Gentests : Apple interessiert sich für die DNA der iPhone-Nutzer

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Gentests: Apple interessiert sich für die DNA der iPhone-Nutzer
Bild: Kevin Dooley (CC BY 2.0)

Mit dem ResearchKit führt Apple seit März einen Dienst, der die Forschung beim Kampf gegen verbreitete Krankheiten unterstützen soll. Die Funktionalität könnte bald entscheidend erweitert werden: Apple plant offenbar, das iPhone zur Plattform für die Bereitstellung von DNA-Informationen zu machen.

Das berichtet MIT Technology Review unter Berufung auf informierte Quellen. Demnach arbeitet Apple mit US-Forschern an Apps, die es den Nutzern ermöglichen sollen, ihre DNA auf einfachem Wege von Wissenschaftlern auswerten zu lassen. Die Anwendungen sollen in ResearchKit integriert werden, das mit Hilfe von HealthKit-Daten Studien zu weit verbreiteten Krankheiten wie beispielsweise Asthma, Brustkrebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Parkinson unterstützen soll.

Apple hat ResearchKit gestartet und fantastische Rückmeldungen erhalten. Der nächste naheliegende Schritt ist nun, DNA zu sammeln“, zitiert MIT Technology Review einen von den Entwicklungen unabhängigen Genetiker.

Dabei muss allerdings zumindest zunächst zwischen dem physischen Einsammeln und dem virtuellen Sammeln der Geninformationen unterschieden werden. Mit ersterem Vorgang, also der Entnahme von Speichelproben, will Apple im Rahmen von zwei ersten Probestudien nur indirekt zu tun haben. Dies soll laut MIT Technology Review über die involvierten Wissenschaftler erfolgen, die sich auch um die Aufbereitung und Speicherung der Informationen kümmern werden. Zukünftig soll es dann möglich sein, Speichelproben zuhause selbst zu entnehmen und an von Apple zertifizierte Auswertungslabore zu schicken.

Apples Ziel sei es, den Nutzern die so gewonnenen Daten virtuell auf einfachem und übersichtlichem Wege zur Verfügung zu stellen. So soll es möglich sein, bestimmte Details der eigenen Gene über die besagten Apps auf dem iPhone oder iPad einzusehen. Bei Bedarf könnten die Ergebnisse per Share-Button auch in die einschlägigen Kanäle geteilt werden. „Juchu, keine Gendefekte gefunden!

Erste Studie beschäftigt sich mit Frühgeburten

Ganz so weit reichen die geplanten Pilotstudien noch nicht. In Zusammenarbeit mit der Universität von Kalifornien in San Francisco soll mit Hilfe des iPhones beispielsweise der Zusammenhang von Frühgeburten und bestimmten genetischen Eigenschaften der Mütter untersucht werden.

Dazu sollen sowohl DNA-Informationen als auch von HealthKit gesammelte Daten herangezogen werden. Allerdings soll nicht das komplette Erbgut der rund 100 Testpersonen ausgewertet, sondern „nur“ etwa hundert Gene betrachtet werden, bei denen ein Zusammenhang vermutet wird.

Es geht um die Big Data

Mit dem Vorhaben stößt Apple in einen zukunftsträchtigen und bereits schwer umkämpften Markt vor. Zahlreiche spezialisierte Anbieter wie Ancestry und 23andMe buhlen mit unterschiedlichen Dienstleistungen und Auswertungsmöglichkeiten um die DNA von Kunden. Aber auch große Konzerne wie Google interessieren sich für die Genforschung.

Ziel solcher Angebote ist nur zum Teil das „schnelle Geld“: Die Tests sind in der Regel erschwinglich. Viel interessanter ist es, mittel- bis langfristig eine riesige Datenbank mit Geninformationen zu erzeugen, aus der sich beispielsweise genetische Charakteristika bestimmter Krankheiten ableiten lassen. Hier schlummert ein Milliardenmarkt, der schon in wenigen Jahren zur Goldgrube für jene Unternehmen werden könnte, die Zugriff auf möglichst viele Proben haben.