2/4 Jahresrückblick Linux : Neue Kernel und Liebesgrüße aus Redmond

, 57 Kommentare

Distributionen von Fedora bis Solus OS

Bei den Linux-Distributionen gab es im zu Ende gehenden Jahr zwei erkennbare Strömungen. Einerseits krempelten gestandene Distributionen wie openSUSE oder Fedora ihre Konzepte um, um sich veränderten Erwartungen der Anwender und einer sich wandelnden Marktsituation besser anpassen zu können. Andererseits entwickelte sich eine neue Art von Distributionen, die klar auf einzelne Bereiche des Computing abzielen.

Fedora

Fedora machte mit Version 21 im Dezember 2014 den Anfang. Dem vorausgegangen war mit Fedora.Next ein Jahr der Umstellung der Infrastruktur und der Aufteilung in die drei Sparten Workstation, Server und Cloud. Das Konzept scheint aufzugehen, denn die Versionen 22 und 23, die 2015 erschienen sind, verbesserten Fedora insgesamt und erweiterten den potenziellen Anwenderkreis.

Fedora 23
Fedora 23

Auch Fedoras Standard-Desktopumgebung GNOME trug mit Verbesserungen von Version zu Version zum gelungenen Gesamtbild der Distribution bei. Mit Hilfe der Unterstützung der Mutter-Distribution Red Hat gehört Fedora mit an die Spitze der Linux-Innovatoren. Stichworte der letzten Zeit sind hier beispielsweise Systemd, Sandboxed Applications oder automatisierte Firmware-Upgrades im laufenden System.

openSUSE

War bei Fedora das Problem, dass die Distribution aufgrund der neuen Strömungen wie Cloud-Computing und Containerisierung nicht mehr spezialisiert genug für die jeweiligen Anwendergruppen war, so war openSUSE in den letzten Jahre weder Fisch noch Fleisch und verlor Anwender, da einerseits für Anhänger von Stabilität die Langzeitunterstützung zu kurz war, andererseits wurden Freunde aktueller Software und Rolling Releases abgeschreckt. Die Distribution wurde vielfach als langweilig angesehen.

Das nahmen sich die Entwickler zu Herzen und verwandelten zunächst die Experimentier-Distribution Tumbleweed in ein auch für Anwender interessantes Rolling-Release-Modell. Das funktionierte so gut, dass viele Anwender und Entwickler von openSUSE zu Tumbleweed wechselten. Somit war klar, dass auch openSUSE überarbeitet werden muss, um auch für neue Anwenderschichten interessant zu werden und das etwas muffige Image ablegen zu können.

openSUSE Leap 42.1
openSUSE Leap 42.1

Das neue Konzept sah vor, eine stabile Basis, gebildet von Paketen der Mutter-Distribution SUSE Linux Enterprise Server (SLES) mit aktuellen Anwendungen zu koppeln. Das Ergebnis wurde unter dem Namen Leap 42.1 im November vorgestellt. Von insgesamt rund 7.600 ausgelieferten Paketen stammen etwa 1.500 aus dem demnächst erscheinenden Service Pack 1 der Mutterdistribution SUSE Linux Enterprise 12 (SLE12).

The reality is that Tumbleweed has captured the excitement of a huge portion of our current contributing community, and grown it greatly, and that's great, but it does have the side effect of leaving less enthusiasm and less people to work on the Regular Release.

Spezialisten

Eine neue Art von Distributionen machte sich 2015 auf, Linux zu erobern. Diese Distributionen sind meist schon bei einem Blick auf den Desktop zu erkennen, denn sie geben sich modern und aufgeräumt. Das trifft auch auf die Funktionalität zu, denn hier werden oft nur bestimmte Kernbereiche abgedeckt. So trägt etwa Chromixium seine Daseinsberechtigung bereits im Namen. Hier wurde Ubuntu mit Chrome OS verheiratet und im modernen Gewand dargeboten. Noch mehr auf Cloud-Arbeiter spezialisiert sich Apricity OS, das mutigerweise ein nacktes Arch Linux als Basis gewählt hat. Ein weiterer Neuankömmling, der in diesen Tagen seine erste stabile Veröffentlichung erlebt, könnte 2016 von sich reden machen. Solus OS ist eine weitere dieser modernen Distributionen, die, für den Desktopeinsatz prädestiniert, auf keine vorhandene Distribution setzt und auch die Desktopumgebung Budgie selbst entwickelt.

Nicht unterschlagen werden soll auch eine erst seit wenigen Tagen verfügbare Distribution aus einer Ecke, aus der man so etwas eher nicht erwartet. Intel hat sein Clear Linux OS veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Cloud-Distribution für die Intel-Architektur. Intel hat Clear Linux OS auf die Stärken seiner Hardware hin optimiert und bietet ein zustandsloses Linux mit einem eigenen, voll virtualisierten Containerformat.

Auf der nächsten Seite: Sonderfall Ubuntu