3/4 Cherry MX Board 6.0 im Test : Mechanische Tastatur mit kompromissloser Qualität

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Alltagserfahrungen

Die MX Board 6.0 wird mit Cherrys MX-Tastern des Typs Red ausgeliefert. Typisch für die MX-Schalter im Allgemeinen ist der vier Millimeter lange Federweg, dessen Signalpunkt bereits nach rund zwei Millimetern Wegstrecke erreicht wird. Das Auslösen eines Signals erfordert bei braunen und roten Versionen einen Kraftaufwand von 45, bei blauen Varianten von 55 Gramm. Gegenüber den linearen roten und schwarzen Schaltern wird der Signalpunkt taktil markiert. MX Blue sind dabei ausgeprägter taktil und geben darüber hinaus akustisches Feedback („Clicky“).

Unter größeren Tastenkappen befinden sich Stabilisatoren im Cherry-Stil, die Bewegungen größerer Kappen durch zusätzliche Stempel eliminieren. Damit verändert sich die Charakteristik der entsprechend gestützten Taster minimal, Bewegungen über die Längsachse werden, anders als bei den Drahtbügel-Versionen, im Gegenzug minimiert.

Cherry MX Board 6.0

Die massive Bauart der MX Board 6.0, die anders als bei Corsairs K-Reihe nicht die Schalter, sondern nur das Gehäuse zu stabilisieren hat, lässt nicht nur haptisch keinerlei Wünsche offen. Auch das Schreibgefühl profitiert gegenüber einfacheren Tastaturen noch einmal: Qualitativ kann sich das absolut ruhige und vibrationsfreie Feedback der linearen Taster von derartigen Umsetzungen absetzen und selbst in der Oberklasse noch einmal hervortreten, wenngleich der Unterschied hier im direkten Vergleich minimal ausfällt. Grundsätzlich gefällt auch die Größe der Handballenauflage: Das beigelegte Modell bietet nicht wie häufig der Fall nur minimale Unterstützung, sondern eine echte Ablage für Hände mitsamt Ballen, was dem Schreibkomfort klar zu Gute kommt.

Zusammen mit der Materialstärke und -auswahl sinkt das Geräuschniveau noch einmal. Daran haben auch die flachen Tasten mit ihrem verringerten Resonanzraum einen Anteil, sind aber, wie auch hier ein direkter Vergleich zeigt, nicht allein ursächlich: Gegenüber der günstigen MX Board spielt das teure Modell in tieferen Klangfrequenzen und bleibt somit subjektiv unauffälliger. Die Tastenkappen der Luxusvariante weisen dabei jedoch ein stärker angestelltes Profil auf und sind an ihrem höchsten Punkt nur knapp kleiner als das übliche OEM-Format. Wie üblich fallen die Unterschiede im Schreibgefühl fein aus und sprechen vor allem Vielschreiber an, da das letzte Quäntchen Qualität mit einem massiven finanziellen Mehraufwand erkauft werden muss: Schon die 55 Euro teure MX Board 3.0 erreicht nahezu ein identisches Niveau.

Eine besondere Eigenschaft der MX Board 6.0 ist die sogenannte „Real Key Technologie“. Anders als bei gängigen, günstig zu realisierenden Verfahren fragt der Controller der Tastatur Signaleingaben nicht aus Tastengruppen in einer Matrix ab, sondern in einer erheblich aufwendigeren Umsetzung von jeder Taste individuell. Dabei erfasst ein Cortex-M3-ARM-Prozessor in analogem Verfahren nicht Signale, sondern Spannungsänderungen an der Leiterbahn einer Tastenreihe. Damit das Verfahren wie gewünscht funktioniert, verändert jede Taste die Spannung um einen anderen Wert. So kann über die jeweils an einer Tastenreihe anliegende Spannung gemessen werden, welche Signale die Tastatur übertragen soll, da jede Taste beziehungsweise Tastenkombination eine andere Ausgangsspannung erzeugt.

Dieses Verfahren soll die latenzfreie Erfassung von Eingaben erlauben. Die von Cherry angegebene Zeitersparnis gegenüber einem nicht näher definierten Referenzwert von 20 Millisekunden mag in die Praxis übertragbar sein, dem Nutzer jedoch vermittelt die MX Board 6.0 keinen Unterschied gegenüber anderen Tastaturen – spürbar schneller werden Eingaben nicht. Hierin gleicht die Tastatur anderen für Spieler gedachten Modellen, die auf verschiedenen Wegen die Reaktionszeiten verkürzen wollen. Vorteile dieser Technologie ergeben sich jedoch im Bereich des Key-Rollovers: Die Umsetzung des N-KRO der MX Board 6.0 ist insofern weniger haklig, als dass Eingaben auch beim Brute-Force-Test sauber erfasst werden. Alltagsrelevant ist auch diese Eigenschaft aber kaum.

Problemloses N-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)
Problemloses N-Key-Rollover („KRO“, Anzahl gleichzeitig zu drückender Tasten)

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