3/3 Bilanz : Ein halbes Jahr Windows 10

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Neue Funktionen nach vier Monaten

Unbeirrt der in erster Linie von Wechselunwillen vorgetragenen Kritik hat Microsoft das Versprechen, Windows 10 kontinuierlich weiter zu entwickeln, eingehalten. Anfang November 2015 erschien das erste große Update mit neuen Funktionen für Windows 10. Teilnehmer am Windows Insider Program hatten diese neuen Funktionen über vier Monate nach und nach bereits testen und nutzen können, Überraschungen gab es keine.

Neben der Möglichkeit der Aktivierung des Systems mit Keys aus Windows 7 und Windows 8(.1) waren neue Optionen für die optische Anpassung des Desktops und Funktionen für den Browser Edge und den Sprachassisstenten Cortana Teil des Updates. Mit der Überarbeitung gab Microsoft Windows 10 auch für den Einsatz in Unternehmen frei und diesen die Möglichkeit, die Übertragung von Telemetriedaten vollständig zu deaktivieren. Privatpersonen ist das auch weiterhin nicht möglich.

Die einheitliche Basis steht vorerst im Fokus

Bis zum nächsten Update (Codename Redstone) soll es Gerüchten zufolge noch eine ganze Weile dauern und die seit dem November veröffentlichten Builds im Windows Insider Program deuten darauf hin. Microsoft hat vorerst den Fokus auf OneCore, den auf allen Gerätetypen vom Internet der Dinge bis zum Server gleichen Kern des Betriebssystems, gelegt, neue Funktionen gab es bisher nicht zu testen. An die breite Öffentlichkeit dürfte Microsoft das nächste große Update aber erst verteilen, wenn es öffentlichkeitswirksame Anpassungen zu vermelden gibt.

Viele Anwender glücklich machen würde die Vereinheitlichung von Einstellungen und Systemsteuerung, die aktuell teils dasselbe, teils aber auch vollständig andere Optionen bieten. Und während die neuen Einstellungen in der Optik von Windows 10 daher kommen, erinnert die alte Systemsteuerung an Windows 7.

Mehr Kommunikation und mehr Anreize

Windows 10 ist ein sehr gutes Betriebssystem, dreißig Prozent der Leser von ComputerBase nutzen es bereits. Doch obwohl Windows 10 als kostenloses Upgrade für viele Anwender verfügbar ist, bleibt das Tempo, mit dem sich Windows 7 Ende 2009 bei ComputerBase-Lesern verbreitet hat, unerreicht. Wesentliche Gründe finden sich in noch ungenutzten Anreizen wie Spielen mit DirectX 12 sowie der von Microsoft bisher nicht im Dialog aufgegriffenen Kritik.

Für den weiteren Verlauf der weltweiten Adaption von Windows 10 wird es in diesem Jahr damit entscheidend sein, inwiefern Microsoft die bestehende Front mit wechselunwilligen Nutzern durch Kommunikation oder Eingeständnisse überwinden kann und neue Anreize wie DirectX 12, neue Endgeräte mit Windows Hello und den geräteübergreifenden Einsatz die Wechselbilanz positiver erscheinen lassen. Pünktlich zum Ende des ersten Halbjahres ist das Spiel Ashes of the Singularity immerhin als Beta erschienen. Dass das Ende der kostenlosen Upgrade-Phase am 28. Juli 2016 zu vielen Upgrades führen wird, darf hingegen bezweifelt werden.

Gleich zum Start in das neue Jahr hat der Konzern versiertere Anwender älterer Systeme allerdings erneut vor den Kopf gestoßen: Nur Windows 10 werde neue Prozessor-Generationen unterstützen, schon Skylake aus dem August 2015 sei betroffen. Liegt das an Speed Shift? Der vermeintlich umfangreiche Beitrag von Windows-Chef Terry Mayerson lässt Nutzer erneut mit fragendem Blick zurück.

Eine Rückfrage bei Microsoft Deutschland bringt wenig Substantielles zu Tage, über zukünftige Entwicklungen könne man keine Auskunft geben. Die Bitte, vergleichbare „Inkompatibilitäten“ in der Vergangenheit aufzuzeigen, um Anwendern ein Bild der Tragweite dieser möglicherweise kleinen Probleme zu zeigen, hat nach zwei Wochen ebenfalls keine Früchte getragen. Und die Prozessorhersteller verweisen auf Microsoft.

Was bleibt, ist eine Drohkulisse, deren offensichtlich geplante Anwendung daran zweifeln lässt, dass Microsoft Windows 10 der breiten Öffentlichkeit in Zukunft besser erklären wird. Das Betriebssystem hätte es allerdings verdient und Microsoft allen Grund dafür, die verbleibende Zeit bis zum Jahr 2020 für mehr Überzeugungsarbeit zu nutzen: Dann läuft der Support für Windows 7 aus.

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