Keynote: Darüber hat Apple gestern nicht gesprochen

Nicolas La Rocco
124 Kommentare
Keynote: Darüber hat Apple gestern nicht gesprochen
Bild: Apple

Die gestrige Keynote von Apple war mit vielen Themen gespickt: Dem großen iPad Pro, dem schnelleren iPhone 6s und 6s Plus mit 3D Touch und dem neuen Apple TV mit Siri und Touch-Fernbedienung. Andere, durchaus interessante und für Apple oftmals wichtige Themen, hat Apple hingegen nicht angesprochen – ein Überblick.

Größe und Gewicht der iPhones

Auf zahlreichen Keynotes hebt Apple üblicherweise hervor, wie dünn und leicht die neuen Produkte sind. Beim iPhone 6s und 6s Plus war dies dieses Mal nicht der Fall. Aus gutem Grund: Denn die neuen Smartphones sind größer und schwerer geworden. Das neue iPhone 6s ist 0,2 Millimeter länger und 0,1 Millimeter breiter geworden, die Bautiefe hat um 0,2 Millimeter zugenommen. Beim iPhone 6s Plus sind es 0,1 Millimeter in Länge und Breite mehr geworden. Die neue Bautiefe liegt bei 7,3 statt bisher 7,1 Millimeter. Beim Gewicht fallen die Unterschiede deutlicher aus: Das iPhone 6s wiegt 143 statt bisher 129 Gramm, das iPhone 6s Plus kommt sogar auf 192 statt 172 Gramm.

iPhone 6s iPhone 6 iPhone 6s Plus iPhone 6 Plus
Abmessungen (B×H×T in mm) 67,1 × 138,3 × 7,10 67,0 × 138,1 × 6,90 77,9 × 158,2 × 7,30 77,8 × 158,1 × 7,10
Differenz + 0,1 × 0,2 × 0,2 + 0,1 × 0,1 × 0,2
Gewicht (Gramm) 143 129 192 172
Differenz + 14 + 20

Größe und Gewicht der neuen iPhones dürften von dem neuen 3D-Touch-Display und der neuen Taptic Engine verursacht worden sein. Das neue Display benötigt mehr Platz, wie an einer zusätzlichen Schicht für die Druckerkennung klar im Produktvideo von Apple zu sehen ist. Die Taptic Engine, die für das haptische Feedback sorgt, erstreckt sich über die gesamte Gehäusebreite bis zum Logic Board.

Kleinere Akkus

Das sorgt auch dafür, dass für andere Komponenten weniger Platz im Gehäuse ist. Obwohl Apple die Anzahl der Bauteile reduziert und beispielsweise den M-Coprozessor für die Erfassung von Bewegungen in das SoC integriert hat, musste der Akku für zumindest eines der beiden iPhones schrumpfen. Im iPhone 6s liegt die Nennladung jetzt bei nur noch 1.715 mAh statt 1.810 mAh im iPhone 6. Diese Information ist ebenfalls eindeutig einem Produktvideo von Apple zu entnehmen, wie der untere Screenshot zeigt. Für das iPhone 6s Plus wird bisher eine Kapazität von 2.750 mAh statt 2.915 mAh im iPhone 6 Plus vermutet, bestätigt ist das bislang aber nicht.

Akku des iPhone 6s im Produktvideo
Akku des iPhone 6s im Produktvideo (Bild: Apple)

Einfluss auf die Laufzeiten soll die Reduzierung der Akkukapazitäten laut Apple aber nicht haben. Hier könnten die neue Fertigungstechnik der Prozessoren in vermutlich 14 oder 16 Nanometer sowie die allgemeine Reduzierung der Anzahl der Chips eine Rolle spielen. Apple gibt weiterhin 14 (6s) und 24 Stunden (6s Plus) Gesprächszeit für die iPhones an, die Standby-Zeiten liegen ebenfalls unverändert bei 10 und 16 Tagen. Auch alle weiteren Angaben für die Internetnutzung über 3G, LTE und WLAN sowie die Wiedergabe von HD-Video und Audio sind identisch zu den Vorgängern.

Arbeitsspeicher

Apple hat außerdem zwar großflächig über die gestiegene Leistung der neuen System-on-a-Chips A9 (6s und 6s Plus) und A9X (iPad Pro) gesprochen, das Thema Arbeitsspeicher kam allerdings nicht zur Sprache. Seit dem iPhone 5 hält Apple an nur einem Gigabyte Arbeitsspeicher für das iPhone fest, erst das iPad Air 2 brachte zwei Gigabyte RAM mit. Vermutlich hat zumindest das iPad Pro ebenfalls diese Ausstattung oder sogar noch eine bessere erhalten. Wie es aber um die iPhones bestellt ist, ist bisher unbekannt. Die RAM-Bestückung des iPhones hat Apple auf den letzten Keynotes nie zum Thema gemacht, üblicherweise bringen erst sogenannte Teardowns zum Verkaufsstart der Geräte Licht ins Dunkel.

Ausstattung des Apple TV

Ebenfalls kein Thema auf der gestrigen Keynote war die genaue technische Ausstattung des neuen Apple TV. Auch auf die maximal unterstützte Auflösung der Box ist Apple nicht eingegangen. Im Vorfeld wurde vielfach über den Umstieg von Full HD (1.920 × 1.080) zu Ultra HD mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten spekuliert, dazu gekommen ist es jeodch nicht. Obwohl es nicht Teil der Keynote war, ist einem offiziellen Apple-Dokument für Entwickler klar zu entnehmen, dass das neue Apple TV lediglich 1080p als maximale Auflösung unterstützt. Im Zeitalter von 50 Zoll großen UHD-Fernsehern für unter 600 Euro ist das eine durchaus interessante Entscheidung von Apple. Apps wie die von Amazon oder Netflix, die bereits natives UHD-Material anbieten, können auf dem Apple TV somit nur mit einer niedrigeren Auflösung Inhalte abspielen.

Auch die weitere Ausstattung des Apple TV ist stellenweise überraschend alt: Das verbaute A8-SoC ist vor einem Jahr mit dem iPhone 6 und 6 Plus vorgestellt worden und die Ethernet-Anbindung erfolgt mit nur 100 Mbit/s statt Gigabit. Immerhin ist mit WLAN-ac ein aktueller drahtloser Standard verbaut worden. Bisher unbekannt war zudem, dass die neue Siri-Fernbedienung nicht in allen Ländern beiliegen wird. Diese liefert Apple nur in Australien, Kanada, Frankfreich, Deutschland, Japan, Spanien, dem Vereinigten Königreich und den USA mit. Alle anderen Nationen erhalten lediglich die alte Version.