Fedora 23 : Einblick in die Neuerungen kurz vor dem Start

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Fedora 23: Einblick in die Neuerungen kurz vor dem Start
Bild: Projeto Fedora Brasil (CC BY 2.0)

Fedora 23 steht vor der Tür und Entwickler Christian Schaller gibt einen näheren Einblick in die Neuerungen und einen Ausblick auf Fedora 24. Die neue Version soll am 3. November mit einer Woche Verspätung erscheinen.

Fedora ist eine sehr innovative Distribution und bringt mit jeder neuen Version interessante Verbesserungen und neue Funktionen, die im Dunstkreis von Fedora und Gnome entwickelt werden. So bringt auch die Workstation-Variante von Fedora 23 neben den üblichen Paketupdates eine Reihe zukunftsweisender Entwicklungen, die Schaller in seinem Blog jetzt näher beleuchtet.

Als wichtigste Neuerung erachtet Schaller die Möglichkeit, Firmware-Updates aus dem System heraus zu machen, auch wenn es, wie er sagt, mehr eine Investition in die Zukunft ist, als das es jetzt bereits große Relevanz hätte. Der Grund dafür ist, dass die Hardwarehersteller gefordert sind, die sich aber bekanntermaßen, wenn es um Linux geht, eher zurückhalten. Seit Kernel 4.2 ist die dafür nötige Unterstützung für UEFI 2.5 implementiert, aber zu wenige Mainboard-Hersteller unterstützen bisher die neue Technik. Die technischen Einzelheiten des fwupd genannten Projekts hat Entwickler Richard Hughes auf der Projektseite zusammengetragen. Endanwender werden bei kompatibler Hardware über das Gnome-Modul Software auf anstehende Firmware-Updates hingewiesen und können diese dort durchführen.

Ein weiterer Punkt, auf den viel Zeit und Energie verwendet wurde ist die neue Integration des Google-Drive-Backends in den Gnome-Dateimanager Nautilus. Damit wird Google Drive voll in das System integriert und steht – Verbindung zum Internet vorausgesetzt – gleichwertig neben lokalen Ressourcen und Netzwerkanbindungen.

Wichtig für die zunehmende Schar der Notebook-Anwender ist die Option einer automatischen Helligkeitsregelung im Gnome Control Center, die sich auf Ambient Light Sensor stützt. Diese Sensoren sind im Tablets und Smartphones verbaut, viel seltener auch in Notebooks. Aber selbst dort war die Unterstützung durch Software in Linux kaum gegeben. Für Notebooks ohne entsprechenden Sensor denkt Richard Hughes über einen kleinen Dongle nach, der als Open Hardware, basierend auf dem Monitor-Calibrationstool Colourhug für wenig Geld diese Funktionalität nachrüsten könnte. Die zu erwartende nicht unerhebliche Verlängerung der Akkulaufzeiten würde dieses Projekt durchaus rechtfertigen.

Nicht zuletzt ist Fedora 23 die erste Veröffentlichung, in der das Projekt XDG-App als technische Vorschau mit ausgeliefert wird. Hierbei geht es um Sandboxed Applications und stellt eine neue Technologie zum Packen von Desktop-Applikationen dar. Dabei stehen zwei Ziele im Vordergrund: Erstens sollen Applikationen so gebaut werden können, dass sie unverändert unter vielen Distributionen lauffähig sind.

Des Weiteren soll der Sicherheitsaspekt ausgebaut werden, sodass Applikationen möglichst wenig Zugriff auf den Host haben. Für letzteres Ziel werden Techniken wie Namespaces, Cgroups, SELinux, Kdbus und Wayland eingebunden. Da Kdbus offiziell noch nicht im Kernel ist und Wayland praktisch noch nicht von Distributionen genutzt wird, konzentriert sich das Projekt vorerst auf die Wiederverwendbarkeit von Paketen in anderen Distributionen. XDG-App soll somit in etwa das Gegenstück zu Docker für den Desktop darstellen.

Während Fedora 23 demnächst verfügbar wird, hat Schaller in einer Mail an die Entwicklerliste bereits die bisher bekannten Ziele für Fedora 24 zusammengefasst. Auch dabei dreht sich viel um XDG-App. Entwickler sollen Unterstützung dafür im Gnome-Builder finden während Gnome-Software lernen soll, solcherart gebaute Apps zu installieren und zu aktualisieren. Zudem soll die Installation proprietärer Grafiktreiber vereinfacht werden.