Markttag : 3D-Drucker für Privatanwender bleiben teure Nische

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Markttag: 3D-Drucker für Privatanwender bleiben teure Nische
Bild: MakerBot

Samstag ist Markttag. ComputerBase wirft einen Blick auf wesentliche Entwicklungen auf dem Markt für IT und Consumer Electronics – kurz- wie auch langfristig. An diesem Markttag gibt die Redaktion einen Überblick über das derzeit noch spärliche Angebot an 3D-Druckern und geht auf technische Unterschiede und ihren Preis ein.

Erschwingliche 3D-Drucker für den Hausgebrauch waren eines der herausragenden Themen der IT-Industrie in den Jahren 2012 und 2013. Immer mehr Menschen kamen bei Preisen unter 1.000 Euro auf den Geschmack, einfach einmal auszuprobieren, was mit den Geräten möglich ist. Selbst Dell nahm 3D-Drucker vom Marktführer MakerBot in das Sortiment auf. Druckanleitungen für Schusswaffen aus Kunststoff brachten die Technologie auch auf die politische Agenda. In den letzten zwei Jahren haben Drohnen für Heimanwender den 3D-Drucker gefühlt als Trendsetter abgelöst. Doch wo steht die Technik heute?

Die auf einer Erfindung aus dem Jahre 1983 basierenden 3D-Drucker waren ursprünglich in der Fertigungsindustrie beheimatet. Sie wurden und werden verwendet, um unter Einsparung zeitintensiver und kostspieliger Handarbeit schnell Modelle eines Konzeptes oder gar erste Prototypen zu erstellen (Rapid Prototyping). Vereinzelt werden auch fertige Produkte in niedriger Stückzahl derart hergestellt, unter anderem im Rüstungssektor. Während das Verfahren an sich sowohl mit Metall, Keramik, Kunstharz als auch mit Kunststoff funktioniert, beschränken sich für den Hausgebrauch bestimmte 3D-Drucker vorrangig auf Kunststoffe. Modelle zur Verwendung von PLA, ABS, Nylon und PVA finden sich im Preisvergleich wieder. Mehrere Modelle beherrschen die Verwendung verschiedener Kunststoffsorten.

Der Replicator Mini von MakerBot
Der Replicator Mini von MakerBot (Bild: MakerBot)

Die Drucker werden über die STL-Schnittstelle mit der CAD-Datei versorgt, nach deren Maßgabe das Werkstück anfertigt wird. Neben dem Entwurf eigener Werkstücke oder dem Ausdrucken von eigenständigen Anleitungen bieten sich Inhabern von 3D-Druckern die Möglichkeit zur Anfertigung von Komponenten für komplexere Systeme. Für den Einplatinencomputer Raspberry Pi finden sich besonders viele Vorlagen online, mit denen dem kleinen PC das passende Gehäuse erschaffen werden kann. Auch Firmen haben in der Vergangenheit wiederholt versucht, die praktischen Vorteile und das hippe Image der Drucker für sich zu nutzen. So lassen sich Teile von PC-Gehäusen oder Smartphone-Hüllen auf Basis offizieller CAD-Dateien individuell anfertigen – immer vorausgesetzt, der Drucker unterstützt die Dimensionen des Werkstücks.

Knapp zwei Jahre nach dem medialen Höhepunkt kennt der Preisvergleich in Deutschland 49 Angebote. Die drei günstigsten notieren zwischen 449 und 499 Euro. Sollen gedruckte Werkstücke größer ausfallen oder verschiedene Kunststoffe „verdruckt“ werden können, landet man jedoch zügig in Bereichen jenseits der 700 Euro. Knapp zwei Drittel der Angebote kostet überhaupt 1.000 Euro oder mehr. Deutlich günstiger sind 3D-Drucker-Stifte zu haben, mit den Fähigkeiten echter 3D-Drucker hat diese Geräteklasse aber wenig gemein.

Beim Blick auf die Eigenschaftslisten fällt auf, dass bei einer erklecklichen Anzahl von Angeboten relevante Informationen fehlen. Das fängt bei der maximalen Druckgeschwindigkeit an, bei der Hersteller von 27 Modellen – und damit mehr als die Hälfte – keine Angaben dazu machen, wie viele Kubikmilimeter pro Sekunde der Drucker ausstoßen kann. Auch hinsichtlich der verwendbaren Kunststoff-Layerstärken gibt es immerhin noch zehn Angebote, die sich ausschweigen. Dabei entscheiden gerade diese Eigenschaften darüber, welche Möglichkeiten sich mit dem Drucker im Alltag bieten.

Was die Konnektivität angeht, so sind alle verfügbaren Geräte mit einer USB-2.0-Schnittstelle ausgestattet. Fünf Modelle können darüber hinaus über WLAN angebunden werden. 17 Modelle verfügen auch über ein Speicherkartenlesegerät – in der Regel für SD-Karten. Lediglich sechs Modelle verfügen über eine Herstellergarantie, die Hälfte davon beträgt nur 90 Tage – das ist mager.

3D-Drucker für Privatanwender bleiben eine Nische. Das spiegelt sich auch in der geringen Anzahl erschwinglicher Produkte für den Heimgebrauch oder den wenigen Dienstleistungsanbietern wider. Die Maker-Szene, die sich dem Thema verschrien hat, ist über die vergangenen Jahre stark angewachsen, die technischen Möglichkeiten sind enorm. Eine kritische Masse haben 3D-Drucker aber noch nicht erreicht. Dafür fehlen auch die praktischen Anwendungszenarien im Alltag noch.

In den Top-10 des Preisvergleichs hat es in den letzten sieben Tagen inhaltlich wenig Veränderung gegeben. Alle gelisteten Intel-Prozessoren konnten allerdings in der Platzierung aufsteigen. Der über Wochen an der Spitze platzierte Raspberry Pi 2 konnte sich noch so gerade in der Rangliste halten.

Leserhinweise auf interessante Entwicklungen im Preisvergleich nimmt die Redaktion gerne unter markttag~~computerbase.de entgegen.