Kommentar : Deutsche Kunden ziehen beim Preis mal wieder die A-Karte

, 121 Kommentare
Nicolas La Rocco

Seit Monaten muss der schwache Euro dafür herhalten, dass Elektronik in Deutschland zu höheren Preisen als bisher üblich verkauft wird. In letzter Zeit hat sich bei mir aber das Gefühl eingestellt, dass in dem Ausgleich des schlechten Wechselkurses auch die Chance für einen nicht kleinen Zusatzverdienst gesehen wird.

Wenn Hersteller ihre Preise anheben, um den schwachen Euro aufgrund der primär in US-Dollar getätigten Geschäfte auszugleichen, ist das ärgerlich, aber dennoch legitim und nachvollziehbar. Wenn die Preise aber derart auseinander driften, dass zwischen US-Dollar und Euro eine vorher nicht dagewesene, zusätzliche Gewinnmarge entsteht, hinterlässt das einen mehr als faden Beigeschmack.

Angefangen hatte es, als Apple die Preise für MacBooks deutlich nach oben korrigierte. Selbst mit Einbeziehung des schlechten Wechselkurses und der deutschen Mehrwertsteuer kosten MacBooks in Deutschland rund 100 Euro mehr als in den USA.

Ende September meinte dann Google, das gleiche Spiel spielen zu müssen. 379 US-Dollar kostet das Nexus 5X in den USA – nur 30 US-Dollar mehr als das Nexus 5 zwei Jahre zuvor. Kein Wunder, dass die US-Presse das Smartphone als legitimen Nachfolger und endlich wieder günstiges Nexus feierte. Selbst das Nexus 6P für 499 US-Dollar kostet mit Blick auf das Gebotene nur unwesentlich mehr.

Hierzulande werden daraus dann plötzlich 479 und 649 Euro. Wo kommen diese Mondpreise her? Das sind nach Umrechnung und Mehrwertsteuer 80 und 130 Euro Differenz. Beim teureren MacBook fallen 100 Euro Aufpreis weniger stark ins Gewicht, aber bei einem Bruchteil so teuren Smartphone? Nicht nachvollziehbar für mich.

Gestern zeigte HTC schließlich, dass sich mit dem Vorwand des Wechselkurses Reibach machen lässt. 579 Euro kostet das neue One A9 in Deutschland. Und in den USA? 399 US-Dollar! Und das auch noch mit besserer Ausstattung (3 GB RAM/32 GB Speicher). Das sind fast 160 Euro weniger und ein Schlag ins Gesicht des deutschen Kunden, der einmal mehr die A-Karte gezogen hat. Diese Praxis muss aufhören!

Hinweis: Der Inhalt dieses Kommentars gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.