3/5 Xiaomi Mi4s im Test : Wenn gut und günstig trotzdem zu teuer ist

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Leistung auf gutem Niveau

Für Vortrieb sorgt im Mi4s der Qualcomm Snapdragon 808, auf den auch einige Flaggschiffe des letzten Jahres, wie das LG G4 oder das Lumia 950, setzen. Das System-on-a-Chip bietet insgesamt sechs Kerne auf zwei Cluster aufgeteilt. Diese sind unterteilt in zwei Cortex-A57-Kerne mit einer maximalen Taktrate von 1,8 GHz sowie vier Cortex-A53-Kerne mit bis zu 1,44 GHz Takt. Für Grafikleistung ist die Adreno 418 mit bis zu 600 MHz verantwortlich. Der Arbeitsspeicher ist mit 3 GByte groß bemessen.

Flüssig und reaktionsfreudig

Selbst Xiaomi-Smartphones mit schwächerer Ausstattung und MIUI laufen sehr flüssig, und das Mi4s bildet keine Ausnahme. Apps und Webseiten werden schnell geöffnet und auch der Wechsel zwischen geöffneten Anwendungen gelingt zügig. Das Mi4s ist reaktionsfreudig, die Bedienung erfolgt zügig. Ruckler sind im Alltagsbetrieb nicht auszumachen. Nur die Reaktionsfreudigkeit und allgemeine Leistung des MIUI-Browsers trübt den guten Eindruck, hier ist die Installation anderer Browser ratsam.

Auch wenn der Snapdragon 808 nicht mehr ganz taufrisch ist, so ist das in 20 nm gefertigte SoC nach wie vor leistungsfähig genug. Neben der hohen Leistung im Alltag bescheinigen dies auch die synthetische Messungen. Wie erwartet bleiben sehr hohe Positionen allerdings aus. Am meisten profitiert das Smartphone bei Benchmarks, die alle Kerne betrachten, da alle sechs Kerne nach big.LITTLE-Architektur zusammenarbeiten können. Eine Alternative zum Snapdragon 808 wäre der Snapdragon 652, der über vier Cortex-A72-Kerne verfügt, die als effizientere und stärkere Nachfolger des Cortex-A57 gelten. Dafür wird der Snapdragon 652 aber noch in 28 nm gefertigt.

GPU-Leistung unter dem Niveau der CPU

Nicht ganz mit der CPU-Leistung kann die GPU mithalten. Die Adreno 418 ist im Vergleich zum letztjährigen Topmodell 430 stark beschnitten. Die Leistung der GPU ordnet sich je nach Messung zwischen älteren Smartphones mit Snapdragon 801 oder 805 ein. Erwartungsgemäß liegt das Modell ungefähr auf einer Ebene mit dem Nexus 5X und LG G4. Auf Distanz halten kann Xiaomis Anwärter andere Mittelklasse-Modelle im Bereich um 250 bis 300 Euro, wie etwa das HTC One A9 oder Moto G4 Plus.

Insgesamt betrachtet ist die Leistung des Mi4s zufriedenstellend und angemessen, die Ergebnisse orientieren sich an einigen mittlerweile günstigen Oberklasse-Modellen aus dem letzten Jahr. Dabei kann das Smartphone auch andere Mittelklasse-Anwärter auf Distanz halten, große Überraschungen bleiben aber aus.

MIUI in gewohnter Form

Erwartungsgemäß stülpt Xiaomi die MIUI-Oberfläche über das eingesetzte Android 5.1.1. Dabei handelt es sich um MIUI 7, die neue Version 8 gibt es seit 1. Juni als Beta unter anderem für das Mi4s, das Mi5, das Redmi 3 oder auch das Redmi Note 3.

MIUI entfernt sich deutlich von Googles Android und verändert das Betriebssystem in beinahe jeder Hinsicht. Dabei legt Xiaomi großen Wert auf Personalisierung, unter anderem durch Themes, einen Einhandmodus, anpassbare Funktionen der kapazitiven Knöpfe oder die Einstellung der Status-LED. Bekanntermaßen bietet MIUI viele Menüs mit weiteren Untermenüs, so dass die Tiefe der Einstellungen teils verwirrend sein kann. Trotzdem ist die Oberfläche größtenteil übersichtlich und aufgeräumt und leicht zu bedienen.

Benachrichtigungen und Schnellzugriffe sind auf zwei Seiten voneinander getrennt. Einen App-Drawer gibt es wie bei vielen chinesischen Oberflächen nicht, auch Huawei verzichtet in der EMUI darauf. Alle Apps verteilen sich über die Homescreens, Ordner sorgen optional für Übersicht.

Keine deutsche Sprache und keine Play Services

Sofern das importierte Smartphone mit der chinesischen Originalfirmware geliefert wird, gilt es nach wie vor den Wegfall sämtlicher Google-Dienste sowie der deutschen Sprache zu beachten. Manche Händler installieren teilweise die Play Services und/oder ein EU-Rom vor dem Versand. Durch den von Xiaomi seit einiger Zeit gesperrten Bootloader wurde die Installation anderer ROMs aber erschwert. Die Entsperrung muss bei Xiaomi beantragt werden und benötigt einige Tage Zeit. Für einige Smartphones gibt es Anleitungen, ohne Root oder Entsperrung des Bootloaders Sprachpakete oder andere ROMs zu installieren. Das geschieht aber immer auf eigene Gefahr und bietet sich nicht unbedingt für unbewanderte Nutzer an.

Finger werden schnell und zuverlässig erkannt

Fingerabdrucksensor
Fingerabdrucksensor

Der auf der Rückseite platzierte Fingerabdrucksensor lässt sich in wenigen Schritten einrichten und funktioniert daraufhin zuverlässig und schnell. Probleme bereiten hier, wie bei anderen Smartphones auch, feuchte Finger. Der Sensor reagiert auch im Standby, so dass das Smartphone nach dem Auflegen entsperrt und einsatzbereit ist.

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