3/3 Tastaturen : Features und Marketing unter der Lupe

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Repeat- und Delay-Rate sind keine Features

Repeat- und Delay-Rate sind Features, die unter verschiedenen Bezeichnungen vermarktet, aber selten vernünftig erklärt und immer als echte Füller eingesetzt werden. Beide Angaben verändern lediglich das Eingabeverhalten bei einer dauerhaft gedrückten Taste. Die Delay-Rate legt fest, wie lange es dauert, bis nach dem Herunterdrücken des Tasters und der ersten Eingabe dasselbe Signal erneut erfasst wird. Die Repeat-Rate bestimmt, in welcher Frequenz im Anschluss die erneute Ausgabe weiterer erfolgt. Beide Optionen lassen sich, sofern wirklich benötigt, auch in den Tastatureinstellungen von Windows ändern – trotz gelegentlich kreativer Bezeichnung (bei Ozone „Keys Effective Time“) werden Standard-Eigenschaften zum Feature gemacht.

Repeat- und Delay-Rate lassen unter Windows immer konfigurieren
Repeat- und Delay-Rate lassen unter Windows immer konfigurieren

Beim Key Rollover ist vieles möglich

Key Rollover („KRO“) gibt an, wie viele Signale gleichzeitig eine Tastatur mindestens übertragen kann. Die Anzahl der möglichen Eingaben hängt unter anderem von der Technik ab. Auf Rubberdome basierende Tastaturen erreichen etwa bis auf wenige Ausnahmen fast immer lediglich ein Key Rollover von 2, weshalb Hersteller diesen Wert nach Möglichkeit zu kaschieren versuchen.

Multi Key Rollover beginnt bei Zwei

Bei derartigen Tastaturen verzichten Hersteller auf die Offenlegung dieser Spezifikation. Stattdessen werden „Anti Ghosting“-Fähigkeiten oder „Multi Key Rollover“, das mit einem Wert von Zwei bereits gegeben ist, angepriesen. „Ghosting“ wird in diesem Kontext allerdings falsch verwendet: Die Bezeichnung beschreibt beim Auslösen mehrer Tasten die Erfassung weiterer, nicht gedrückter Schalter – ein Phänomen, das schon seit Jahren irrelevant geworden ist. Auch der häufig zu findende Verweis auf eine optimierte Tastenmatrix sagt wenig aus, solange der Hersteller auf die Angabe der optimierten Tastenbereiche verzichtet. Lokal werden ohnehin selbst bei einfachen „Officetastaturen“ vier bis fünf Signale korrekt erfasst, wobei Spieletastaturen diesen Wert um den „WASD“-Bereich herum oft stark anheben. Zum Spielen ist beides in der Regel völlig ausreichend.

Tastaturen mit mechanischen Tastern erreichen mindestens ein 6-KRO, maximal sogar volles N-Key-Rollover. In diesem Fall lässt sich jede Taste gleichzeitig korrekt betätigen. Erneut spielen Hersteller aber mit den Formulierungen und versprechen etwa „N-Key-Rollover: Gleichzeitiges Betätigen von bis zu 14 Tasten“ (Cherry), was zwar insgesamt eine korrekte Aussage ist, aber einen Fachbegriff in falschem Kontext benutzt. Die Aussage arbeitet jedoch auch in einer zweiten Richtung suggestiv: Angaben von Maximalwerten in „bis zu“-Formulierungen beziehen sich in der Regel auf eine einzige Tastenkombination, die fast kein Hersteller verrät. Praktisch liegt der Wert also deutlich niedriger, weshalb auch solche Formulierungen zwar nicht falsch, für den Anwender aber nutzlos sind. Dies gilt einmal mehr für wertende Adjektive der Kategorie Werbesprech: 10 Key Rollover „for extreme Anti-Ghosting“ (Razer) zu bewerben mag vieles sein, aber keinesfalls „extrem“.

Fazit

Irreführende und zum Teil sogar falsche Werbeversprechen machen auch vor Herstellern von PC-Tastaturen nicht halt. Hier hilft es Kunden nur sich zu informieren. Im Zweifel gilt: Ein Feature auf der Verpackung, dessen Mehrwert ein Käufer nicht kennt, ist gegenstandslos. Das gilt möglicher Weise auch für auf den ersten Blick vielversprechende Eigenschaften wie programmierbare Makros oder LED-Effekte: Einen Nutzen und damit den Kauf entscheidenden Charakter haben Sie nur für den, der sie im Alltag auch gebrauchen können wird – und praktische Szenarien fallen hier oft nicht ein.

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