Wirtschaft : Microsoft verpflichtet „Mr. Linux“

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Wirtschaft: Microsoft verpflichtet „Mr. Linux“

Wim Coekaerts, bisher bei Oracle als Vice President zuständig für Linux und Virtualisierung, wechselt zu Microsoft. Der als „Mr. Linux“ bekannte Entwickler arbeitete 21 Jahre bei Oracle, stellte das Unternehmen intern auf Linux um und entwickelte Oracle Linux.

Mit dem Wechsel von Wim Coekaerts zu Microsoft verliert Oracle-Chef Larry Ellison einen Angestellten, der das Unternehmen maßgeblich in die Richtung gelenkt hat, mit der es heute Milliardenumsätze einfährt und der sich dabei den Spitznamen „Mr. Linux“ erwarb.

Von Sun Microsystems zu Linux

Coekaerts stellte zu Beginn des neuen Jahrtausends alle Bereiche des Unternehmens intern und in den Produkten auf Linux um. So konnte Oracle 2003 bereits IBM mit Datenbankprodukten unter Linux vom ersten Platz verdrängen. Coekaerts stellte dabei für die Entwickler von Rechnern von Sun Microsystems auf solche mit Software von Red Hat und Novell um.

Im Jahr 2006 veröffentlicht Oracle dann einen Clone von Red Hats Enterprise Linux, nannte es „Unbreakable Linux“ und bot den Support günstiger an als Red Hat selbst. Auch dahinter stand Coekaerts, der 1995 als jüngster Angestellter bei Oracles Helpdesk seine Karriere begann.

Genialer Schachzug

Microsoft hat bereits bestätigt, dass man „Mr. Linux“ abwerben konnte. In Redmond wird Coekaerts als Vice President of Open Source in der Enterprise Cloud Group tätig sein. Mike Neil, Microsofts Corporate Vice President of the Enterprise Cloud, sagte dazu: „Während wir unsere Hinwendung zu Open Source stärken, wird Wim sich auf die Vertiefung unseres Engagements, der Beiträge und Neuerungen für die Open-Source-Community kümmern.“

Dass daraus ein MS-Linux für den Cloud-Computing-Bereich bei Microsoft wird, wäre nach den Entwicklungen bei Microsoft in den letzten Monaten nicht mehr weiter überraschend. Auf jeden Fall hat man in Redmond dafür den richtigen Mann angeheuert.

In den letzten Monaten hatte Microsoft mit der Freigabe verschiedener Dienste als Open Source Anwender wie Experten verblüfft. Nach der Öffnung großer Teile des .Net-Frameworks, des Editors Visual Studio Code und der JavaScript-Engine Chakra wurden in den letzten Wochen die baldige Verfügbarkeit des MS SQL-Server unter Linux sowie die Einbindung der Bash in Windows 10 bekanntgegeben.