3/4 Huawei P8 im Test : Koop-Kamera und Apple-Software im Alu‑Gewand

, 98 Kommentare

Kamera

Huawei hat während der Präsentation des P8 besonderen Fokus auf die verbaute Kamera gelegt. Das Smartphone trumpft mit einer rückwärtigen 13-Megapixel-Kamera auf, die maximal 4.160 × 3.120 Bildpunkten aufzeichnet und über einen optischen Bildstabilisator verfügt, der dem Ascend P7 noch fehlte. Dieser soll Verwacklungen von bis zu 1,2 Grad ausgleichen können, also doppelt soviel wie beispielsweise das iPhone 6 Plus mit lediglich 0,6 Grad kompensieren kann. Typisch für Huawei sind Frontkameras mit hoher Auflösung. Das P8 bietet hier 8 Megapixel im 4:3-Format, was 3.264 × 2.448 Pixel entspricht und neben guter Videotelefonie für scharfe Selfies sorgt.

Kamera-Vergleich
Huawei P8 Samsung Galaxy S6 (edge) Apple iPhone 6 Plus HTC One M9 LG G Flex 2
Hauptkamera Auflösung 13,0 MP 16,0 MP 8,0 MP 20,0 MP 13,0 MP
Sensorgröße Unbekannt 1/2,6" 1/3" 1/2,3" 1/3"
Sensorformat 4:3 16:9 4:3 10:7 4:3
Blendenzahl f/2,0 f/1,9 f/2,2 f/2,4
OIS ×
Video 1080p 2160p 1080p 2160p
Zeitlupe × 120 FPS 240 FPS 120 FPS
Frontkamera Auflösung 8,0 MP 5,0 MP 1,2 MP 4,0 MP 2,1 MP
Video 1080p 1440p 720p 1080p

Damit kurze Verschlusszeiten auch bei Dämmerung und Dunkelheit möglich sind, wurde die Hauptkamera des P8 mit einer f/2,0-Blende ausgestattet. Als weitere Besonderheit nennt Huawei den Vierfarb-Sensor (RGBW), der, ohne dass Huawei ins Detail geht, eine im Allgemeinen bessere Fotoqualität als RGB-Sensoren abliefern soll. Der verbaute Sensor soll auf den Namen IMX278 hören, Huawei konnte gegenüber ComputerBase aber lediglich bestätigen, dass der RGBW-Sensor bei Sony eingekauft wird.

Huawei P8 im Test – Kamera

Am Tag überzeugt das Huawei P8 durch seine außergewöhnlich natürliche Farbwiedergabe. Vergleichsaufnahmen mit dem iPhone 6 Plus wirken bei direkter Gegenüberstellung eher übersättigt und weisen einen etwas geringeren Dynamikumfang auf. Auch der Weißabgleich des P8 ist ein Stück weit präziser als der das iPhone 6 Plus, welches gelegentlich minimale Tendenzen zu Gelbstichen zeigt.

Die Bildschärfe des Huawei P8 ist marginal geringer als die des iPhone 6 Plus, dafür sind die Fotos aber frei von Schärfungsartefakten. Mit einem Schärfeabfall zum Rand hin, chromatischer Aberration oder sonstigen Abbildungsfehlern hat das neuste Flaggschiff von Huawei nicht zu kämpfen.

Huawei P8 – Zeitraffer

In der Nacht können sich die mit dem Huawei P8 aufgenommenen Bilder durchaus sehen lassen. Selbst bei höheren ISO-Empfindlichkeiten hält sich das Rauschen in Grenzen. Viele Details, zum Beispiel Nummernschilder, sind auch bei Dunkelheit sehr gut zu erkennen. Dennoch bleibt das iPhone 6 Plus bei Nacht unangefochten.

Das iPhone 6 Plus bietet vor allem die schnellere der beiden Kameras, was unter schlechten Lichtbedingungen stärker ausgeprägt ist als an einem sonnigen Frühlingstag. Dennoch fokussiert und löst das iPhone 6 Plus auch in dieser Situation schneller aus. Dieses Verhalten lässt sich beispielsweise bei einer sich im Wind bewegenden Tulpe beobachten, wie es bei den Nahaufnahmen der Bilder 55 und 56 der Fall ist. In dieser Szene muss das P8 häufiger und länger nachfokussieren, was beim Auslösen für ein weniger detailreiches Bild sorgt. Bei Nacht verstärkt sich diese Auffälligkeit. Positiv, weil kurz, ist die Ladezeit der Kamera-App – auch beim Erststart.

Die Kamera des P8 bietet Bildmodi, die insbesondere bei Dunkelheit Motive ermöglichen, die das iPhone 6 Plus ab Werk nicht erstellen kann. Im Modus Lichtmalerei bietet Huawei die vier Optionen Lichtspuren, Licht-Graffiti, seidiges Wasser und Sternspuren. Dabei handelt es sich in erster Linien um Modi mit besonders langer Belichtung oder, die mehrere Aufnahmen übereinander legen. Besonders wichtig bei diesen Aufnahmen ist die Nutzung eines Stativs oder das feste Aufstellen beziehungsweise Anlehnen des Smartphones. Sind diese Bedingungen erfüllt, lassen sich mit dem P8 ohne Mühe außergewöhnliche und einzigartige Aufnahmen anfertigen.

Eine weitere Besonderheit hat sich Huawei für den Videomodus einfallen lassen. Mit UHD-Auflösung oder einem Modus für Zeitlupenaufnahmen, wie ihn besonders gut umgesetzt das iPhone 6 (Plus) bietet, kann das P8 zwar nicht auftrumpfen, stattdessen findet sich auf dem Smartphone ein Koop-Modus für Videoaufnahmen. Huawei nennt die Fuktion Regisseur-Modus und erlaubt über die gleichnamige App Aufnahmen von bis zu vier verschiedenen Android-Smartphones. Das P8 oder ein anderes Huawei-Smartphone ist dabei stets der Host, während fremde Android-Smartphones mit gleicher App der Gruppe beitreten können. Die dafür benötigte App lässt sich vom P8 aus zum Beispiel per E-Mail, NFC und Bluetooth, Google Drive, Slack oder Wi-Fi Direct mit anderen Geräten teilen, die die APK-Datei anschließend installieren müssen, um am Dreh teilzunehmen und Regieanweisungen zu erhalten.

Das P8 ist der Regisseur und kann den anderen Kameras über die Wi-Fi-Direct-Verbindung Anweisungen wie „nach links bewegen“ oder „nach unten kippen“ geben. Der Regisseur sieht im Hauptfenster die Aufnahme seiner eigenen Kamera und in einer Leiste darunter Thumbnails mit Live-Feeds der teilnehmenden Smartphones. Im Test mit einem Google Nexus 5 ist die Übertragung über eine Distanz von wenigen Metern fast latenzfrei. Die Kameraperspektive ändert sich immer dann, wenn der Regisseur ein anderes Smartphone wählt. Das Endresultat lässt sich im Anschluss der Aufnahme auf dem P8 bearbeiten und abspeichern. Den Regisseur-Modus hat Huawei unkompliziert gelöst und vor allem darauf geachtet, dass dieser nicht nur mit Huawei-Smartphones funktioniert und die benötigte ohne Umwege über den Play Store geladen werden kann.

Konnektivität

Als Ausstatter der Mobilfunk-Infrastruktur steht Huawei üblicherweise für aktuelle Konnektivität-Standards. Bei Smartphones wie dem Ascend Mate 7 ist dies auch der Fall. Dort bietet Huawei LTE nach Cat. 6 mit bis zu 300 Mbit/s und auch WLAN in 5-GHz-Netzen. Anders das P8: Das neue Flaggschiff ist dank LTE Cat. 4 maximal 150 Mbit/s schnell im Downstream unterwegs, im Upstream sind es maximal 150 Mbit/s. Ärgerlicher ist aber der Verzicht auf ein modernes WLAN-Modul. Das P8 kann lediglich mit den altbekannten Standards 802.11 b/g/n umgehen ist somit ausschließlich im oftmals überlasteten 2,4-GHz-Band unterwegs. Mit Version 4.1 wird zumindest aber die aktuelle Bluetooth-Spezifikation unterstützt. Für die Positionsbestimmung können die bekannten Satellitensysteme GPS, GLONASS und das chinesische BeiDou verwendet werden.

Geöffnete Fächer für Nano-SIM und microSD
Geöffnete Fächer für Nano-SIM und microSD

Die Gesprächsqualität des P8 ist durch die Bank gut. Genutzt wurde das Smartphone sowohl im Berliner O2-Netz als auch im Netz von Vodafone in den Stadtbezirken Steglitz, Mitte und Prenzlauer Berg. Verbindungsprobleme sind während des gesamten Testzeitraums nicht aufgetreten. Besonders gut ist der Lautsprecher des P8 hinter dem linken Gitter am Fußende. Dieser sorgt nicht nur für eine überzeugende Freisprechfunktion, sondern eignet sich auch bestens für Musik. Der Klang fällt zwar leicht blechern aus, gut ist aber der hohe Maximalpegel ohne Verzerrungen, sodass das P8 auch beim Duschen für Musik und Podcasts verständlich genutzt werden kann.

Laufzeiten

Die Laufzeiten der P-Serie sorgten in der Vergangenheit nie für ekstatische Freudensprünge. Großartig anders ist das auch beim neuen P8 nicht. Mit 2.680 mAh statt 2.500 mAh bietet der Akku eine etwas höhere Nennladung, mehr hat Huawei in dem nochmals dünneren Gehäuse (6,4 mm) aber nicht unterbringen können. Im Video-Dauertest mit einem 720p-Video, das über YouTube abgespielt wird, liegt die Laufzeit aufgrund des größeren Display sogar leicht unterhalb der des Ascend P7. Über fünfeinhalb Stunden und Platz 53 von 65 kommt das P8 nicht hinaus.

Im Browser-Benchmark und dem PCMark, die ebenfalls mit einer fixen Display-Helligkeit von 200 cd/m² ausgeführt werden, sieht es besser für das P8 aus. Hier kann sich das P8 jeweils eine Stunde vor seinem Vorgänger platzieren und liegt stets im Mittelfeld. Die direkte Konkurrenz besteht im Peacekeeper-Benchmark aus dem Motorola Moto G (2014) sowie Nokia Lumia 830 und im PCMark aus dem HTC One M9 und LG G3.

Zufriedenstellender Durchschnitt lautet auch das Fazit für den Einsatz im Alltag. Nach einer Nutzung von rund 14 Stunden hatte der Akku am Abend noch eine Restkapazität von rund einem Viertel. Über den Tag verteilt wurde das P8 für rund 90 Minuten Offline-Musikwiedergabe über Play Musik, zwei Stunden Browser-Nutzung, gelegentliches Fotografieren sowie hin und wieder das Ausprobieren von Funktionen wie Themes, Wallpapers und Regisseur-Modus genutzt. Zudem wurden regelmäßig WhatsApp-Nachrichten verschickt. Gespielt wurde mit dem Smartphone nicht.

Das P8 zeigt sich als typisches Smartphone für einen Tag, wenn auf kräftezehrende Spiele verzichtet wird. Wer das Smartphone stark fordert, muss mit kürzeren Laufzeiten rechnen und die Steckdose früher aufsuchen. Im Menü Energiesparen gibt das P8 Tipps, wie der Verbrauch gesenkt werden kann. Im Notfall hilft wie bei Samsung oder HTC ein Ultrasparmodus, um die Laufzeit ein gutes Stück zu verlängern. Dann stehen aber nur noch grundlegende Anruf- und Nachrichtenfunktionen zur Verfügung.

Auf der nächsten Seite: Fazit