3/4 Elite Controller & Wildcat im Test : Luxus-Gamepads von Microsoft und Razer im Duell

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Razer Wildcat

Obwohl das Gewicht des Wildcat nicht wie von Razer behauptet „exakt“ dem des Xbox-One-Controllers entspricht, halten sich die Unterschiede im engen Rahmen. Die Leichtigkeit wird allerdings teuer erkauft: Qualitativ bewegt sich das Pad auf Niveau des Standardmodells von Microsoft, muss dafür aber auf eine kabellose Signalübertragung verzichten. Dass Razer zwar ein drei Meter langes Kabel beilegt, aber die Verwendung handelsüblicher Kabel (etwa Amazon Basics) durch die Führung des Steckers unterbindet, ist bei einem solch teuren Produkt unverständlich.

Maustaster für das Gamepad

Razer bewirbt das Wildcat mit einer Abstimmung, die als „hyperresponsiv“ beschrieben wird. Gemeint ist damit vor allem eine Eigenheit der Tasten, die sich mit minimalem Kraftaufwand auslösen und nur geringfügig eindrücken lassen. Dies fängt bereits bei den Triggern an, die beim Eindrücken weniger Widerstand bieten als die Gegenstücke der Microsoft-Controller. Auch die Thumbsticks sind leichtgängiger, wobei dieser Eindruck durch die vergrößerte Oberfläche ebenso wie höherwertige Materialien entsteht. Diese Auslegung vermittelt erfolgreich ein Gefühl von Kontrolle und Präzision.

Die Zusatz- sowie ABXY-Tasten sind mit leichtgängigen Mikrotastern ausgestattet, Klangbild und Feedback entsprechen dem Tastendruck einer Maus – ein Fachgebiet von Razer. Gegenüber den Rubberdome-Varianten der Microsoft-Controller halbiert sich der Hubweg. Ähnlich mühelos lassen sich die Schultertasten betätigen. Wie bei allen Signalübertragungen hat das Auslösen eines Signals etwas Beiläufiges, was minimale Reaktionszeiten suggeriert – auch wenn damit keine beobachtbaren Vorteile einhergehen. Diese Kontrolle und Präzision versprechende Abstimmung gefiel im Test auf subjektiver Basis besser als die edle und flexiblere Variante von Microsoft, der dies nicht ganz in gleichem Maß gelingt.

Die Qualität schwankt

In einem Punkt wird der Controller seinem Preis jedoch nicht gerecht: Die Menütasten und das D-Pad weisen einen hohen Widerstand auf und liefern zwar eine klare, aber gefühlt hakende Rückmeldung. Der Eindruck steht in starkem Kontrast zu den übrigen Tasten und dem Preis des Controllers. Außerdem klappern beim Einsatz der Force-Feedback-Motoren die Kappen der vier Buttons in ihren Führungen. Verglichen mit dem Elite Controller von Microsoft wirken die Effekte gröber und weniger fein austariert, was möglicherweise auf das niedrigere Eigengewicht zurückzuführen ist.

Razer Wildcat im Test

Ein vorteilhaftes Layout

Die zusätzlichen Taster sind bei Razer grundsätzlich sinnvoller angeordnet als bei Microsoft; sie lassen sich zwar nicht mit der gleichen ergonomischen Qualität betätigen, aber trotz ihrer Leichtgängigkeit nur bewusst und nicht aus Versehen auslösen. Die zusätzlichen Trigger auf der Unterseite erfordern eine kurze Umgewöhnung, weil sie mit der gewohnten Handposition kollidieren. Sobald der Controller in der Handfläche ein Stück nach vorne geschoben wird, besteht jedoch ohne ergonomische Nachteile auch für die Trigger keine Berührungsgefahr mehr. Sie sind zwar mühelos zu erreichen, können aber nicht zusammen mit den Triggern genutzt werden.

Aufgrund des geringen Widerstandes der Taster reicht es für einen Klick, den zusätzlichen Trigger an einer Ecke leicht zu berühren, die Griffmulde ist so ein optionales Extra. Dies ist allerdings zwingend nötig, denn der Umbau setzt einen beiliegenden Schraubendreher voraus, sodass einem stärker universell nutzbaren Layout größere Relevanz zukommt. Der Bedienkomfort erreicht allerdings nicht in Gänze das Niveau des Elite Controllers, dessen Konfiguration mit zwei Paddles mit besserer Ergonomie und Komfort überzeugt.

Dass sich der Razer Wildcat im Vollausbau dennoch mit einem natürlichen Griff halten lässt, ohne Finger zwingend auf oder um zusätzliche Tasten legen zu müssen, hat sich bei längerem Einsatz im täglichen Gebrauch bewährt – wenngleich sich die optimale Konfiguration des Elite Controllers natürlicher nutzen lässt. Beim Ausprobieren verschiedener Tastenbelegungen erscheint die On-the-fly-Programmierung von Razer sinnvoller als der von Microsoft gewählte Umweg über eine App, die zunächst geladen werden muss.

Trigger-Sperren & Hair Trigger

Ein Feature beider Controller sind Trigger-Sperren, deren Aktivierung den Hubweg der beiden Trigger halbiert. Dies soll in Shootern und Actionspielen, bei denen diese Tasten lediglich eine Eingabe und anders als zum Beispiel bei Rennspielen nicht deren Stärke erfassen, die Reaktionszeiten senken. Dieses Feature führt dazu, dass das Anlegen und Abfeuern von Waffen wie am PC mit der Maus auf Tastendruck geschieht. Das fühlt sich natürlich an, wirkt sich aber nicht unmittelbar auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus, da der Punkt, ab dem die gewünschte Aktion ausgeführt wird, nicht vorverlegt wird.

Beide Controller bieten allerdings die Möglichkeit, die Relation von Wegstrecke und Signalerfassung zu verändern. Dies kann durchaus sinnvoll sein: In Halo 5 und Metal Gear Solid V ist es nach Aktivierung der Sperren mit einem Standardprofil bei Razer aufgrund des stärker verkürzten Hubs nicht möglich, einen Schuss abzufeuern, weil die nötige Signalstärke erst nach dem verfügbaren Bereich ausgegeben wird. Microsoft erreicht den definierten Signalpunkt aufgrund weniger restriktiven Sperren hingegen ohne Probleme, wobei über die Zubehör-App die Möglichkeit besteht, die Korrelation von Wegstrecke und dem generierten Signal zu beeinflussen – es ist also möglich, die maximale Signalstärke bereits bei minimalem Eindrücken der Trigger zu übertragen.

Hair Trigger sichern Spielbarkeit

Razer bietet eine solche, in den getesteten Spielen zwingend notwendige Funktion unter der Bezeichnung „Hair Trigger“ ebenfalls an, verfehlt aber, die Funktion im Handbuch vernünftig zu erklären – das Unternehmen verspricht unbestimmt schnellere Reaktionszeiten, ohne auf Auswirkungen der Funktion einzugehen. Tatsächlich wird nach Aktivierung der „Hair Trigger“ der „Signalpunkt“ vorverlegt, wobei allerdings keine Möglichkeit manueller Einflussnahme durch den Spieler besteht.

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