2/3 Withings Activité Pop im Test : Fitness-Tracker ganz ohne Display und Aufladezwang

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Activité Pop im Alltag

Konfiguration

Die Inbetriebnahme der Uhr geht einfach vonstatten und wird mittels der firmeneigenen App „Withings“ realisiert. Doch zeigt sich bereits beim ersten Schritt der Konfiguration ein gravierender Mangel. Bei der erstmaligen Verbindung zwischen Uhr und zu koppelndem Endgerät muss der sich auf der Rückseite befindende Reset-Knopf mit Hilfe des im Lieferumfang inkludierten Werkzeuges gedrückt werden. Nach mehrmaligen Versuchen, stellt sich heraus, dass die dafür vorgesehene Spitze zu kurz ist und den Taster nicht tief genug auf den innen liegenden Kontakt drückt.

Withings Activité Pop – Montagewerkzeug
Withings Activité Pop – Montagewerkzeug

Um den Reset-Knopf dennoch zu betätigen bleibt folglich nur der Umweg, die Rückseite der Uhr zu öffnen. Auch hier muss das Montagewerkzeug zur Hand genommen werden. Nach dem Aufhebeln der Rückseite zeigt sich das Batteriefach, sodass auch die besagte Knopfzellenbatterie ohne Uhrmacher selbst gewechselt werden kann. In einer Aussparung befindet sich der für den Reset verantwortliche Kontakt, der in dem Test mit Hilfe eines Kugelschreibers betätigt wurde. Dies vollzogen vibriert die Uhr und kann weiter konfiguriert werden.

Withings Activité Pop – Montagewerkzeug
Withings Activité Pop – Montagewerkzeug
Withings Activité Pop – Reset-Pin ist zu kurz (innen)
Withings Activité Pop – Reset-Pin ist zu kurz (innen)
Withings Activité Pop – Reset-Knopf (innen)
Withings Activité Pop – Reset-Knopf (innen)

Anschließend werden die drei Zeiger der Uhr kalibriert. Da die Uhr über keine Krone verfügt, wird dies über Wischgesten in der App realisiert.

Withings Activité Pop – Konfiguration
Withings Activité Pop – Konfiguration

Funktionsumfang & App

Withings stattet die Activité Pop lediglich mit einem Schrittzähler sowie einem Beschleunigungsmesser aus. Die so gesammelten Daten werden an die App, als zentraler Knotenpunkt, weitergeleitet. Hierbei besteht keine permanente Bluetooth-Verbindung. Die Synchronisation erfolgt somit nicht in Echtzeit. Erst beim Öffnen der App werden die Daten abgeglichen. Die Verbindungszeiten belaufen sich im Test auf etwa neun bis zehn Sekunden. Die Synchronisation nimmt je nach Umfang der gesammelten Daten seit Zeitpunkt des letzten Abgleichs mehrere Sekunden in Anspruch. Sämtliche Messungen werden nach einem Vier-Säulen-Prinzip, bestehend aus Gewicht, Aktivität, Schlaf und Herz kategorisiert.

Der Faktor Gewicht dient nur der Überwachung – durch Bestimmen eines Zielgewichts wird der Träger zudem animiert. Die Eingabe des Gewichts erfolgt dabei manuell, sodass man hierfür in regelmäßigen Abständen sein Gewicht kontrollieren sollte. Alternativ kann mit Hilfe des Withings Smart Body Analyzer das Gewicht synchronisiert werden.

Als Activity Tracker kann die Withings Activité Pop unterschiedliche Bewegungsarten analysieren und erkennt so, ob gegangen, gelaufen oder geschwommen wird. Als voreingestelltes Ziel, das jedoch auch angepasst werden kann, heißt es 10.000 Bewegungseinheiten zu absolvieren. Auf dem Weg ans Ziel wird der Träger durch Erfolge angespornt oder kann sich mit Freunden in Ranglisten messen. Eine detaillierte Übersicht in Form eines täglichen Zeitstrahls gibt dem Träger einen Einblick zu welcher Tageszeit er aktiv wurde und in welcher Intensität dies geschah. Je dunkler dabei ein Balken im Diagramm ausfällt, desto intensiver war das Training. Darüber hinaus sind die verbrannten Kalorien sowie die zurückgelegte Strecke ersichtlich. Ermittelte Werte können Drittanbieter-Applikationen wie etwa RunKeeper zur Verfügung gestellt werden.

Withings App – Aktivität im Detail
Withings App – Aktivität im Detail
Withings App – Erfolge
Withings App – Erfolge
Withings App – Schlafanalyse
Withings App – Schlafanalyse

Die Messgenauigkeit der Schritte, die sich im Test aus Joggen und kurzen Geheinlagen sowie Treppensteigen zusammensetzen, ist als durchschnittlich zu bezeichnen. Von gezählten 1.000 Schritten realisiert die Activité Pop 876. Ähnlich wie bei dem Runtastic Orbit zeigt sich so ein verhaltenes Bild, das vom Nike FuelBand SE und einer Genauigkeit von 957 Schritten übertroffen wird. Dennoch reiht sich die Pop in Mitten beider Konkurrenten ein. Die Activité Pop hat zudem auch mit Schwierigkeiten bei der Erkennung von Bewegungen zu kämpfen. Das dem gesamten Segment anhaftende Problem ist hausgemacht – den Bewegungssensor auslösende Gestiken des Handgelenkes werden als Schritte wahrgenommen. So kommt es vor, dass nach einer kurzen Autofahrt oder anderen alltäglichen Handlungen, dutzende Schritte gemessenen werden.

Withings Activité Pop Runtastic Orbit Nike FuelBand SE
Firmware 570 2.35 2.45 A0.46.2281a
Gelaufene Schritte 1.000
Gemessene Schritte 876 627 738 957

Auch die Schlafanalyse gestaltet sich äußerst übersichtlich. Gegliedert in die drei Phasen, wach, Tief- und Leichtschlaf, empfiehlt Withings für einen gesunden Lebensstil eine täglich Ruhezeit von acht Stunden. Die Analyse beruht auf Daten des Bewegungssensors der Uhr. Doch bedeutet ein Bewegen des Arms, wie etwa beim Umdrehen im Schlaf, nicht gleich, dass dies als Beginn einer Leichtschlafphase zu werten ist. Ebenso suggeriert ein Stillliegen nicht zwingend eine Tiefschlafphase. Wie Withings gegenüber ComputerBase verrät, werden die Bewegungsdaten indes über einen, im Schlaflabor erprobten Algorithmus ausgewertet. Genaue Details werden jedoch nicht verraten.

Die 3-Phasen-Analyse gibt sich im Test souverän. Wenige Minuten nach zu Bett gehen realisiert die Withings Activité Pop das Einschlafen. Auch der Aufwachzeitpunkt wird korrekt bestimmt.

Wie überwacht ein Wearable, welches über keinen entsprechenden Sensor verfügt, die Herzfrequenz? Gar nicht – Withings misst die Herzfrequenz über die App und macht sich die Kamera sowie das Blitzlicht des gekoppelten Smartphones zu Nutze, auf die der Nutzer einen Finger auflegen muss. So ungewöhnlich die Messvariante, so erstaunlicher das Ergebnis. Das ermittelte Resultat kommt einer professionellen Messungen mittels Brustgurt (Polar H7) und einer Abweichung von lediglich wenigen Herzschlägen äußerst nahe. Smartwatches, wie die Motorola Moto 360 und LG G Watch R, die diese Funktion im Uhrengehäuse implementiert haben, versagten hier und gaben bei mehreren Messungen teils enorm abweichende Werte aus. Ob die Messmethode von Withings mit Unterstützung durch die App Ende Februar mit allen Android-Smartphones funktionieren wird oder es baulich begründete Kompatibilitätseinschränkungen geben wird, ist derzeit nicht bekannt.

Withings App – Herzfrequenzanalyse dank Kamera und Blitzlicht
Withings App – Herzfrequenzanalyse dank Kamera und Blitzlicht

Als kleines Highlight gibt sich die Wecker-Funktion. Die reine Funktion gestaltet sich zwar weniger spektakulär, wird zur angegebenen Weckzeit doch nur eine Vibration ausgegeben. Interessant gestaltet sich aber die Möglichkeit, dass die eingestellte Weckzeit beim doppelten Antippen des Uhrenglases angezeigt wird. Nach kurzer Anzeige bewegen sich die Zeiger zurück in ihre ursprünglich Position und geben die aktuelle Uhrzeit aus. Bei einem Zeitzonenwechseln ist zudem kein Stellen der Uhr erforderlicher, da die Uhrzeit automatisch mit dem Smartphone synchronisiert wird.

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