Retro-Gaming : Klassische Konsole für Spielmodule auf Indiegogo

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Retro-Gaming: Klassische Konsole für Spielmodule auf Indiegogo
Bild: Retro VGS

Spielekonsolen, die Medien nicht über DVD oder Blu-Ray aufnehmen, sind in diesem Jahrtausend eigentlich nicht mehr produziert worden. Unter der Bezeichnung Retro Video Gaming System soll nun genau ein solches Produkt als neue, flexible Plattform mit Unterstützung für Spielmodule schwarmfinanziert entstehen.

Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo veranschlagen die Entwickler, die auf langjährige Erfahrungen in der Industrie zurückblicken können, 1,95 Millionen US-Dollar für die Umsetzung des Retro VGS, das auf „alten Ideen“ aufbauen soll – Ziel sei es unter anderem, Retro-Spielen ein angemessenes Umfeld zu bieten, Titel im klassischem Stil sollen sich laut Retro VGS auch klassisch spielen lassen. Als Vorteile eines solchen Systems ohne eigentliches Betriebssystem werden die schnelle Startup-Zeit, der Verzicht auf Wartezeiten durch Updates und hohe Kompatibilität aufgeführt, da jedes Modul selbst dafür verantwortlich sei, die Hardware anzusprechen und Nutzerdaten wie Spielstände zu speichern.

Dabei soll Retro VGS ohne Internetverbindung funktionieren, keine DLCs unterstützen und 10 bis 20 Jahre oder länger spielbar bleiben. Zudem würden Spiele auf „Cartridges“ keine Patches benötigen, heißt es auf der Indiegogo-Seite. Dies gilt gleichwohl nur dann, wenn die Programmierung sauber erfolgt ist, ein Umstand, der beim Anpreisen des Gerätes nicht gesondert erwähnt wird – alle Spiele würden vor Veröffentlichung „gründlich getestet“, heißt es zu diesem Aspekt. Zum Start des Systems versprechen die Anbieter mindestens sieben verfügbare Spiele, die im Handel in einem Bereich zwischen 30 und 60 US-Dollar kosten sollen. Ausgeliefert wird jede Konsole bereits mit einer Kopie des Indie-Plattformers The Adventures of Tiny Knight.

Bereits abgeschlossen ist das Design des Retro VGS sowie der Erwerb von Rechten und Werkzeugen für die Fertigung des Gehäuses – genutzt wird aus Kostengründen die Ausrüstung, die Atari zur Produktion der Spielkonsole Jaguar gefertigt hat. Noch in diesem Jahr sollen der Bau von Hardwaredesign und die Entwicklung von Launchtiteln angestoßen werden; das Geld aus der Indiegogo-Kampagne wird für Prototypen, gesetzliche Zulassungen sowie den Beginn der Softwareentwicklung verwendet. Nach Angaben der Entwickler kommen dabei nur 33 Prozent der Summe dem Retro VGS zu Gute, die übrigen Beträge sollen für Backer-Belohnungen verwendet werden.

Retro VGS Indiegogo-Kampagne

Basis der Retro-VGS-Hardware soll ein passiv gekühlter Prozessor mit ARM-Architektur werden, der zusammen mit Composite- und HDMI-Ausgängen eine Videoausgabe in 1080p bei 60 FPS ermöglicht. Über vier USB-2.0-Anschlüsse in der Front können außerdem beliebige Controller, darunter ein von Retro VGS entwickeltes Modell, oder eine Tastatur genutzt werden. Mehrspieler-Sitzungen werden unter anderem durch die direkte Verbindung zweier Konsolen möglich sein. Die beiden D-Sub-Anschlüsse sollen hingegen die Verwendung klassischer Controller oder den Bau eigener Eingabegeräte vereinfachen.

Die Hardware des Retro VGS wird außerdem „Field-programmable Gate Arrays“ (FPGA) nutzen. Im weiteren Sinne handelt es sich dabei um programmierbare Schaltkreise, was der Konsole die Möglichkeit verleihen soll, andere Hardware zu emulieren. Kommen im Laufe der noch knapp 43 Tage laufenden Kampagne sogar 3,1 Millionen US-Dollar zusammen, soll der FPGA-Part der Hardware vergrößert werden. Dies erlaube es Retro VGS, „klassische Systeme durch Umgestaltung seiner eigenen Hardware nachzubauen“ – das System könne die Hardware seiner Ahnen in diesem Fall „duplizieren“. Werden sogar 3,8 Millionen US-Dollar eingenommen, soll die Anzahl der Arrays noch einmal knapp verdoppelt werden.

Retro VGS Sizzle Reel #1

Bislang haben die Entwickler von etwa 190 Unterstützern bereits rund 65.000 US-Dollar einnehmen können. Für einen Beitrag von 25 US-Dollar erhalten Backer einen Controller der Konsole, ab 299 US-Dollar das fertige Produkt, das im Handel frühestens Ende 2016 für rund 350 US-Dollar angeboten werden soll.