Markttag : Sind TV-Karten für den PC noch relevant?

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Markttag: Sind TV-Karten für den PC noch relevant?
Bild: Technisat

Samstag ist Markttag. ComputerBase wirft einen Blick auf wesentliche Entwicklungen auf dem Markt für IT und Consumer Electronics – kurz wie langfristig. Diesmal stehen TV-Karten im Fokus und ebenso die Frage, inwieweit sie noch von Relevanz sind oder in Richtung Obsoleszenz abtreiben.

Bevor in die Marktbetrachtung eingestiegen wird, soll kurz der technische Rahmen abgesteckt werden. TV-Tuner für PCs gibt es in zwei klassischen Erscheinungsformen: als interne Steckkarte oder als externe Anschlusslösung. Interne Steckkartenlösungen setzen vorwiegend auf PCIe-×1 und PCI, mit merklichem Abstand folgen Mini-PCIe und ExpressCard. Bei externen Anschlüssen existiert de facto nur USB 2.0, auf FireWire oder USB 1.1 basierende Lösungen sind zahlenmäßig bedeutungslos. Unterstützte Standards sind DVB-T, DVB-S und DVB-C, zuweilen auch miteinander kombiniert. Manche Geräte bieten auch mehrere Tuner auf einmal – zwei oder gar vier – um so das gleichzeitige Ansehen und Aufnehmen von mehreren Sendungen zu ermöglichen. Eine Fernbedienung wird von den Herstellern in aller Regel mitgeliefert.

Ab fünf Euro exklusive Versandkosten kann man bereits rudimentäre Lösungen erwerben. Ein Großteil der Produkte – insgesamt 278 – bewegt sich im Preisbereich zwischen 10 und 80 Euro. Produkte in darüber liegenden Preisklassen sind in der Regel zwar von namhaften Herstellern und weisen eine größere Funktionsvielfalt auf. Wichtige Funktionen wie Twin-Tuner oder die Unterstützung der um neue Fähigkeiten angereicherten Standards DVB-S2 und -T2 sind jedoch bereits ab 30 bis 40 Euro erhältlich. Erst wenn es um Features wie Hardware-Encoding oder Quad-Tuner geht, muss man 80 respektive 175 Euro aufwärts bezahlen.

Nachdem TV-Tuner für den PC anfangs nur mit vergleichsweise leistungsfähigen Computern nutzbar waren, senkte die Rundfunk-Digitalisierung den Rechenaufwand für Aufnahmen und legte den Grundstein für eine weitere Verbreitung. Darüber hinaus waren zeitweise kostenpflichtige Pay-TV-Angebote über eine TV-Karte und passende Software am PC entschlüsselbar, was den Absatz einzelner Modelle förderte. Nach und nach stellte sich aber eine merkliche Erhöhung der verfügbaren Internetbandbreiten ein – vor allem in gut versorgten Ballungsräumen. So kamen TV-Streaming-Angebote auf, die lediglich eine entsprechende Internetanbindung voraussetzten. Zudem sind solche Dienste durch ihre Bibliotheken und Archive in der Lage verpasste Sendungen anzubieten – etwas, was ein TV-Tuner naturgemäß nicht kann. Dieser Umstand – wie auch die generell krisenbedingte Marktlage – führte zu globalen Verkaufsrückgängen bei PC-TV-Tunern. Dies hat sich allerdings gewendet, neben der Digitalisierung des Rundfunkes in Europa und den USA wirkte vor allem der Trend zu Notebooks und Ultrabooks stabilisierend.

Technologisch stagniert diese Produkt-Nische derzeit jedoch. Alle wesentlichen Umstellungen sind bereits in den letzten Jahren erfolgt. Die Zahl der jährlichen Neuvorstellungen seit 2010 liegt bei etwa 35 Stück. Dabei fällt der stark abnehmende Anteil an internen Steckkarten auf. Die Hersteller setzen vermehrt auf externe USB-Lösungen, was sich durch oben erwähnten Trend zu mobilen Computern erklärt.

TV-Karten für Computer bleiben somit weiterhin ein Nischenprodukt, sind allerdings noch nicht vollständig vom Markt verschwunden. Aufgrund des mangelhaften Internetausbaus in vielen ländlichen Gebieten ist mittelfristig auch nicht mit einer völligen Verdrängung durch internetgestützte Angebote zu rechnen.

Bei einem Blick auf die globale Top-10 des Preisvergleichs in dieser Woche fällt einerseits ein merklich gestiegenes Nutzerinteresse an der GeForce GTX 970 von Zotac auf. Andererseits ist mit der Lichtfeldkamera Lytro ein sehr ungewöhnlicher Neueinstieg zu vermelden. Die Kamera ist in der Lage, bei aufgenommenen Bildern nachträglich den Fokus zu verändern, was durch eine spezielle Linse vor dem Lichtsensor sowie einiger Rechenleistung erreicht wird.

Leserhinweise auf interessante Entwicklungen im Preisvergleich nimmt die Redaktion gerne unter markttag~~computerbase.de entgegen.