3/7 Drei 40-Euro-Netzteile im Test : 500 bis 560 Watt von LC-Power, SilverStone und Cooler Master

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Technik

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt der Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

Cooler Master setzt beim B500 ver.2 auf den Auftragsfertiger CWT. Die technische Plattform ist im Wesentlichen auch von Netzteilen anderer Marken wie Enermax oder Sharkoon bekannt. Gegenüber den genannten Modellen ließ sich Cooler Master jedoch einen besseren Protection-IC einbauen, den Sitronix ST9S429-PG14. Er unterstützt die versprochenen Schutzschaltungen. Im Vergleich zum großen Bruder G450M verzichtet Cooler Master bei der B-Serie hingegen auf unabhängig regulierte Nebenspannungen. Das B500 ver.2 muss mit einer günstigeren Gruppenregulierung vorliebnehmen, die in der Preisklasse Normalität darstellt.

Cooler Master B500 v2 – Technik

Hinter der vollständigen Eingangsfilterung, die zudem über einen MOV als passiven Überspannungsschutz verfügt, befindet sich die Gleichrichterbrücke, die jedoch ohne einen eigenen Kühlkörper auskommen muss. Die PFC-Spule wurde zwecks Minimierung der Elektronikgeräusche wie Spulenfiepen gut verpackt. Der Primärkondensator stammt aus der LP-Serie von CapXon und verfügt über folgende Daten: 330 Mikrofarad Kapazität, 400 Volt und 85°C.

Auf der im 230-Volt-Netz stärker belasteten Sekundärseite verbaut CWT einen Mix aus JunFu- (WG-, WL-Serie) und CapXon-Kondensatoren (KF-, KH-, GF-Serie) mit 105-°C-Temperatur-Rating. Die Auswahl der Kondensatoren ist insgesamt gesehen eher unterdurchschnittlich, angesichts der Preisklasse und der Herstellergarantie von drei Jahren jedoch als akzeptabel einzustufen. Die Lötqualität der Platine stellt die beste im Vergleich dar. Der Yate-Loon-Lüfter mit der Modellbezeichnung D12SM-12 verfügt über eine Nenndrehzahl von 1.650 U/min und ist mit Gleitlager von der eher einfachen Machart. Die Lautstärke wird zudem über eine Luftleitfolie, die etwa ein Drittel der Unterseite des Lüfters bedeckt, erhöht.

Cooler Master B500 ver.2
Rail Spezifikation laut Netzteilaufkleber Auslösepunkt der Schutzschaltung
+3,3 Volt 20 A 30 A bei 3,0625 V
+5 Volt 20 A 29 A bei 4,505 V
+12 Volt gesamt 38 A 44 A bei 11,208 V

Die Vollausstattung an Schutzschaltungen macht sich anhand der Auslösewerte positiv bemerkbar. Das B500 ver.2 schaltet auf den Nebenspannungen zwar relativ spät ab, die ermittelten Werte sind jedoch als positiv einzustufen.

LC-Power LC6560GP3 V2.3 – Technik

LC-Power setzt für das LC6560GP3 V2.3 auf die Zusammenarbeit mit Great Wall, die elektronische Plattform verfügt über eine in der Preisklasse übliche Gruppenregulierung. Auch das LC6560GP3 besitzt einen MOV als passiven Überspannungsschutz, die Schutzschaltungen werden wie beim B500 ver.2 von einem Sitronix ST9S429-PG14 bereitgestellt. Der Blick unter die Platine verrät, dass das LC-Power tatsächlich über zwei 12-Volt-Rails verfügt, schön zu sehen sind zudem die OCP-Shunts mit der Beschriftung „1500“. Die Lötqualität könnte hingegen noch etwas besser auffallen, zudem sind einige Flussmittelrückstände sichtbar. Gleichstand gilt auch bei der PFC-Spule, die wie bei Cooler Master gut verpackt wurde.

Der Primärkondensator wird von der eher unbekannten Marke HEC (LS-Serie) zugeliefert und verfügt über folgende Daten: 330 Mikrofarad Kapazität, 420 Volt, 85 °C. Völlig unbekannte Kondensatoren verbaut Great Wall auf der Sekundärseite. Die chinesische Marke ZHN ist bei ATX-Netzteilen bislang nicht in Erscheinung getreten. Neben den unbekannten Kondensatoren finden sich noch vergleichsweise billige Nicon-Kondensatoren (KME-Serie); ein höherwertigeres Modell von Teapo (SY-Serie) fungiert als Stand-by-Kondensator. Alle Kondensatoren verfügen über ein 105-°C-Rating. Der Lüfter wird von der Marke Evercool zugeliefert und verfügt über die Bezeichnung EFS-14E12H. Technische Daten sind für dieses Modell allerdings nicht gelistet.

LC-Power LC6560GP3 V2.3
Rail Spezifikation laut Netzteilaufkleber Auslösepunkt der Schutzschaltung
+3,3 Volt 25 A 31 A bei 3,1125 V, hohe Restwelligkeit
+5 Volt 27 A 37 A bei 4,4175 V
+12 Volt gesamt ca. 39,17 A 60 A bei 11,085 V

Das LC-Power schaltet im Schnitt noch etwas später ab als das B500 ver.2, was auf der 3,3-Volt-Schiene dazu führt, dass die Restwelligkeit die ATX-Norm überschreitet. Trotzdem ist das Vorhandensein von OCP deutlich spürbar, womit sich dem LC6560GP3 grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellen lässt.

SilverStone Strider Essential 500W – Technik

SilverStone komplettiert die bunte Mischung der Auftragsfertiger mit einer Plattform von Sirtec. Wie die Konkurrenz von LC-Power und Cooler Master verfügt die Elektronik des Strider Essential ebenfalls über eine günstige Gruppenregulierung. Die umfangreiche Eingangsfilterung besitzt einen MOV als passiven Überspannungsschutz, die PFC-Spule wurde im Gegensatz zur Konkurrenz jedoch nicht speziell verpackt. Dafür darf sich die Gleichrichterbrücke wie beim LC-Power über einen Kühlkörper freuen. Der Primärkondensator wird von Teapo (LH-Serie) zugeliefert und stellt im direkten Vergleich das hochwertigste Modell dar. Mit einer Kapazität von 220 Mikrofarad, 400 Volt und 85 °C ist beim Primärkondensator jedoch ein deutlich kleineres Modell gewählt worden als bei den gleich starken Netzteilen im Vergleichstest. Auf der Sekundärseite findet sich ein Mix von Teapo- (SC-, SEK-Serie) und Su'scon-Kondensatoren (MC-, SK-Serie). Während Teapo der Mittelklasse zuzuordnen ist, stellen die Modelle von Su'scon die deutlich schlechtere Wahl dar. Der Lüfter des Netzteils wird von Globe Fan zugeliefert, das 120 mm große Modell verfügt über eine Nenndrehzahl von 2.000 U/min und die im Vergleich größte Lufleitfolie – fast 50 Prozent der Unterseite sind mit der Folie bedeckt, die zudem in der Mitte des Lüfters befestigt wurde.

Die Schutzschaltungen werden von einem Protection-IC mit der Bezeichnung HY-510N bereitgestellt. OCP ist somit nicht vorhanden, zudem muss die 12-Volt-Schiene auch ohne UVP auskommen. OVP und UVP auf 3,3 Volt und 5 Volt sind hingegen vorhanden.

SilverStone Strider Essential 500W
Rail Spezifikation laut Netzteilaufkleber Auslösepunkt der Schutzschaltung
+3,3 Volt 24 A 46 A bei 1,46 V, hohe Restwelligkeit
+5 Volt 20 A 42 A bei 4,05 V, hohe Restwelligkeit
+12 Volt gesamt 34 A 54 A bei 11,45 V, hohe Restwelligkeit, Netzteil kaputt

Dass die nur rudimentär vorhandenen Schutzschaltungen nicht ausreichend sind, wird insbesondere mit dem Blick auf die Tabelle deutlich. Die Nebenspannungen lassen sich im Schnitt um satte 100 Prozent überlasten, was abenteuerliche Spannungswerte (zum Beispiel 1,46 Volt, statt 3,3 Volt) und eine sehr hohe Restwelligkeit zur Folge hat. Der Super-GAU stellt sich dann auf der 12-Volt-Schiene ein, die zuletzt getestet wurde. Das Netzteil hielt den Belastungen nicht mehr stand und verabschiedete sich mit einem lauten Knall. Das zweite Vergleichsmuster sorgte für vergleichbare Auslösepunkte, überstand die Prozedur jedoch ohne Explosion.

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