3/4 Gigabyte Aorus Thunder K7 im Test : Hochinteressante Tastatur mit zu vielen Kanten

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Alltagserfahrungen

Die Aorus Thunder K7 wird mit Cherrys MX-Tastern des Typs Red ausgeliefert. Typisch für die MX-Schalter im Allgemeinen ist der vier Millimeter lange Federweg, dessen Signalpunkt bereits nach rund zwei Millimetern Wegstrecke erreicht wird. Das Auslösen eines Signals erfordert bei braunen und roten Versionen einen Kraftaufwand von 45, bei blauen Varianten von 55 Gramm. Gegenüber den linearen roten und schwarzen Schaltern wird der Signalpunkt taktil markiert. MX Blue sind dabei ausgeprägter taktil und geben darüber hinaus akustisches Feedback („Clicky“). Größere Tasten werden von „Costar“-Stabilisatoren gestützt. Diese geben zugunsten eines gleichbleibenden Tippgefühls etwas Steifigkeit über die Längsachse. Eine Aussparung für den Taster gibt es nicht. Der deshalb um das Schaltergehäuse gebogene Metallbügel ist durchaus Symptom für das funktionale, bisweilen wenig elegante Produktdesign.

Gigabyte Aorus Thunder K7

Es sind zunächst Verarbeitung und Haptik, die den Spaß am Umgang mit der Force K7 gehörig trüben. Die Tastatur umzusetzen oder umzubauen wird aufgrund der Gehäusebeschaffenheit zu einer unangenehmen Erfahrung, da stets spitze Stellen berührt werden müssen. Immerhin: Ein akutes Verletzungsrisiko besteht bei normalem Umgang nicht. Anfassen macht, auch durch die raue und mehr funktionale denn schöne Oberflächengestaltung, keinen Spaß – zu keinem Zeitpunkt vermittelt das Gehäuse den Eindruck, ein 150 Euro teures Oberklassenprodukt auf dem Schreibtisch zu haben.

Wie bei der Beleuchtung sind viele Lösungen nicht vom Wunsch einer möglichst guten Umsetzung geprägt, sondern vom Bestreben, eine Tastatur anzubieten, deren Design irgendwie funktioniert – im normalen Betrieb. Mit der nicht unterteilbaren, aber dank ordentlicher Tiefe bequemen Handballenauflage vergibt Gigabyte zudem grundlos die Chance, das Konzept konsequent umzusetzen. Potentielle Käufer sollten sich also klar machen, dass die Aorus darauf zielt, zuallererst mit montiertem Zusatzmodul betrieben zu werden.

Der Spagat zwischen drei verschiedenen Produkttypen in Kombination mit minimalen Abmessungen gelingt gut, insgesamt geht das Modulkonzept voll auf. Die Tastenkonfiguration des Zusatzmoduls vermag einen Nummernblock allerdings nicht vollständig zu ersetzen. Dafür fehlen trotz entsprechender Beschriftung die Tasten in doppelter Länge – diese Entscheidung ist der flexiblen Aufstellung dieses Tastenfeldes geschuldet. Zumindest für den Einsatz als Zahlenfeld reicht die Umsetzung aber ohne Probleme. Leicht andere Beobachten ergeben sich beim Einsatz als Makro-Tastatur. Aufgrund des Abstandes zwischen Tasten- und Markofeld lassen sich in „WASD“-Position bei kompakteren Händen nur zwei bis drei Tasten benutzen, ohne die Position ändern zu müssen. Der größere Abstand zwischen beiden Segmenten ist allerdings eine Eigenschaft, die manche Nutzer wiederum zu schätzen wissen.

Unbefriedigend fällt das Key-Rollover aus. Im Standardmodus liegt die Grenze nur nach Werksangabe im Bereich der USB-Spezifikation: Sechs gleichzeitige Eingaben soll die Thunder K7 mindestens übertragen können, tatsächlich sind es vier. Werden Tasten gleichzeitig heruntergedrückt, liegt das Limit mitunter aufgrund von „Blocking“ bei nur einer Eingabe – allerdings in einem praxisfremden Szenario. Obwohl Gigabyte auf der Verpackung über Bilder gegenteiliges suggeriert, unterstützt die Tastatur kein volles N-Key-Rollover; maximal werden 64 gleichzeitige Eingaben über einen zweiten Betriebsmodus erlaubt. Dieser funktioniert fehlerfrei, muss aber über die Verknüpfung „FN+G“ eingeschaltet werden. Diese relevante Information findet sich weder im Handbuch noch auf der Verpackung der Thunder K7, sondern aktuell ausschließlich auf der Homepage des Herstellers.

Software

Programmiert werden kann ausschließlich das Makro-Modul der K7. Die beigelegte Software ist, mit Ausnahme der neuen Texturen, ein alter Bekannter. Seit der Osmium hat sich mit Ausnahme des Farbschemas in zwei Jahren auch in diesem Punkt nichts verändert. Was schon vor zwei Jahren hinter dem Qualitätsniveau der Konkurrenz zurückbleibt, tut dies heute in einer höheren Preisklasse erst recht.

Gigabyte Aorus Macro Engine V1.01

Neben Wunderlichkeiten wie gleich zwei(!) Verknüpfungen zur Aorus-Homepage pro Menüreiter und den trotz weniger Funktionen teils unnötig verschachtelten Strukturen leistet sich die Software auch gravierende Schwächen. Da sich Profile weder benennen noch automatisch zusammen mit einer Anwendung aufrufen lassen, leidet in Verbindung mit dem sequentiellen Profilwechsel die Handhabung. Immerhin lassen sich ungenutzte Profile deaktiveren, mehr Komfort dürfen Nutzer allerdings nicht erwarten. Die maximal 100 möglichen Makros werden auf 100 Slots verteilt, von denen nur zehn zugleich auf den Bildschirm passen.

Eine Suche oder eine Möglichkeit zur Organisation existiert dabei nicht, weshalb das Erinnerungsvermögen die Nutzungsgeschwindigkeit maßgeblich beeinflusst. Auch die Zuweisung von Funktionen oder Auswahl einer Makro-Taste erfolgt auf dem gleichen, umständlichen Wege: Geeignete Menüstrukturen sucht das Auge bei Gigabyte vergebens. Wer eigene Profile anlegen und damit eine Kernfunktion der Tastatur nutzen möchte, benötigt bei Gigabyte eine gehörige Portion Geduld sowie einen guten Plan. Wie eklatant die Defizite mittlerweile sind, offenbart ein Blick auf Produkte für 15 Euro: Selbst dort finden sich bessere Softwarelösungen. Wer mehr als ein Profil konfigurieren möchte, stößt bei Gigabyte schnell auf Hürden.

Gigabyte Macro Engine
Konfigurierbar Primärtasten
Makrotasten Makros, Tastenbefehle, Medien-Shortcuts
Beleuchtung
Gaming-Modus
Makros Anzahl 100
Länge Unbegrenzt
Wiedergabe Hardware
Ausgabe Einmalig, mehrfach, während Tastendruck
Vorlagen Nein
Im-/Export Ja
Makro-Aufnahme Editor Ja
Verzögerung Keine, feste/reale Abstände
Editieren Ja, Abstände & Eingaben
Profile Anzahl 6
Benennung Nein
Autostart Nein
Im-/Export Nein
Besonderheiten Eigene Bilder für Makros

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