3/4 Huawei MateBook im Test : Von Null auf 2-in-1 mit einer erfolgreichen Premiere

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Die Tastatur ist Erstlingswerk

Huawei liefert das MateBook anders als Microsoft das Surface Pro 4 gleich mit Tastatur aus. Dafür liegt bei Microsoft der Surface Pen mit im Karton, der bei Huawei erst gegen Aufpreis als Zubehör erhältlich ist. In den meisten Fällen ist eine beigelegte Tastatur aber klar das bessere kostenlose Zubehör, da es im Alltag viel häufiger benötigt wird.

Auch bei Huawei fungiert die Tastatur als Cover und Ständer für das Tablet. Die Tastatur liegt im geschlossenen Zustand auf dem Display auf, die Rückseite wird von den ersten beiden faltbaren Bereichen des Ständers geschützt und zum Schluss faltet sich das letzte Segment wieder über die Vorderseite und wird dort magnetisch gehalten.

Nur zwei Winkel für das Display

Das MateBook ist unter anderem so dünn, weil kein Kickstand integriert ist, sondern nur das Tastatur-Cover (507 Gramm) diese Rolle übernimmt. Dafür lässt sich ein Teil des Covers magnetisch an zwei Stellen der Rückseite des Tablets befestigen. Die unterste Arretierung stellt das Tablet mit einem Winkel von 115/65 Grad (Vorderseite/Rückseite) zur Tischplatte auf, bei der höheren Arretierung sind es 125/55 Grad.

Obwohl Huawei vor allem mit der zweiten Einstellung einen fürs Arbeiten gut geeigneten Winkel ermöglicht, sind nur zwei Positionen für das Display eindeutig zu wenige. Hier hat Microsoft mit der stufenlosen Arretierung über den Kickstand derzeit die bessere Lösung. Außerdem hätten die Magnete bei Huawei noch etwas stärker ausfallen können, die Konstruktion hinterlässt insbesondere während der Touch-Bedienung einen etwas instabilen Eindruck. Im geschlossenen Zustand halten die Magnete gut.

Sehr großes und glattes Trackpad

Huaweis Tastatur besteht aus 1,8 × 1,8 Zentimeter großen Tasten, die über einen Hub von circa 1,5 Millimeter verfügen und die nahtlos über eine Breite von 26,3 Zentimetern aneinandergereiht sind. Die Tasten lassen sich in vier Stufen beleuchten, was bis auf den Bereich um die Escape-Taste auch ziemlich gleichmäßig erfolgt. Für ein 2-in-1 fällt das Trackpad sehr groß aus. Mit 9,7 × 6 Zentimetern übertrifft es die Trackpads von Microsoft und Samsung. Die Gleiteigenschaften des Trackpads sind ebenfalls gut, nur das Ansprechverhalten auf Bewegungen des Fingers könnte noch eine Nuance schneller ausfallen. In Summe ist das Trackpad für ein Erstlingswerk aber sehr gut.

Tastatur wippt mit jedem Tastenanschlag

Das Tippgefühl der Tastatur schneidet hingegen schlechter ab. Das liegt aber nicht etwa am Layout, bei dem Huawei eine gute Aufteilung der Tasten gefunden hat, sondern am Konstrukt darunter beziehungsweise am Übergang zum Tablet-Dock und dem faltbaren Bereich. Der erste Nachteil ist, dass bei Huawei die Tastatur immer flach auf dem Tisch aufliegt, während sie zum Beispiel beim Surface Pro 4 über eine faltbare Stelle über den F-Tasten am unteren Displayrand magnetisch fixiert und so schräg angestellt werden kann. Zum anderen wird das Display-Dock durch Einstecken des Tablets leicht nach hinten geneigt, wodurch die Tastatur wenige Millimeter angehoben wird. Das hat zur Folge, dass das Cover mit jedem Tastenanschlag nachgibt und anfängt zu wippen.

Neuland für Huawei

Der Aufbau des Tastatur-Covers lässt klar erkennen, dass Huawei in diesem Bereich noch Erfahrung sammeln muss – so wie es einst auch Microsoft mit dem ersten Surface Pro musste. Am Tablet selbst gibt es hinsichtlich seiner Konstruktion nichts auszusetzen – dank Huaweis jahrelanger Erfahrung im Bau von Smartphones und Tablets. Bei Tastaturen aber betritt das Unternehmen Neuland, und das macht sich auch bemerkbar.

Akku für einen halben Tag

Huawei verspricht mit dem MateBook einen Begleiter für den ganzen Tag geschaffen zu haben. Das stimmt aber nur, wenn der Arbeitstag von vielen Pausen unterbrochen und das Gerät in dieser Zeit nicht benutzt wird. Im PCMark Work, der typische Office-Arbeiten auf dem Gerät durchführt, erreicht das MateBook eine Laufzeit von viereinhalb Stunden bei ununterbrochener Nutzung. Das MateBook schneidet damit aber trotzdem besser ab als alle getesteten Surface Pro 4. Nur das Galaxy TabPro S mit Core m3, AMOLED-Display und etwas größerem Akku muss das MateBook ziehen lassen.

Besser sieht es für das MateBook bei der freizeitlichen Nutzung aus. Einen per WLAN (5 GHz) über YouTube gestreamten Film in 720p-Auflösung spielt das Gerät für siebeneinhalb Stunden ab. Huawei verspricht – für Offline-Video – bis zu neun Stunden Laufzeit, was nachvollziehbar ist. Auch hier schlägt das MateBook wieder alle Surface Pro 4 und landet rund eine Stunde hinter dem Galaxy TabPro S.

USB-Typ-C-Netzteil mit bis zu 24 Watt
USB-Typ-C-Netzteil mit bis zu 24 Watt

In Summe ist die Laufzeit des MateBook weder besonders gut, noch besonders schlecht – durchschnittlich trifft es. Angenehm niedrig fällt der Standby-Verbrauch aus: Etwas mehr als ein Prozent Akkuladung geht pro Stunde verloren. Aufgeladen ist das Gerät in den vom Hersteller versprochenen 90 Minuten. Huawei nutzt dafür ein USB-Typ-C-Netzteil, das bis zu 24 Watt liefert. Dieses ist erfreulicherweise kaum größer und schwerer als ein handelsübliches Smartphone-Netzteil.

Zubehör: MatePen und MateDock

Zwei Produkte bietet Huawei als Zubehör für das MateBook an, zum einen den MatePen und zum anderen das MateDock. Bei dem MatePen für 69 Euro handelt es sich um einen Wacom-Stylus mit 2.048 Druckstufen. Im Lieferumfang befindet sich neben der bereits aufgesteckten noch eine zweite Stiftspitze. Der Stift wiegt 16 Gramm und ist in drei Bereiche aufgeteilt. Im vorderen Bereich sitzen zwei Knöpfe, denen Funktionen innerhalb von Apps oder Programmstarts zugewiesen werden können. Weil der Stift auch ein Presenter ist, lässt sich über die beiden Tasten vorwärts und rückwärts in Präsentationen navigieren, zum Beispiel in Microsoft PowerPoint oder OpenOffice Impress.

Das Griffstück in der Mitte ist geriffelt, sitzt aber etwas zu hoch, um die Stifthaltung positiv zu beeinflussen. Beim Zeichnen auf dem Tablet sitzen Daumen und Zeigefinger im Regelfall deutlich weiter unten. Die Spitze bewegt sich dabei nicht zu leichtgängig über das Displayglas, der Widerstand versucht einen Stift auf Papier zu emulieren. Das gelingt naturgemäß nur eingeschränkt, die Präzision des Stiftes ist aber hoch.

Laserpointer im Stiftende

Besonderer Clou des MatePen ist das hintere Drittel. Hier sitzt eine weitere Taste, die den integrierten Laserpointer aktiviert. Der Laser nach Klasse 2 ist vor allem für Präsentationen ausgelegt. Ohne Hindernisse wie Glasscheiben lassen sich auch bei Tageslicht Entfernungen von mindesten zehn Metern überbrücken.

Huawei gibt für den Stylus eine Laufzeit von rund 100 Tagen an. Geladen wird der Stift über einen Micro-USB-Anschluss, der zum Vorschein kommt, wenn das hintere Drittel des MatePen abgezogen wird. Das Aufladen dauert etwa zwei Stunden.

Dock mit fünf Anschlüssen für 99 Euro

Das zweite Zubehör ist das MateDock für 99 Euro, das das MateBook um fünf Anschlüsse erweitert. Das MateDock ist 10,2 × 5,8 × 1,8 (L×B×H) Zentimeter groß, wiegt 127 Gramm und wird über ein 15 Zentimeter langes USB-Typ-C-Kabel nach Standard 3.0 mit dem MateBook verbunden. Auf der Seite des Anschlusses bietet es Gigabit-LAN und zweimal USB 3.0. Die obere Buchse liefert zum Laden bis zu 5 V/0,5 A, die untere bis zu 5 V/0,9 A. Rechts davon sitzt ein weiterer USB-Typ-C-Anschluss, der aber nur zum Laden des Tablets vorgesehen ist. Darüber lässt sich das Stromkabel durchschleifen, damit diese Funktion bei Nutzung des Docks nicht verloren geht.

HDMI für bis zu 1.920 × 1.200 Pixel

Auf der gegenüberliegenden Seite des MateDock befinden sich Videoanschlüsse für VGA und HDMI. Welcher HDMI-Standard geboten wird, ist von Huawei nicht öffentlich dokumentiert, eine entsprechende Anfrage dazu läuft noch beim Hersteller. Im Test ließ sich über die Buchse aber maximal ein Videosignal mit 1.920 × 1.200 Bildpunkten und 60 Hertz ausgeben. Auf Monitoren mit 3.840 × 2.160 oder 2.560 × 1.440 Pixeln kann keine höhere Auflösung als Full HD ausgewählt werden, unabhängig davon, ob das externe Display zum Spiegeln oder als einzige Anzeige exklusiv verwendet wird. Wird den Intel-Einstellungen der GPU manuell eine Auflösung über Full HD hinzugefügt, verweigert das System die Übernahme mit Hinweis auf Bandbreitenüberschreitung.

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