4/6 Lenovo Moto Z im Test : Viel Leistung in 5,2 mm

, 69 Kommentare

Viel Leistung und Wärme im schlanken Gehäuse

Unter der schlanken Haube des Moto Z steckt mit dem Qualcomm Snapdragon 820 ein System-on-a-Chip mit hoher Leistungsfähigkeit. Ab Werk taktet Lenovo die Leistung herunter: Die schnelleren Kerne takten mit bis zu 1,80, die langsameren mit bis zu 1,36 GHz. Bei der Konkurrenz liegen die Taktraten meist bei 2,10 beziehungsweise 1,59 GHz.

Der Grund ist das schlanke Gehäuse, das die Wärmeabfuhr erschwert. Denn trotz der niedrigeren Taktraten ist die Wärmeentwicklung bei der Nutzung von Internet-Apps, Updates oder anhaltender, stärkerer Nutzung teils sehr rasch spürbar, insbesondere im unteren Drittel der Rückseite.

Im normalen Alltagseinsatz fühlt sich das Moto Z trotzdem schnell an. Menüs und Apps sind sehr zügig einsatzbereit, was auch am sehr schnellen Flash-Speicher nach UFS-2.0-Standard liegt. Auch der Wechsel zwischen bereits geöffneten Anwendungen gelingt flüssig. Im Alltag lassen die niedrigeren Taktraten keinen spürbaren Unterschied zu.

Auch in synthetischen Messungen kann sich das Moto Z durch die hohe Leistung des Snapdragon 820 jederzeit gute Positionen sichern, Spitzenplätze bleiben allerdings aus. Um zu ermitteln, wie stark sich die Wärmeentwicklung auf die Leistung im Moto Z auswirkt, wurden 20 Abläufe des GFXBench Manhattan 3.0 hintereinander durchgeführt.

Fast kein Drosseln unter Last

Um die Auswirkungen der geringen Bauhöhe auf die Temperatur und daraus folgend die Leistungsentwicklung zu untersuchen, wurde das Moto Z zwanzig Mal hintereinander mit dem GFXBench Manhatten ES 3.0 Offscreen getestet. Die Ergebnisse des Lenovo-Flaggschiffs beeindrucken.

FPS-Entwicklung GFXBench Manhattan OpenGL ES 3.0 bei Dauerbelastung
Lenovo Moto Z HTC 10 LG G5
Durchgang FPS Delta höchster Wert FPS Delta höchster Wert FPS Delta höchster Wert
1 41 – 0,0 % 49 – 0,0 % 47 – 2,1 %
2 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 47 – 2,1 %
3 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 48 – 0,0 %
4 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 48 – 0,0 %
5 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 48 – 0,0 %
6 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 45 – 6,25 %
7 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 43 – 10,5 %
8 39 – 4,8 % 48 – 2,0 % 43 – 10,5 %
9 39 – 4,8 % 47 – 4,1 % 42 – 12,5 %
10 39 – 4,8 % 38 – 22,5 % 40 – 17,9 %
11 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 42 – 12,5 %
12 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %
13 39 – 4,8 % 38 – 22,5 % 42 – 12,5 %
14 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %
15 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %
16 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 42 – 12,5 %
17 39 – 4,8 % 46 – 6,2 % 40 – 16,7 %
18 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %
19 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %
20 39 – 4,8 % 37 – 24,5 % 40 – 16,7 %

Anders als Modelle mit der stärksten Ausführung des Snapdragon 820, erreicht das Moto Z mit maximal 41 FPS rund sechs bis acht Bilder pro Sekunde weniger, trotzdem fällt die Grafikleistung hoch aus. Noch auffälliger ist allerdings nicht der Leistungsabfall, sondern die Konstanz. Nach dem zweiten Durchgang hielt das Smartphone durchgängig 39 FPS bei Zimmertemperatur von 23 Grad, ein Einbruch der FPS war nicht zu verzeichnen. Eine solche Konstanz konnte noch kein High-End-Smartphone im Test bisher vorweisen, vielmehr überzeugt diese aber in Anbetracht der geringen Bauhöhe.

Die Wärmeentwicklung wurde früh spürbar und entwickelte sich leicht weiter, das Smartphone wurde aber zu keiner Zeit so heiß, dass es nicht mehr angefasst werden konnte. Zudem gab das Moto Z ein hörbares Rauschen oder Rattern über den Pins ab, das aber nur zu hören war, wenn man es dicht an das Ohr hält.

Kaum verbasteltes Android

Wie gewohnt zeigt sich Android 6.0.1 auf dem Moto-Smartphone unverbastelt und bis auf wenige Änderungen und Apps nah an Googles Version. Durch den Verzicht auf eine eigene Oberfläche profitiert auch das Moto Z vom geradelinigen und gereiften Google Now Launcher. Wann das Flaggschiff auf Android 7.0 Nougat kommt, ist aktuell noch nicht bekannt. Die Sicherheits-Patch-Ebene von 1. August 2016 ist nicht ganz aktuell. Im Vorfeld hatte Motorola bereits monatliche Patches ausgeschlossen, stattdessen sollen diese gebündelt oder auch mit einer neuen Android-Version erscheinen.

Die Änderungen sind wie von Motorola gewohnt eine eigene Kamera-App sowie Moto, eine App die verschiedene Gesten, Schnellzugriffen und Regeln beinhaltet. So kann durch zweifaches Drehen die Kamera, durch zweifaches Hacken die Taschenlampe oder durch Berührung der Standby-Bildschirm aktiviert werden. Mit einer Wischgeste kann zudem auch eine Verkleinerung des Bildschirm eingerichtet werden, die bei der Einhandbedienung des vergleichsweise großen Smartphones hilft. Zudem kann über Moto Sprache eine Weiterleitung zu Google Now erstellt werden, die auch aus dem Standby heraus auf den Befehlssatz des Nutzers wartet und somit rein sprachgesteuert funktioniert.

Einige der Änderungen, wie etwa der Schnellzugriffe auf die Kamera aus jeder Situation heraus, sind im Alltag sehr sinnvoll und leicht gelöst. Auch rund zwei Hände voll an kleineren Ergänzungen an gesammelter Stelle ist simpel und übersichtlich gelöst. Das ansonsten reine Android kann so seine Stärken ausspielen und wird nicht in Übersichtlichkeit oder Leistung eingeschränkt.

Fingerabdrucksensor
Fingerabdrucksensor

Unter dem Display sitzt der aus dem Moto G4 (Plus) bekannte Fingerabdrucksensor. Dieser ist in wenigen Schritten eingerichtet und funktioniert zuverlässig und schnell. Der Fingerleser funktioniert auch aus dem Standby heraus, sodass das Smartphone nicht vorher geweckt werden muss. Zudem kann er auch zum Sperren benutzt werden, indem der Finger draufgehalten wird – der Power-Button wird so kaum benötigt, gerade wenn das Handy auf dem Rücken liegt erweist dies sich als hilfreich.

Auf der nächsten Seite: Mäßige Kamera