4/6 Honor 8 im Test : Günstiges P9 mit mehr RAM aber ohne Leica

, 114 Kommentare

Mehr RAM als das Vorbild

Für Vortrieb sorgt der SoC Kirin 950 aus eigenem Hause. Das in 16 nm gefertigte System-on-a-Chip bietet insgesamt acht Kerne, unterteilt in zwei Cluster. Das stärkere Cluster bietet vier Cortex-A72-Kerne mit bis zu 2,30 GHz Takt an, die kleineren vier Kerne vom Typ Cortex-A53 takten mit bis zu 1,80 GHz. 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, und somit 1 Gigabyte mehr als beim teureren P9, und eine ARM Mali-T880 MP4 mit 900 MHz ergänzen die Ausstattung.

Im Alltagseinsatz navigiert das Honor 8 zügig durch Menüs und Apps, die Ladezeiten von Programmen und Webseiten sind kurz. Auch der Wechsel zwischen geöffneten Anwendungen gelingt flüssig, Gleiches gilt für Animationen, die ohne Stottern oder Denkpausen auskommen. Wie schon beim schwächeren Honor 5C festgestellt, ist auch beim 8 die Optimierung der EMUI gelungen. In der Vergangenheit sorgte die tiefgreifende Oberfläche gelegentlich für Ruckler, etwa auf dem Honor 5X.

Die GPU fällt hinter den starken CPU-Kernen ab

In synthetischen Messungen profitiert das Smartphone vor allem durch die starken Cortex-A72-Kerne sowie die parallele Nutzung aller acht Kerne. Auf Seiten der CPUs kann der Kirin 950 seine Leistung am besten ausspielen. Im Vergleich zur Konkurrenz von Qualcomm und Samsung fällt das SoC aber durch die vergleichsweise geringe GPU-Leistung ab.

Die High-End-SoCs der Konkurrenz ziehen bei der Grafikleistung je nach Messung auffällig weit vom Honor 8 und Kirin 950 davon. Für 3D-Spiele und die Full-HD-Auflösung reicht die Leistung trotzdem, zudem finden sich im Preisbereich von 400 Euro kaum Smartphones, die mehr Grafikleistung bieten. Ausnahmen wie das OnePlus 3 sind aber vorhanden.

Im Alltagseinsatz ist das Honor 8 ein reaktionsfreudiges und flinkes Smartphone. Die Grafikleistung des SoCs im Allgemeinen ist ausbaufähig, geht in Anbetracht des Preises aber noch in Ordnung.

EMUI greift tief ein

Auch das Honor 8 setzt auf die Oberfläche EMUI. Sie verändert das darunter liegende Android 6.0.1 Marshmallow deutlich bei Optik und Funktionsumfang. Ein Update auf Android 7.0 Nougat wurde noch nicht angekündigt, Honor gibt aber grundsätzlich an, dass Smartphones bis zu zwei Jahre Updates erhalten sollen. Die Sicherheits-Patch-Ebene von Juni war allerdings bereits bei Markteinführung veraltet.

Deutlich wird die Nutzung von EMUI unter anderem durch den Wegfall eines App-Drawers, sodass alle Apps Platz auf den Homescreens und in Ordnern darauf finden. Dazu hat Huawei auch, ähnlich wie Xiaomis MIUI, Benachrichtigungen und Schnellzugriffe auf zwei halb transparenten Seiten voneinander getrennt. Einige Animationen und manche Features, wie die Suche, erinnern nach wie vor an Apples iOS.

Die Oberfläche fällt vor allem durch die bunte Gestaltung auf, kann aber durch Themes dem eigenen Geschmack angepasst werden. Für eine einfachere Bedienung mit größeren Schaltflächen bietet Huawei in den Einstellungen einen zweiten Stil für den Startbildschirm an. Zudem kann die Steuerung durch Schnellzugriffe oder Einhandbedienung angepasst werden.

Schneller Fingerabdrucksensor mit vielen Funktionen

Auf der Rückseite integriert Honor einen kreisrunden Fingerabdrucksensor, der auch als Taste fungiert. Dazu lässt sich einstellen, was geschehen soll, wenn der Knopf ein- oder zweimal gedrückt oder gedrückt und anschließend gehalten wird. Als Schnellzugriffe lassen sich Apps oder Systemdienste wie die Taschenlampe einstellen. Wie von Huawei gewohnt, reagiert der Sensor auch im Standby; das Smartphone muss also nicht vorher über den Einschalter aufgeweckt werden.

Darüber hinaus können optional Wischgesten für den Fingerleser zugeschaltet werden, ein Wisch nach unten respektive oben öffnet beziehungsweise schließt die Benachrichtigungen. Dazu können Fotos in der Galerie von links nach rechts durchgeblättert werden. Sehr schnell.

Viel Software lässt sich deinstallieren

Neben der umfangreichen Oberfläche liefert Honor auch viel Software und Spiele ab Werk mit. Dazu zählen neun „Top-Apps“, darunter Facebook, Shazam, Opera und Tripadvisor, sowie sieben Spiele von Gameloft. Anders als bei manch anderem Herstellern lassen sich diese aber zumindest deinstallieren und nicht nur deaktivieren. Zudem liefert Huawei auch weitere Apps für den Alltag mit, darunter sinnvolle wie eine App zur Nutzung des Honor 8 als Fernbedienung sowie einen Dateimanager, auf der anderen Seite aber auch eine Anwendung von fragwürdigem Nutzen, um das Smartphone als Spiegel einzusetzen. Für die Tastatur setzt Honor auf Swype.

An der Philosophie hinter der EMUI ändert sich auch auf dem Honor 8 nichts. Die Oberfläche greift tief ein und verändert Android sehr deutlich, soll dafür aber eine einfache Bedienung und viele Funktionen zusätzlich bieten. Wie schnell Updates folgen, muss die Zukunft zeigen. Ärgerlich ist die viele Software von Drittanbietern ab Werk, erfreulich hingegen, dass diese deinstalliert werden kann.

Auf der nächsten Seite: Dual-Kamera ohne Leica und nur in Farbe