 angekündigt.