350-Watt-Netzteile im Test: Corsair VS350 2.0 und Cougar STX 350 für unter 40 Euro

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Nico Schleippmann (+1)
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Technik

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt der Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

Auf der technischen Seite ähneln sich die beiden Testkandidaten stark. Als Hauptkonverter gibt es einen Double-Forward-Wandler mit SBR-Dioden auf der Sekundärseite zur Gleichrichtung. Die Ausgangsspannungen werden nicht unabhängig geregelt, was einer typischen Gruppenregulierung entspricht. Ebenso wird auf 3,3 V per Magnetverstärker gewandelt, anstatt mittels eines DC-DC-Wandlers.

Technische Daten Corsair Cougar
Eingangsfilterung
Filterbauteile 2 X-, 4 Y-Kondensatoren, 3 Spulen 2 X-, 4 Y-Kondensatoren, 2 Spulen, 1 Ferritkern
Absicherung MOV, Schmelzsicherung Schmelzsicherung
Kondensatoren
Primärseite Aishi (WK-Serie) 400 V, 150 µF, 85 °C Teapo (LH-Serie) 400 V, 180 µF, 85 °C
Sekundärseite Capxon (KF-Serie) für +12 V,
Sus'con (MF-Serie), Samxon (GF-Serie) und
Capxon (GF-Serie) für 3,3 V und 5 V,
Samxon (GF-Serie) für 5 VSB
Teapo (SC-Serie)
Lüfter
Modellbezeichnung Yate Loon D12SM-12 Cougar EFS-12E12H
Technische Daten 1.650 U/Min, Sleeve-Gleitlager Sleeve-Gleitlager
Schutzschaltungen
Supervisor-IC Sitronix ST9S429-PG14 Weltrend WT7527
Integrierte Schutzschaltungen OVP, UVP, SCP, OCP (2 x +12 V)

Die Plattform des VS350 basiert auf der GP-Serie des Fertigers CWT. Dem Kostendruck geschuldet, fällt an der Eingangsbuchse bereits die erste Sparmaßnahme auf: Anstatt dass der X-Kondensator bei Bedarf mittels eines ICs entladen wird, gibt es nur einen Widerstand parallel zum Kondensator, der dauerhaft Verluste macht. Positiv fällt dafür die Verwendung eines MOV auf, der einen passiven Schutz gegen Überspannungen darstellt.

Als Zwischenkreiskondensator kommt ein eher kostengünstiges Fabrikat von Aishi zum Einsatz, dessen Kapazität wahrscheinlich nicht ausreicht, um eine Stützzeit von 17 ms zu erreichen. Entsprechend der Lastverteilung gibt es zur Gleichrichtung der +12-Volt-Schiene zwei SBR-Dioden, während den Minor-Rails mit 5 und 3,3 V jeweils nur eine SBR-Diode bereitsteht. Obwohl der Supervisor-IC zwei OCP-Kanäle besitzt, gibt es nur eine +12-Volt-Schiene. Zum Stromabgriff wurden entsprechende Leitungen zum Supervisor-IC gelegt. Die Umsetzung des Überstromschutzes weist jedoch Mängel auf, wie die Messungen zeigen. Die Kondensatorbestückung der Sekundärseite ist in dieser Preisklasse zweckmäßig. Einzig der dauerhaft aktiven 5-VSB-Schiene hätte ein höherwertiges Modell gutgetan. Der Lüfter nutzt ein einfaches Gleitlager, das eine eher geringe Lebenserwartung bedeutet. Es gibt einige von Hand verlötete Stellen, für die es zwar Verbesserungspotenzial gibt, die sich aber nicht als problematisch herausstellen.

Das Cougar STX 350 wird vom Mutterkonzern Compucase/HEC hergestellt. Die Umsetzung der Eingangsfilterung ist bis auf den fehlenden MOV einwandfrei. Als Zwischenkreiskondensator hat sich Cougar für ein kostengünstigeres Modell von Teapo entschieden. Zur Kühlung der Leistungshalbleiter gibt es Aluminiumschienen auf Primär- und Sekundärseite, wobei die Temperatur zur Lüfterregelung vom sekundären Kühlkörper abgegriffen wird.

Die Gleichrichtung der +12-Volt-Schiene erfolgt über nur eine SBR-Diode wie die der 3,3-Volt-Schiene. Obwohl die 5-Volt-Schiene verglichen mit den beiden anderen mit dem geringsten Strom spezifiziert ist, gibt es für diese zwei SBR-Dioden, was einen prinzipiell höheren Strom bei gleichzeitig besserer Effizienz bedeutet. Da die +12-Volt-Schiene wesentlich wichtiger ist, wäre hier eine Parallelschaltung des Gleichrichters sinnvoller gewesen. Die Ausgangsfilterung mit Teapo-SC-Serie-Elkos ist eher unterdurchschnittlich, wobei es im STX 350 drei Elkos für die 12-Volt-Schiene gegenüber den zwei des VS350 gibt. Das Gleiche gilt für die 5-VSB-Schiene, für die auch eine Parallelschaltung aus zwei Elkos gewählt wurde. Der Lüfter nutzt ebenso nur ein einfaches Gleitlager. Die Lötqualität bedarf keiner Verbesserung.