3/3 Act of Aggression im Test : Echtzeit-Strategie wie früher mit zwei Seiten

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Online schon besser

Den eigentlichen Langzeitspaß eines Strategiespiels beeinträchtigt eine solche Enttäuschung nur am Rande. Die fehlende Kenntnis über die einzelnen Truppengattungen macht sich aber auch Online bemerkbar. Ohne die drei Fraktionen, Einheiten und Upgrades aus dem Kopf zu kennen, droht sich Frustration auszubreiten, die Lernkurve bleibt entsprechend steil. Dazu kommt, dass die aufgrund der oft langen Kampfentfernungen hohe Zoomstufe der Kamera wenig zur Übersicht beiträgt; speziell die Einheiten der US-Fraktion mit insgesamt sechs Varianten des Stryker-Schützenpanzers lassen sich notorisch schlecht auseinander halten.

Die vergrößerte Gefechtsdistanz zwingt zu kleinem Zoom
Die vergrößerte Gefechtsdistanz zwingt zu kleinem Zoom

Online bietet Eugen Systems entweder die Option an, ein auf maximal 40 Minuten begrenztes Ranglisten-Spiel über die Matchmaking-Funktion zu starten, oder eine eigene Lobby zu initiieren – hier besteht unter anderem die Option, ohne Superwaffen zu spielen. Die automatische Spielersuche spannt allerdings zumindest derzeit noch sehr ungleiche Spieler zusammen.

Online zeigt sich Act of Aggression trotzdem von einer hübscheren Seite. Spaßig sind die Duelle, zumal die zufällige Rohstoffverteilung aufgrund der nötigen Exploration schon zu Beginn während der ersten Schritte für ausreichende Beschäftigung sorgt und zum Aufklären zwingt. Da auch hier die KI nicht intelligent agiert, ist Mikromanagement von Nöten: Fahrzeuge bevorzugen schnellere Straßen bei der Wegfindung, Verbände konzentrieren ihr Feuer zumeist bei eigenständigem Agieren – und da Artillerie auch eigene Truppen tötet, ist Aufmerksamkeit von Nöten.

Online geht Masse über Vielfalt
Online geht Masse über Vielfalt

Ob das Balancing insgesamt passt, kann sich erst mittelfristig herausstellen. Die im Rahmen des Tests gespielten Partien legen jedoch nahe, dass die Entwickler hier noch etwas Arbeit vor sich haben. Potentiell scheint das massenhafte Produzieren von ein, zwei Einheitentypen schwer auszuhebeln zu sein, da viele Truppenteile mehrere Arten von Einheiten ausreichend effektiv attackieren können. Der Schützenpanzer der Chimera-Fraktion ist beispielsweise schnell und gut gegen Fahrzeuge einsetzbar und macht in kleinen Gruppen auch mit Helikoptern kurzen Prozess – nach einem Upgrade dank einer zielsuchenden Rakete auch mit schwerer gepanzerten Gegnern. Solche Taktiken sind schwer zu kontern, wenn man gezwungen wird, Rohstoffe außerhalb des eigentlichen Stützpunktes zu sammeln.

Weil viele Einheiten, wenngleich mit unterschiedlicher Effektivität, auch in die Luft schießen können, wird das Stein-Schere-Papier-Prinzip durch derartige Vielseitigkeit, die ein wenig in Indifferenz mündet, ausgehebelt. Grundsätzlich scheinen Helikopter zudem eher weniger effektiv zu sein. Dass effektive Taktiken für den Einsatz von Helikoptern existieren, mag möglich sein; sie zu erschließen ist im Rahmen des Tests aber nicht gelungen, was noch einmal von Lernkurve und Unzugänglichkeit zeugt.

Fazit

Act of Aggression ist ein Strategespiel, wie es Spieler älterer Jahrgänge von früher kennen. Die Macher verzichten bewusst auf große Experimente und setzen auf alte Erfolgsformeln, was mit Fug und Recht als positiver Befund gewertet werden darf: Basisbau, Taktikvielfalt, gleichwohl mit dem Eindruck des noch nicht optimalen Balancings, Ressourcen-Management und der realistische Touch lassen in der Tat an ein neues Command & Conquer: Generals denken.

Obwohl die alte Formel noch immer hervorragend zu unterhalten weiß, hat Eugen Systems aber auch eine nicht unbedeutende Anzahl an Schwächen alter Erfolgskonzepte übernommen: In erster Linie bei der KI. Aber auch bei der Präsentation der Einzelspieler-Kampagne sowie der steilen Schwierigkeitskurve hätte es mehr vom Jetzt und weniger vom Gestern sein müssen. Der Popcorn-Faktor eines Act of War steckt so nicht in Act of Aggression. Auch eine ausreichende Tutorial-Funktion können die Solo-Missionen nicht übernehmen, eine hohe Frusttoleranz wird benötigt.

Act of Aggression – Testzusammenfassung

Neben Interface- und KI-Problemen macht vor allem dieser Umstand Act of Aggression zu einem unnötig schwer zugänglichen und sperrigen Spiel auch in Online-Gefechten. Ist der Einstieg geschafft, unterhält der Titel allerdings gut – bis dahin muss jedoch viel Arbeit investiert werden; das klassische RTS ist mit der Übernahme längst vergangen geglaubter Designschwächen einen Schritt zu klassisch geworden.

Wer das Genre und Herausforderungen mag und vor allem online spielen möchte, kann sich den Titel aber ruhigen Gewissens näher ansehen; Fans des Genres schrecken Komplexität und Hürden ohnehin wenig. Act of Aggression mag nicht die erhoffte Neuauflage alter Meilensteine sein, ist aber in jedem Fall ein ordentliches Strategiespiel.

Kopier- & Jugendschutz

Act of Aggression funktioniert über Steam, sodass der Key über die Valve-Plattform aktiviert werden muss. Dazu ist einmalig eine Internetverbindung nötig; ein Wiederverkauf ist durch die Bindung an das Steam-Konto nicht möglich.

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