3/3 Linux-Wissen : Die Desktop-Umgebung GNOME

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GNOME 3

Am Ende des zweiten Entwicklungszyklus von GNOME wurde allseits die fehlende Vision des Projekts kritisiert. Mit GNOME 2 wurden im sechsmonatigen Releasezyklus die Vorgaben erfüllt, die Entwickler waren beschäftigt, keiner blickte mehr voraus und setzte neue Wegmarken für die Zukunft. Die Entwicklung war von den Gründern in die Hände der Entwickler der großen Distributionen übergegangen. Allen voran Red Hat / Fedora, aber auch Debian, Suse und Arch Linux entwickelten GNOME schon seit einer Weile weiter.

Eigentlich sollte die Entwicklung zu GNOME 3 inkrementell verlaufen, um größere Umwälzungen und die damit verbundenen Probleme wie beim Umstieg auf KDE 4 zu vermeiden. Dennoch wurde mit der dritten Iteration vieles über den Haufen geworfen und am Ende waren Teile von Gnome 3.0 nicht mehr abwärtskompatibel zu Gnome 2.

Die wesentlichen Neuerungen

Am 6. April 2011 wurde Gnome 3.0 nach vielen Verzögerungen veröffentlicht. Augenfälligste Neuerung ist die GNOME-Shell, die das Gnome-Panel, den Desktop und den Fenstermanager durch eine Aktivitäten-basierte Oberfläche ersetzen. Der bis dahin genutzte Fenstermanager Metacity wurde dabei gegen dessen Intel-Fork Mutter ausgetauscht. Dabei wurde auch die Bibliothek Clutter integriert, die OpenGL-beschleunigte Funktionen ermöglichte.

Ebenso wie später bei KDE wurden für GTK+ 3 Funktionen aus Bibliotheken wie libgnome direkt in das Toolkit integriert. Zudem wurden Technologien wie D-Bus und Avahi weit stärker als bisher eingebunden. Bis Version 3.8 vom März 2013 wird das Erreichte konsolidiert. Der bisherige Fallback-Modus, der für Rechner ohne Hardware-beschleunigte Grafik einen 2D-Desktop zur Verfügung stellte, wird mit GNOME 3.8 vom Classic Mode abgelöst. Dieser stellt einen Desktop ähnlich dem von Gnome 2 mit Anwendungsmenü im oberen und einer Fensterliste in der unteren Leiste bereit. Zudem wurde die GNOME Shell besser konfigurierbar.

Mit GNOME 3.10 zieht im September 2013 dann erstmals rudimentäre Unterstützung für Wayland ein. Zudem ersetzten sogenannte Kopfleisten die bisherigen Titelleisten der einzelnen Fenster und die GNOME-Shell fasste einige Menüs zu einem einzigen zusammen. Bis zu GNOME 3.18 vom September 2015 wurde GNOME 3 ständig weiterentwickelt, die Unterstützung für Wayland ist mittlerweile fast komplett. In den letzten Versionen wurde die Ausrichtung auf die Tastaturbedienung weiter ausgebaut. Es wurden viele neue native Apps eingeführt, andere wurden umbenannt. Die GNOME-Apps tragen nun, nicht nur zum Verdruss der schreibenden Zunft, sehr generische Namen wie Files, Maps oder Boxes.

Kritische Aufnahme

Für viele Anwender ging das Aufräumen der GNOME-Entwickler bei Version 3 zu weit. Sie monierten, sinnvolle Funktionen würden einfach entfernt. Tatsächlich gab es als Auswuchs des Putzwahns vor einiger Zeit den Vorschlag, die Möglichkeit, mit der Maus durch Markieren Inhalte zu kopieren, die dann mit der mittleren Maustaste woanders eingesetzt werden, zu entfernen. Linus Torvalds bezeichnete in seiner oft groben Art die Entwickler bereits Ende 2005 als Interface-Nazis und empfahl die Verwendung von KDE. Er monierte damals, die Entwickler stempelten ihre Anwender zu Idioten, die durch Vielfalt nur verwirrt würden.

GNOME 3.16
GNOME 3.16

Allerdings wechselt er selbst des Öfteren die Desktop-Umgebung und erbaut uns dabei mit seiner Kritik. Auch wenn die Presse diese Äußerungen immer zum Anlass einer Nachricht nimmt, so ist Torvalds – was Desktop-Umgebungen angeht – nur ein Anwender unter Millionen und seine Wahl ohne richtungsweisende Bedeutung. Ebenso wie die Vereinfachung des Systems wurden auch die mit GNOME 3 gestiegenen Hardwareanforderungen kritisiert.

Mitgründer Miguel de Icaza wandte sich 2012 komplett von Linux ab und nutzt privat Mac OS. Er kritisiert Linux am Desktop als tot, es gebe eine Entwickler-fokussierte Kultur, die den Anwender außen vorlasse. Zudem verhindere die Fragmentierung weiteren Erfolg. Torvalds sagte daraufhin, de Icaza habe mit der Entwicklung von GNOME selbst zur Fragmentierung beigetragen.

Wegen der Entwicklung von Mono und seiner Nähe zu Microsoft stand de Icaza lange selbst in der Kritik. Ein Bericht von Techrights listet die Kritikpunkte an Mono auf. Freunde bei Linux dürfte er sich auch 2015 nicht gemacht haben, als seine Firma Xamarin eine Partnerschaft mit Oracle einging.