2/4 Overwatch im Test : Mit MOBA-Helden auf Höhenflug

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Kommunikation lohnt

Helden und ihre Fähigkeiten sind so nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern zugleich ein Schlüssel für die taktische Dimension des Shooters, weil sie die Möglichkeiten und das Vorgehen eines Teams abhängig von dessen Figurenwahl massiv beeinflussen. Viele Talente lassen sich – vor allem klassenübergreifend – mit großem Nutzen miteinander kombinieren oder kreativ einsetzen. Zaryas Gravitonbombe zieht etwa feindliche Helden wie ein schwarzes Loch an, was sich wunderbar mit einem Raketenschwarm von Phara abrunden lässt; so lässt sich ein unvorsichtiges Team binnen Sekunden größtenteils auslöschen.

Diese Synergieeffekte überlegt auszunutzen ist also sinnvoll und setzt zugleich ein taktisches Metaspiel in Gang. Weil Spieler Helden jederzeit wechseln können, wird das Ändern der Zusammenstellung zu einem wichtigen Faktor für Erfolg, etwa um auf Stellen einer Karte auf Veränderungen des gegnerischen Teams zu reagieren oder um Helden in Schlüsselpositionen auszukontern. Das wiederum ist auf verschiedene Weisen und mit unterschiedlichen Fertigkeiten möglich und mündet damit nicht in einem allzu einfachen Stein-Schere-Papier-Prinzip. Das Balancing fordert so zwar mitunter den Denkapparat, erscheint aber insgesamt gelungen. Selbst Bastion, der als Gatling-Geschütz ganze Teams im Alleingang stoppen kann, lässt sich mittlerweile gut vom Schlachtfeld entfernen – wenn man weiß, wie.

Der richtige Einsatz ultimativer Fähigkeiten kann spielentscheidend sein
Der richtige Einsatz ultimativer Fähigkeiten kann spielentscheidend sein

Heldenschach fordert graue Zellen

Oft bleibt ein Team deshalb nicht statisch; vor allem bei deutlich ungleichen Partien experimentiert die unterlegene Seite häufig im schnellen Wechsel, was dazu führen kann, dass ein Durchmarsch kurz vor dem Ziel in der völligen Niederlage endet und ein siegesgewisses Team plötzlich auf hartnäckigen Widerstand trifft und wiederum hektisch reagiert. Gänzlich freigestellt wird der Wechsel allerdings nicht: Der Ladezustand der ultimativen Fähigkeit geht stets verloren, was aufgrund deren Schlagkraft berücksichtigt sein will. Das macht den Heldenwechsel zu einer bewussten und überlegten Entscheidung und betont dessen Wichtigkeit im Spiel.

Overwatch ist nicht nur ein schneller Shooter, bei dem es bloß auf Geschick im Umgang mit der Maus ankommt, sondern auch ein schneller Shooter, der den Einsatz grauer Zellen belohnt. Kreative Spielzüge und Positionen, die geschickte, situativ angepasste Verwendung von Fertigkeiten, die sich wunderbar kombinieren lassen, sowie der Blick auf das gegnerische Team und dessen noch lebenden Mitglieder, die die eigenen Möglichkeiten beeinflussen, sind durchaus strategische Elemente, die dem MOBA-Genre zugeschrieben werden. So liegt ein weiterer Eckpfeiler auf dem Team und der Kommunikation.

Teamplay lohnt: Hier profitiert Bastion vom Energieschild seines Kollegen
Teamplay lohnt: Hier profitiert Bastion vom Energieschild seines Kollegen

Viele Schwächen lassen sich gemeinsam kompensieren, auch weil nicht jeder Held an jede Stelle der Karte gelangen und damit nicht jede Route benutzen kann, was unter anderem Verteidigungsstellungen oder Flankierungsmöglichkeiten gemäß der zugedachten Rolle eröffnet. Zugleich lassen sich auch Helden finden, die einsteigerfreundlich gehalten wurden und auch in Shootern ungeübte Spieler zu wertvollen Teilen des Teams werden lassen. Diese können unter anderem mit Mercy als Heiler agieren, weil sich die Dame vor allem auf das eigene Team konzentriert und nur selten im direkten Zweikampf gespielt werden muss.

„Ah, das geht auch!“

Diese Kombinationsmöglichkeiten sorgen dafür, dass sich Overwatch auch nach dutzenden Stunden noch immer frisch anfühlt. Obwohl die Karten zur Genüge bekannt sind und sich häufig wiederholen, werden Spieler immer wieder mit neuen Taktiken oder Klimmzügen überrascht. Darin offenbart sich ein gewisser Anspruch, der sich unter anderem in der Akustik widerspiegelt: Man kann gut hören, was andere Spieler spielen und machen.

Wie alle guten Spiele kann man Overwatch aber trotzdem einfach spielen und, auch dank des funktionierenden Matchmakings, das zumeist Spieler ähnlichen Niveaus zusammenspannt, ordentlich unterhalten werden. Einen Turbo zündet die Unterhaltung aber erst mit ein paar Bekannten, weil die Kommunikation mit Fremden immer ein Glücksspiel ist – und sich so die taktische Teamdimension weit besser erschließen lässt.

Die beste Szene des Matches wird als Highlight präsentiert
Die beste Szene des Matches wird als Highlight präsentiert

Details, Details, Details

Dazu steckt die Spielwelt voller Details. Poster auf den Karten, Basketbälle zum Spielen und das Geplänkel zwischen verschiedenen Helden vor dem Rundenstart hauchen dem Spiel trotz fehlender Einzelspieler-Inhalte Atmosphäre ein. Zugleich versucht Blizzard kaum verholen, den „Sport“ in E-Sport ans Tageslicht zu holen, indem coole Manöver nach Rundenende im „Play of the Game“ gezeigt werden, das zu einer Art Highlight-Show aus Sportübertragungen wird. Der passende Competitive-Modus mit Ranglisten und Ligen fehlt allerdings noch und wird voraussichtlich Ende Juni nachgereicht.

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