2/4 LG G Flex 2 im Test : Die Kurve bekommen

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Performance

Das LG G Flex 2 war zur Vorstellung auf der CES im Januar das erste und einzige Smartphone mit Qualcomm Snapdragon 810. Zum MWC in Spanien folgten unter anderem das HTC One M9 und das Sony Xperia Z4 Tablet. Das System-on-a-Chip setzt sich aus jeweils vier Cortex-A53- und A57-CPU-Kernen und Adreno-430-GPU zusammen. Die Taktraten liegen bei maximal 1,6 und 2,0 GHz, die GPU wird im G Flex 2 mit maximal 600 MHz betrieben. Die Fertigung findet bei TSMC in 20 nm statt.

Exynos 7420 Snapdragon 810 Tegra K1 Tegra K1 Denver Apple A8
Fertigung 14 nm FinFET 20 nm HPM 28 nm HPM 20 nm HKMG
CPU ARM Cortex-A57
4 Kerne
bis zu 2,1 GHz
+
ARM Cortex-A53
4 Kerne
bis zu 1,5 GHz
ARM Cortex-A57
4 Kerne
bis zu 2,0 GHz
+
ARM Cortex-A53
4 Kerne
bis zu 1,6 GHz
ARM Cortex-A15
4 Kerne
bis zu 2,3 GHz
Denver
2 Kerne
bis zu 2,5 GHz
Cyclone 2
2 Kerne
bis zu 1,4 GHz
Befehlssatz ARMv8-A 64-Bit ARMv7-A 32-Bit ARMv8-A 64-Bit
GPU Mali-T760 MP8
bis zu 772 MHz
Adreno 430
bis zu 600 MHz
GK20A Kepler
bis zu 852 MHz
PowerVR GX6450
bis zu 450 MHz
RAM LPDDR4
Dual Channel
1.600 MHz
25,6 GB/s
LPDDR3
?
?
17,0 GB/s
LPDDR3
?
?
?
LPDDR3
Single Channel
1.600 MHz
12,8 GB/s

Ausführliche Erfahrungen mit dem Snapdragon 810 konnten im Test des HTC One M9 gewonnen werden. Besonders die angeblich hohen Temperaturen des Chips sorgten im Vorfeld für Spekulationen. Während der Beobachtung des Temperaturverlaufs mehrerer aktueller Smartphones stellte sich heraus, dass das One M9 trotz aktualisierter Software in kürzerer Zeit als andere Smartphones Temperaturen der Rückseite um 42 Grad erreichte und anfing den Takt zu reduzieren. Das G Flex 2 erreicht zwar ebenfalls früher als andere Chips den Throttling-Bereich, es schneidet aber besser ab als das M9.

Temperaturverlauf GFXBench Akku-Test (Dauerschleife T-Rex) in Grad Celsius
Smartphone SoC Nach X Minuten
0 2 4 8 10 15 20 25 30
LG G Flex 2 Snapdragon 810 26 30 32 37 38 40 41 42 42
HTC One M9 (1.32.401.6) 26 31 34 39 42 46 50 53 56
HTC One M9 (1.32.401.214) 26 34 37 40 41 42 41 41 41
LG G3 Snapdragon 805 26 29 31 33 34 36 37 38 39
HTC One (M8) Snapdragon 801 26 29 31 34 35 37 38 39 40
Google Nexus 5 Snapdragon 800 26 31 32 35 35 38 39 40 41
Motorola Moto G (2014) Snapdragon 400 26 27 28 29 30 31 32 32 33
Apple iPhone 6 Apple A8 26 30 32 34 35 36 38 39 40
Apple iPhone 6 Plus 26 30 32 34 36 37 39 40 41
Huawei Ascend P7 Kirin 910T 26 32 34 37 38 39 41 42 43
Huawei Ascend Mate 7 Kirin 925 26 30 32 34 36 38 39 40 41
Asus Fonepad Note 6 Atom Z2560 26 29 30 33 34 35 35 36 36
Raumtemperatur 23 °C – Oberes Drittel der Rückseite gemessen mit UT301C IR-Thermometer

Während im Test des One M9 nur der Temperaturverlauf des G Flex 2 beobachtet wurde, ist Teil dieses Artikels auch der Taktverlauf der GPU. Und in dieser Disziplin schneidet das G Flex 2 trotz gleichem SoC besser ab als das One M9. Es mag am kurzfristig von HTC nachgeschobenen Update für das One M9 liegen, das Temperaturexzesse jenseits der 55 Grad und darauf folgende Abstürze verhindert, aber die Taktstufen der Adreno-430-GPU im G Flex 2 sind merklich weiter gespreizt.

Auch unter dauerhafter Volllast sinkt der Takt nicht unter 390 MHz
Auch unter dauerhafter Volllast sinkt der Takt nicht unter 390 MHz

Während das One M9 unter extremer Dauerbelastung durch den Akku-Test des GFXBench nach zehn bis fünfzehn Minuten anfängt, beim Takt zwischen 600 und 390 MHz zu wechseln, um das Temperaturlimit zu halten, taktet LG den Chip zunächst von 600 auf 510 MHz runter. Sobald das One M9 auch die 390 MHz nicht mehr halten kann, findet ein Wechsel auf 305 MHz statt, die Richtung Ende des Tests die meiste Zeit über anliegen. Anders das G Flex 2: Auf 510 MHz folgt zunächst eine Abstufung auf 450 MHz und anschließend zum Ende des halbstündigen Tests auf 390 MHz. Die 305 MHz der GPU des One M9 erreicht das G Flex 2 nicht – auch nicht in einem zweiten Durchlauf des Tests. Dafür hat die höhere Temperatur andere Auswirkungen auf das Gerät: Die Display-Helligkeit kann laut einer Meldung in den Schnelleinstellungen nicht auf über 70 Prozent eingestellt werden, bis das Smartphone wieder abgekühlt ist.

Die Benchmark-Leistung des G Flex 2 fällt erwartungsgemäß sehr hoch aus. Das Smartphone setzt sich in vielen Anwendungen an die Spitze des Testfeldes und schneidet durchweg sehr gut ab. Es ist in allen Benchmarks eklatant schneller als der Vorgänger mit Snapdragon 800. Vor allem in den Browser-Benchmarks liegt G Flex 2 auf Niveau der Besten wie Apple iPhone 6 (Plus) und Samsung Galaxy Note 4. Allerdings setzt LG mit dem eigenen Browser, der sich mit dem Namen „Internet“ im App-Menü meldet, in der Basis auf die veraltete Chrome-Version 34. Google selbst ist bei Chrome für Android bereits bei Version 41 und 42 (Beta) angekommen.

Betriebssystem

All die theoretische Rechenleistung hilft dem Anwender allerdings nur wenig, wenn sie im Alltag nicht spürbar ist. Innerhalb von Anwendungen wie Spielen stimmt die Leistung zwar durch die Bank, von Zeit zu Zeit leistet sich das G Flex 2 aber unvorhersehbare Denkpausen oder muss die Benutzeroberfläche neu laden. Das erinnert an frühe Versionen von Samsung TouchWiz, die es schaffte, selbst bei High-End-Smartphones die wahrgenommene Leistung zu reduzieren. Ähnlich verhält es sich auch bei der aktuellen LG-Oberfläche, wenn auch nicht ganz so dramatisch.

Die Benutzeroberfläche des G Flex 2 ist flach, aber nicht schnell
Die Benutzeroberfläche des G Flex 2 ist flach, aber nicht schnell

Obwohl LG das UI über die letzten Jahre überarbeitet hat und seit der Vorstellung des G3 auf ein flaches Aussehen setzt, das deutlich seriöser und ansehnlicher daherkommt, zählt die Benutzeroberfläche weiterhin nicht zu den schnellsten – dieses Prädikat ist eher bei HTC Sense zu finden.

Der Funktionsumfang des G Flex 2 entspricht weitestgehend der des G3 nach der Aktualisierung auf Android Lollipop. Die Basis bildet bei LG derzeit Android-Version 5.0.1, noch nicht das ganz neue 5.0.2 oder 5.1.

Für das G Flex 2 ist eine neue Vorschaufunktion für den Sperrbildschirm hinzugekommen. Während das sogenannte Knock Code durch eine Tippfolge auf das ausgeschaltete Display das Gerät entsperrt und Knock On durch Doppeltipp auf den Bildschirm den kompletten Sperrbildschirm anzeigt, ermöglicht die Vorschaufunktionen einen kurzen Blick auf Uhrzeit, Datum, Akkustand und verpasste Nachrichten sowie Anrufe. Hierfür muss auf dem ausgeschalteten Display von oben nach unten gewischt werden, woraufhin die Statusleiste und eine Kombination aus Datum und Uhrzeit sichtbar wird. Die Wischgeste wird am besten in den oberen zwei Drittel des Bildschirms erkannt. Verlässt der Finger das Display, schaltet sich dieses sofort wieder ab.

Neue Vorschau-Funktion für den Sperrbildschirm
Neue Vorschau-Funktion für den Sperrbildschirm

Während HTC beim One M9 erstmals eine anpassbare Android-Navigationsleiste bietet, gehört dies bei LG schon seit längerer Zeit zu den veränderten Android-Optionen. Bei LG können sogar fünf Symbole in der Leiste untergebracht werden. Neben den Standard-Tasten für Zurück, Home, und Multitasking sind das Benachtichtigungen, QuickMemo+ für Notizen, QSlide für Apps im Fenstermodus und Dual Windows für die geteilte Nutzung von zwei Apps gleichzeitig. Die Standard-Tasten lassen sich jedoch aus offensichtlichen Gründen nicht entfernen, sodass von den Zusatzfunktionen maximal zwei Platz in der Leiste finden.

Bis zu fünf Verknüpfungen sind in der Navigationsleiste möglich
Bis zu fünf Verknüpfungen sind in der Navigationsleiste möglich

Weil im Vergleich zum G3 nur wenige Veränderungen in das UI des G Flex 2 eingeflossen sind, wären stattdessen Optimierungen für eine allgemein höhere Geschwindigkeit während der Benutzung des Betriebssystems wünschenswert gewesen. Innerhalb von Anwendungen und Spielen treten die Symptome so gut wie gar nicht auf, wird aber viel zwischen verschiedenen Ebenen des Betriebssystems gewechselt, ist das Verhalten auffälliger. An diesen Stellen muss LG per Update und für anstehende Smartphones wie das G4 noch nachbessern.

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